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Auf Tour: Festival-Vorbereitungen für das Ausland

von festivalsunited.com #festivals
Auf Tour:  Festival-Vorbereitungen für das Ausland

Obwohl die Festival-Landschaft in Deutschland mit jedem Jahr bunter und vielfältiger wird, sollte man auch die zahlreichen Veranstaltungen im Ausland nicht außer Acht lassen. Von Glastonbury über Burning Man oder Tomorrowland bis Sziget oder Coachella.

Die Auswahl an Festivals in Europa und darüber hinaus ist riesig und kaum mehr zu überblicken. Wir geben Tipps für die optimale Vorbereitung, damit die Festival-Tour ins benachbarte oder auch entferntere Ausland optimal verläuft und euch unangenehme Überraschungen erspart bleiben.

Festival finden, Tickets buchen
Tickets auf dem offiziellen Weg kaufen

Ticket-Anbieter gibt es im Internet in zunehmender Zahl, allerdings können nicht alle die Seriosität vorweisen, die bei teils nicht unerheblichen Ausgaben für die Tickets wünschenswert wäre. Auch wenn Resale-Angebote oder Privatverkäufe oft die letzte Möglichkeit sind, überhaupt noch an Karten für ein Event zu kommen, sollten sie nicht die erste Wahl sein. Denn beim Käuferschutz sieht es in solchen Fällen häufig schlecht aus, die potenziellen Schwierigkeiten reichen von gefälschten Tickets bis hin zu nicht existenten Eintrittskarten. Selbst bei Original-Tickets gibt es mitunter keine Garantie, damit ohne Weiteres auf das Festival zu kommen, zum Beispiel im Fall von personalisierten Tickets. Die Veranstalter wollen mit Sicherheitsvorkehrungen dieser Art den Schwarzmarkt unterbinden, erschweren damit jedoch auch die Übertragung von Tickets auf andere Personen.

Die Beschwerden, die wegen einschlägigen Online-Ticketbörsen etwa bei der Verbraucherzentrale eingehen, sind entsprechend vielfältig:

Garantieversprechen umfassen häufig kaum mehr, als dem Käufer ohnehin zustehen würden. Im Gegenteil sind sie nicht selten durch die AGB der Ticketbörsen eingeschränkt. Allerdings erwecken diese Versprechungen den Eindruck, die Tickets bei einem direkten Verkäufer zu bestellen.

Als schwierig können sich auch Ersatztickets erweisen: Viagogo etwa wählt diese nach eigenem Ermessen aus, mit dem Ergebnis, dass auf den Tickets andere Plätze oder sogar andere Termine stehen. Apropos falsche Plätze: Beschwerden gibt es deswegen immer wieder. Stehplätze statt der bestellten Sitzplätze, keine nebeneinander liegenden Plätze oder andere Platzkategorien gehören zu den Risiken.

Dass die Beschwerden bei der Verbraucherzentrale eingehen, hat in vielen Fällen einen einfachen Grund: Die Kunden können die Anbieter nicht erreichen. Anstatt Kunden-Service und telefonischer Erreichbarkeit gibt es häufig nur automatisierte Standard-Mails.

Vermittler, Verkäufer und der feine Unterschied

Das Problem liegt nicht zuletzt in der Art und Weise, wie etwa die Ticketbörse Viagogo funktioniert: Die Börse fungiert lediglich als Vermittler zwischen den Kunden und den (privaten) Verkäufern. In den AGB ist die Vermittlerrolle zwar vermerkt, beim Kaufvorgang wird diese aber nicht deutlich. Daraus resultiert einerseits schnell die falsche Annahme, nicht einen Privatverkauf zu tätigen, sondern ganz offiziell Tickets zu ordern. Andererseits bedeutet das Geschäftsmodell, bei dem die Verkäufer gar nicht angegeben werden, dass bei Schwierigkeiten auch niemand wirklich greifbar ist – die Probleme bleiben beim Kunden hängen. Darüber hinaus sind die Preise häufig deutlich über dem regulären Niveau, da hier die Nachfrage den Preis bestimmt. Hinzu kommen zudem häufig Buchungs- und Abwicklungskosten, die nicht immer eindeutig ausgewiesen werden. Gleiches gilt für die Umsatzsteuer.

Sicherer fährt man mit den offiziellen Wiederverkaufsangeboten (Ticket-Resale) der jeweiligen Veranstalter. Viele internationale Festivals bieten inzwischen eigene Services, über die Besucher ihre Tickets unkompliziert und sicher weiterverkaufen können und auch eine unkomplizierte Anpassung der Personalisierung möglich ist. Allerdings sollte auch hier auf’s Kleigedruckte geachtet werden, um etwaige Mehrkosten im Blick zu behalten.


Resale ist möglich – aber nur über die offiziellen Stellen

Was allerdings selbst bei offiziellen Ticketverkäufern ein Problem darstellen kann, insbesondere dann, wenn diese ihren Sitz im Ausland haben, ist das Timing der Zustellung. Hilfreich ist es daher immer, Alternativen zum normalen Postversand zu prüfen. Dazu gehört etwa die Bereitstellung einer Printversion, die jederzeit am heimischen Drucker ausgedruckt werden kann. Eine weitere Option ist die Abholung am sogenannten „Will Call“, bei dem die Karten an der (Abend-)Kasse hinterlegt werden. Auf größeren Festivals gibt es dafür in der Regel spezielle Abholschalter.

Flug, Zug, Mietwagen oder Reisebus?

Bei lokalen oder nationalen Festivals, stellt es in der Regel keine sonderliche Herausforderung dar, die übliche Festivalausrüstung zum Ort des Geschehens zu transportieren. Bei längeren Anreisen gestaltet sich die Logistik mitunter deutlich schwieriger. Schauen wir uns daher die unterschiedlichen Reiseoptionen an.

Anreise per Flugzeug

Einige Festivals im Ausland sind am besten oder einzig mit dem Flugzeug zu erreichen. Damit sich die Kosten dafür in Grenzen halten, sollte frühzeitig nach einem passenden Flug geschaut werden. Denn wer rechtzeitig sucht und bucht, kommt in der Regel deutlich günstiger weg als Spätbucher. Denn Schnäppchen in allerletzter Minute werden bei Flugreisen immer seltener. Daher ist ein zu langes Warten auf einen Verfall der Preise mit einem entsprechenden Risiko verbunden. Die besten Preise kann man meist bis etwa drei Wochen vor dem Abflug bekommen. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht, da zahlreiche Faktoren auf die Preisentwicklung Einfluss nehmen.

Zudem ist es empfehlenswert, bei der Reiseplanung flexibel zu bleiben. Statt fixer Flugtermine sollte innerhalb eines etwas weitergefassten Zeitraums nach Flügen gesucht werden. Das kann günstige Alternativen zu Tage fördern. Je nach Veranstaltungsort des Festivals ist zudem durchaus lohnenswert, die Umgebung 1 bis 2 Tage vorher oder nachher zu erkunden.

Wichtig: werft auch hier einen Blick ins Kleingedruckte. Denn ein vermeintlich günstiges Angebot kann durch zusätzliche Kosten für eine Sitzplatzreservierung oder die Gepäckaufgabe deutlich teurer werden. Ein Blick in die Geschäftsbedingungen der Airlines – und zwar bei allen, denn Zusatzkosten sind ein verbreitetes Problem – ist deshalb ratsam.

Anreise mit dem Zug

Deutlich umweltschonender als ein Flug ist natürlich die Anreise mit dem Zug. Gerade zu den europäischen Nachbarn sind die Verbindungen gut ausgebaut und mitunter deutlich günstiger. Wer allerdings eine besonders günstige Bahnverbindung sucht, muss nicht selten häufig umsteigen, was die Fahrtzeit in die Länge ziehen kann. Dafür entfallen jedoch Zusatzkosten für Gepäck und lange Wartezeiten für Check-In und Gepäckaufgabe. Die meisten großen Festivals bieten auf ihren Webseiten übrigens spezielle Informationen für die Anreise mit dem Zug an, was die Reiseplanung deutlich erleichtert.

Anreise mit dem Mietwagen

Je nachdem, wohin die Festival-Tour gehen soll, ist auch ein Mietwagen eine denkbare Option. Sofern man sich die Kosten dafür mit einigen Mitfahrern teilen kann, ist es je nach Anbieter eine durchaus günstige Alternative. Zudem hat man ausreichend Platz für Gepäck und bleibt vor Ort mobil, etwa um Einkäufe zu erledigen oder die Gegend zu erkunden. Günstige Saisonangebote gibt es im Prinzip bei jedem Mietwagenanbieter.


Die Anreise per Mietwagen ist in vielen Fällen sicherlich praktisch, kann aber bei ungünstigen Verträgen teuer werden. (Foto: Flamingo Images / Adobe Stock)

Um im Schadensfall jedoch nicht auf hohen Kosten sitzen zu bleiben, empfiehlt sich eine Vollkaskoversicherung. Eine solche ist im Ausland allerdings häufig nicht so umfassend wie in Deutschland. Daher sollten die Versicherungsleistungen eingehend geprüft werden. Zudem solltet ihr eine hohe Selbstbeteiligung vermeiden. Wichtig ist außerdem, dass zusätzliche Fahrererlaubt sind. Dafür werden jedoch in der Regel Extrakosten fällig. Eine umfassende Informationsbroschüre mit allen wichtigen Punkten, auf die beim Mieten eines Wagens zu achten ist, hat der Verbraucherschutz des ADAC Nordrhein e.V. herausgebracht. Damit sollte die Anmietung auch im Ausland keine Probleme bereiten.

Campst du noch oder wohnst du schon?

Zum obligatorischen Festival-Feeling gehört üblicherweise das Campen vor Ort, mit all seinen Entbehrungen und Erfahrungen. Gegen das Campen auf einem Festival im Ausland spricht jedoch in erster Linie ein praktischer Grund: Die entsprechende Ausrüstung muss zumindest den Hinweg absolvieren. Das bedeutet üblicherweise einen gewissen logistischen Aufwand – denn so eine Festival-Packliste kann recht lang werden. Natürlich könnte das nötige Equipment auch vor Ort gekauft werden, eine erhebliche Erleichterung wird das aber höchstwahrscheinlich nicht.


Zelt-Stadt beim Glastonbury-Festival – weil Campen nun einmal einfach dazugehört. (Foto: David / Adobe Stock)

Alternative Übernachtungsmöglichkeiten

Ansonsten müssen andere Übernachtungsmöglichkeiten her. Die haben dann den Vorteil, dass gewisse Hygiene-Bedürfnisse deutlich besser (oder überhaupt) befriedigt werden können. Gerade bei stadtnahen oder innerstädtischen Veranstaltungen ist es eine Überlegung wert, Zelt und Schlafsäcke zu Hause zu lassen und stattdessen für ein paar Übernachtungen in ein Hotel oder Pension zu ziehen. Mittlerweile gibt es genug Budget-Varianten, die für kleines Geld ausreichend Komfort bieten. Daneben bieten auch Hostels oder Jugendherbergen günstige Übernachtungsmöglichkeiten, die aber in der Regel als erste vergriffen sind. Auch ein Blick in die einschlägig bekannten Portale für Ferienwohnungen und Privatunterkünfte sind lohnenswert, vorausgesetzt natürlich, Unterkunft und Festivalgelände liegen in einer vertretbaren Entfernung und die tägliche Anfahrt zum Festivalgelände ist ohne weiteres möglich.


Auto-Camping beim Coachella-Festival ist eine vergleichsweise gesittete Angelegenheit.

Camping Coachella-Style

Für diejenigen, die einen Festival-Besuch ohne Camping für absolut unvorstellbar halten, wegen des Transports der Ausrüstung aber doch ins Grübeln kommen, gibt es eine weitere Alternative. Veranstaltungen wie das Coachella-Festivals in Kalifornien bieten neben den obligatorischen Camping-Varianten mit Auto oder im eigenen Zelt, komfortable Mietzelte. So bietet eine Zelt- und Tipi-Stadt am benachbarten Lake Eldorado ausreichend Unterkunftsmöglichkeiten für unterschiedliche Budgets. Vom einfachen Schlafzelt bis zum luxuriös möblierte Zelt auf den Safari Campgrounds ist die Angebotspalette breit aufgestellt. Es muss also nicht zwangsläufig das eigene Zelt mit auf das Festival. Einfach den Service der Festival-Veranstalter checken.

Sicher unterwegs in fremder Umgebung
Zahlungsmittel

Für kleinere Ausgaben sollte immer etwas Bargeld in der landesüblichen Währung zu vorhanden sein. Die meisten Zahlungen erfolgen heute jedoch mit „Plastikgeld“. Während im EU-Ausland die Girocard (bis 2002 EC-Karte) ein unkompliziertes Zahlungsmittel ist, kommen außerhalb Europas vor allem Kreditkarten zum Einsatz. Sie werden weltweit akzeptiert und ermöglichen, je nach Bank, auch das gebührenfreie Abheben von Bargeld im Ausland. Wer nicht extra einen Kreditkartenvertrag abschließen möchte, für den könnte auch eine Prepaid-Kreditkarte eine Option sein.

Auslandskrankenversicherung
Niemand will sich gerne darüber Gedanken machen, Fakt ist aber: Kein Freizeitvergnügen ist frei von Risiken, die das leibliche Wohlergehen betreffen. „So was passiert immer nur Anderen“ sollte daher nicht unbedingt das Motto für einen Trip zu einem Festival jenseits der Landesgrenzen sein. Was innerhalb der EU noch ziemlich unkompliziert funktioniert – hier reicht es üblicherweise, eine europaweit gültige Krankenkassenkarte dabei zu haben – erfordert im außereuropäischen Ausland schon ein wenig mehr Vorsorge.


Macht so lange Spaß, wie es gut geht – für weniger erfreuliche Zwischenfälle mit Verletzungen oder Krankheiten sollte ausreichender Versicherungsschutz bestehen. (Foto: Dziurek / Adobe Stock)

Ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz für das Ausland sollte die Reise deshalb nicht angetreten werden. Zum Glück halten sich die Kosten dafür in Grenzen: eine Auslandskrankenversicherung kostet für kürzere Urlaubsreisen (damit sind Reisen über einen Zeitraum von unter acht Wochen gemeint) normalerweise kaum mehr als zehn Euro im Jahr. Gemessen an den medizinischen Kosten, die im Ausland für Behandlungen oder Rücktransporte entstehen können, ist das sicherlich eine verschmerzbare Investition.

Alle wichtigen Antworten und Infos rund um die Regelungen mit EU-Mitgliedstaaten, Ländern außerhalb der EU und zur Übernahme bzw. Rückerstattung von Behandlungskosten sind in aller Ausführlichkeit im Online-Ratgeber des Bundesministeriums für Gesundheit zu finden.

Besser informiert, besser vorbereitet
Wenn der Festivalbesuch noch nicht Teil einer langjährigen Tradition mit entsprechenden Erfahrungswerten ist, mag die erste Orientierung manchem schwerfallen. Muss sie natürlich nicht, denn im Digitalzeitalter ist es problemlos möglich, sich unkompliziert zu informieren. Etwa durch den Rückgriff auf praktische Travel-Apps. Diese helfen dabei, lokale Einkaufsmöglichkeiten zu entdecken, bei Bedarf ein Taxi zu ordern oder die nächstgelegene Toilette zu finden.

Besonders wichtig bei allen Vorbereitungen auf den Festival-Trip in ein anderes Land sind Grundkenntnisse bezüglich der dort geltenden Gepflogenheiten und Vorschriften. In den USA beispielsweise wird bei den Sicherheitsvorkehrungen nicht gespaßt, weder im Allgemeinen bei der Einreise noch auf den Festivals selbst. Ohne Ausweis solltest du dort besser nicht auf dem Festival-Gelände unterwegs sein. Spätestens beim Versuch, an alkoholische Getränke zu kommen, musst du diesen möglicherweise vorzeigen, bei besonders engagierten Bedienungen kann sogar der Reisepass (oder eine Kopie) erforderlich sein. Nicht unüblich sind außerdem Fahrzeugkontrollen für Campingplatz-Nutzer, bei denen unter anderem Glasflaschen aussortiert werden. Beim Coachella reichen auch schon Wasserpistolen oder Scheren aus, um die Security auf den Plan zu rufen.

Um Missverständnisse wegen handelsüblicher Medikamente zu vermeiden, sollten diese immer in der Originalverpackung mitgeführt werden. Das gilt übrigens für Festival-Gepäckkontrollen genauso wie für die am Flughafen. In manchen Ländern wird bei Medikamenten, die nicht eindeutig identifiziert werden können, besonders genau hingeschaut.

Also besser nicht davon ausgehen, dass die Festival-Kultur überall gleich ist – vor allem gleich locker. Damit der Spaß nicht durch Auseinandersetzungen mit dem Sicherheitspersonal getrübt wird, solltet ihr euch vorher ein möglichst genaues Bild von Regeln und Vorschriften machen, um einen entspannten und reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.


Smartphones eignen sich nicht nur für Bootlegs, sondern auch als praktische Orientierungshilfe für unterwegs – besonders in fremder Umgebung. (Foto: verve / Adobe Stock)


Bildnachweise:
Bild 1: 2207918 / Adobe Stock
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