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  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Ich habe gestern noch mit einer Freundin, die bereits einige (female) Punk-Bands interviewt hat, gesprochen und würde hier gerne noch eine weitere Perspektive einbringen, die so noch nicht (oder erst wenig) Ausdruck gefunden hat.

    Viele Musikerinnen – gerade in der Punk-Szene – fühlen sich auf Festivalbackstages zwischen den vielen männlichen Kollegen nicht wohl. Da herrscht nämlich immer eine sehr "männliche" Stimmung. Es gibt also auch fernab des klassischen "Bevorzugen von Männern bei Plattendeals" Faktoren, die Frauen indirekt unterdrücken. Hinzu kommt, dass Frauen generell auf vielen Konzerten als Besucherinnen nicht wirklich willkommen geheißen werden. Ich denke hier gerade an Punk- und Hardcore-Shows mit extremen Pogo (Violentdancing) oder Alkoholkonsum. Der Männeranteil ist dort oft auch sehr hoch. Das wirkt also zusätzlich zu den gesellschaftlichen Erwartungen abschreckend. Die Freundin meinte zum Beispiel sie fühle sich auf Indie-Shows (oft sehr durchmischtes Publikum) immer sehr viel wohler als bei den meisten Rock-Konzerten. Vielleicht gibt es hier ja die ein oder andere Mitleserin, die da auch ein paar Erfahrungen oder Eindrücke zu beitragen kann.

    Zusätzlich gibt es gerade in der deutschen Punk/Indie-Landschaft eine krasse Kumpel-Kultur. Da sind alle miteinander cool und pushen sich gegenseitig. Da aber auch dort sehr viele Männer unterwegs sind, ist es sehr schwierig für aufstrebende Musikerinnen an Support-Slots zu kommen, weil die eben oft an die "Kumpels" gehen. Das ist wieder ein sehr gutes Beispiel dafür, dass auch eigentlich gute Intentionen (Freunde supporten) zu der Reproduktion dieser Strukturen beitragen können.

    Zitat

    mattkru schrieb:
    Ich entschuldige mich für mein gestriges Rumgetrolle, aber ich fand es halt nicht gut, das jemand seine Vergangenheit im Profil ,gecancelt’ hat um hier glaubwürdiger zu wirken. Zumindest wirkte es genau so auf mich aufgrund des Timings.

    Ich habe gestern seit Ewigkeiten das erste Mal mein Profil aktualisiert und den Blog für den ich schreibe und den ich mitleite hinterlegt. In dem Zuge habe ich die alte Liste gesehen (die rein formell auch immer katastrophal aussah, weil das noch aus der alten "Maske" übernommen wurde) und rausgenommen. Gibt es keine aktuelle Version von, deshalb ist es komplett verschwunden.

    Ich möchte mich hiermit nicht verteidigen, aber selbst wenn ich die Liste jetzt noch drin gehabt hätte, würde das mein Argument nicht im geringsten schwächen. Ich habe mehrfach betont, dass ich die Suche nach individueller Schuld für falsch halte, weil das Problem ein strukturelles ist. Von den gesellschaftlichen Wirkungen kann sich niemand frei machen. In meiner musikalischen Sozialisation spielte gerade dieses Forum hier und die Festivals, die hier stattfinden, eine große Rolle. Die musikalischen Helden sind da immer ganz eindeutig Männer. Deshalb hat sich bei mir ein sehr männerdominierter Musikgeschmack entwickelt. Gerade in den letzten Jahren – danke gesteigertes Problembewusstsein – halte ich da aber bewusster gegen.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Zitat

    rockimpott2012 schrieb:
    Die allgemeinste Kritik zur Einführung von Quoten, die ich für disktuierbar halte, ist wohl eine erkenntnistheoretische Frage:

    Woher weiß man, dass die Mehrpräsenz einer bisher unterrepräsentierten Gruppe überhaupt zu einem angestrebten langfristigen Umdenken der Gesellschaft in Bezug auf diese Gruppe führen kann? Was spricht dafür? Was dagegen?

    Sprich: Lässt sich die gesellschaftliche Akzeptanz, die Gleichwertschätzung wirklich dadurch nachhaltig steigern, dass man das, was aktuell fehlen mag, eben die größere Präsenz, erst einmal herbeiführt?

    Man könnte sicherlich argumentieren: Es ist die Gewohnheit, die unser Denken formt. Wenn die nächsten 50 Jahre die Frauenquote hochgeht, werden die nächsten Generationen in der Breite (!) derartig denken, dass Frauen in der Musik gleichwertig geschätzt und respektiert werden wie alle andere Gruppen auch. In fünfzig Jahren werden dann womöglich ähnliche viele Mädchen wie Jungen eine Band gründen und auch damit erfolgreich sein können. (Was ja angestrebt wird, da es kein nachvollziehbares Anzeichen dafür zu geben scheint, weshalb Männer eher musikaffin sein können sollten als andere Geschlechter.)

    Entgegnen könnte man nun wiederum, dass die Gewohnheit sicherlich nur einer von diversen Faktoren ist, die Denken formen (können).

    Und was wäre, wenn man die Quote irgendwann dann wieder abschafft, wenn die Anteile der Gruppen zahlenmäßig ausgewogen sind? Würden sie so ausgewogen bleiben? Das heißt: Kann die Quote überhaupt wieder abgeschafft werden? Und wenn sie beibehalten wird, dann weil es Gesetz oder schlicht Gewohnheit ist, oder weil die meisten das auch wirklich so wollen?

    Es kann zuletzt die Frage abgeleitet werden: Ist ein ausgewogenes zahlenmäßiges Verhältnis eigentlich wirklich gerecht - oder gibt es Tatsachen innerhalb unserer Wirklichkeit, die ein gleiches Verhältnis gar nicht bedingen? Konkret also die Frage: Ist Gleichheit IMMER das gerechteste? Oder spielen zusätzliche Faktoren eine Rolle? Würde bei gleichem Verhältnis von Frauen und Männern auf Festivalbühnen tatsächlich mehr individuellen Menschen Gerechtigkeit zukommen, als welchen genommen würde? (Allgemein auch interessant: Worin unterscheiden sich Gleichheit und Gerechtigkeit?)

    Nur mal so als kleine Anstöße zum Darübernachdenken. (Dazu gibt es philosophische Abhandlungen, in die man sich Jahre vertiefen könnte...)

    Vieles werden wir wahrscheinlich erst lernen und einschätzen können, nachdem wir es erfahren haben. Wichtig ist also die Frage: Nach welchen Maßstäben sollten wir uns auf Versuche, auf Neuartiges einlassen? Diese Frage ist höllisch schwer. Fortschritt ist immer auch Veränderung, aber nicht jede Veränderung ist ein Fortschritt.

    Finde ich gute und wichtige Punkte. Ich würde dazu generell aber sagen, dass die Forschung (momentan zumindest) in derartigen Maßnahmen eher positive Effekte sieht und wir ohne weiteren Aktionismus niemals herausfinden werden, wie die Empirie zu diesen theoretischen Überlegungen steht.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Zitat

    schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    rockimpott2012 schrieb:
    @MYCHEMGD1234: Impliziert Chancengleichheit für dich denn auch, dass bereits erfolgreiche Acts auf einem (nehmen wir mal an) gleich groß bleibenden Musikmarkt, der nicht Platz für mehr Acts lässt, zurücktreten müssen, um Platz für mehr Acts einer bestimmten anderen Gruppe (hier: weibliche Acts) zu machen? Oder betrifft das in erster Linie die Integrierung noch junger Acts in den Markt, die erstmalig für Festivals gebucht werden? Wie würdest du da vorgehen?

    Die Vorstellung, dass es sich dabei generell um ein Nullsummenspiel (sprich: bei zwei Spieler*innen verliert eine*r und eine*r gewinnt) handelt, ist gerade im Streamingzeitalter aus meiner Sicht falsch. Es gibt (prinzipiell) genug Raum für alle.

    Was Festivallineups explizit angeht: Mehr Konkurrenz wird für einige Acts natürlich erstmal Nachteile bringen, weil Slots umkämpfter werden. Das betrifft vermutlich gerade mittlere bis kleine Slots. Vor dem Hintergrund, dass Männer lange schon von ihren Privilegien profitieren, ist das aber wohl ein nötiges Übel. Bleiben wir mal bei dieser ökonomischen Sicht und betrachten das alles als einen Markt: Hat sich das alles etabliert und mehr Bands mit weiblicher Beteiligung starten durch, wird die gesteigerte Konkurrenz dafür sorgen, dass die Qualität der Lineups zunimmt, weil mittelmäßige Männer von guten Frauen ersetzt werden. In der Politik sieht man das zum Beispiel in Parlamenten, in denen Frauenquoten eingeführt wurden. Dass Männer da um ihre Position bangen ist zu einem gewissen Grad also nachvollziehbar, letzten Endes ist der "Wettbewerb" aber nur so fair.

    Solche Entwicklungen könnten sogar den Vorteil haben, die Ungleichheiten zwischen Gagen zu reduzieren. Gerade für Headliner sind die Gagen in den letzten Jahren ja schon extrem gestiegen. Muse können sicherlich auch überleben, wenn sie "nur" 500.000 pro Abend bekommen statt 1.000.000.

    Zum Vorgehen: Ich kann mit einer Quote leben, die nach und nach hochgesetzt wird. Ich kann aber auch ohne Quote leben, wenn der Wille erkennbar ist, dem Trend entgegenwirken und das Problem und die eigene Rolle in diesem Problem anerkennen zu wollen.

    Da es tatsächlich in der Tendenz mehr zugkräftige Männer-Headliner gibt, finde ich die Idee gut zu versuchen das Feld schrittweise von unten aufzurollen. Wenn man in Quoten denken möchte, könnte man sogar auf unterster Ebene 50% (oder meinetwegen auch 40% oder 30% erstmal) setzen und diesen Anteil nach und nach – je höher man geht – abschwächen. Wenn man besagte Acts dann noch clever positioniert (Thema Hauptbühne) bin ich mir sicher, dass Festivals wie Rock am Ring oder das Hurricane da langfristig Teil einer progressiven, für Veränderung sorgenden Bewegung sein können.

    verstehe ich und sehe auch einige gute Argumente.
    Denoch sehe ich die Umsetzung schwierig

    Hast du konkrete Punkte, woran die Umsetzung scheitern könnte?


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Zitat

    mattkru schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    rockimpott2012 schrieb:
    @MYCHEMGD1234: Impliziert Chancengleichheit für dich denn auch, dass bereits erfolgreiche Acts auf einem (nehmen wir mal an) gleich groß bleibenden Musikmarkt, der nicht Platz für mehr Acts lässt, zurücktreten müssen, um Platz für mehr Acts einer bestimmten anderen Gruppe (hier: weibliche Acts) zu machen? Oder betrifft das in erster Linie die Integrierung noch junger Acts in den Markt, die erstmalig für Festivals gebucht werden? Wie würdest du da vorgehen?

    Die Vorstellung, dass es sich dabei generell um ein Nullsummenspiel (sprich: bei zwei Spieler*innen verliert eine*r und eine*r gewinnt) handelt, ist gerade im Streamingzeitalter aus meiner Sicht falsch. Es gibt (prinzipiell) genug Raum für alle.

    Was Festivallineups explizit angeht: Mehr Konkurrenz wird für einige Acts natürlich erstmal Nachteile bringen, weil Slots umkämpfter werden. Das betrifft vermutlich gerade mittlere bis kleine Slots. Vor dem Hintergrund, dass Männer lange schon von ihren Privilegien profitieren, ist das aber wohl ein nötiges Übel. Bleiben wir mal bei dieser ökonomischen Sicht und betrachten das alles als einen Markt: Hat sich das alles etabliert und mehr Bands mit weiblicher Beteiligung starten durch, wird die gesteigerte Konkurrenz dafür sorgen, dass die Qualität der Lineups zunimmt, weil mittelmäßige Männer von guten Frauen ersetzt werden. In der Politik sieht man das zum Beispiel in Parlamenten, in denen Frauenquoten eingeführt wurden. Dass Männer da um ihre Position bangen ist zu einem gewissen Grad also nachvollziehbar, letzten Endes ist der "Wettbewerb" aber nur so fair.

    Solche Entwicklungen könnten sogar den Vorteil haben, die Ungleichheiten zwischen Gagen zu reduzieren. Gerade für Headliner sind die Gagen in den letzten Jahren ja schon extrem gestiegen. Muse können sicherlich auch überleben, wenn sie "nur" 500.000 pro Abend bekommen, statt 1.000.000.

    Zum Vorgehen: Ich kann mit einer Quote leben, die nach und nach hochgesetzt wird. Ich kann aber auch ohne Quote leben, wenn der Wille erkennbar ist, dem Trend entgegenwirken und das Problem und die eigene Rolle in diesem Problem anerkennen zu wollen.

    Da es tatsächlich in der Tendenz mehr zugkräftige Männer-Headliner gibt, finde ich die Idee gut zu versuchen das Feld schrittweise von unten aufzurollen. Wenn man in Quoten denken möchte, könnte man sogar auf unterster Ebene 50% (oder meinetwegen auch 40% oder 30% erstmal) setzen und diesen Anteil nach und nach – je höher man geht – abschwächen. Wenn man besagte Acts dann noch clever positioniert (Thema Hauptbühne) bin ich mir sicher, dass Festivals wie Rock am Ring oder das Hurricane da langfristig Teil einer progressiven, für Veränderung sorgenden Bewegung sein können.

    Aber am Ende steht das durchschnittliche Festivalpublikum (siehe Kommentare bei FB/Insta) vor der Bühne und schreit ‚Ausziehen! Ausziehen!‘…

    Und das ist gut und soll so bleiben? Oder was ist dein Punkt, der dagegen spricht, dass Veranstalter ihre Rolle als gesellschaftliche Akteure auch akzeptieren?

    Edit: Meine Antwort ist nur so spitz formuliert, weil mein Vorredner keinerlei konstruktive Punkte betont hat, sondern nur Zynismus gezeigt hat.

    Edit 2: Ich editier das jetzt hier rein, weil ich nicht noch mehr Raum einnehmen möchte.

    Zitat

    mattkru schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    mattkru schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    rockimpott2012 schrieb:
    @MYCHEMGD1234: Impliziert Chancengleichheit für dich denn auch, dass bereits erfolgreiche Acts auf einem (nehmen wir mal an) gleich groß bleibenden Musikmarkt, der nicht Platz für mehr Acts lässt, zurücktreten müssen, um Platz für mehr Acts einer bestimmten anderen Gruppe (hier: weibliche Acts) zu machen? Oder betrifft das in erster Linie die Integrierung noch junger Acts in den Markt, die erstmalig für Festivals gebucht werden? Wie würdest du da vorgehen?

    Die Vorstellung, dass es sich dabei generell um ein Nullsummenspiel (sprich: bei zwei Spieler*innen verliert eine*r und eine*r gewinnt) handelt, ist gerade im Streamingzeitalter aus meiner Sicht falsch. Es gibt (prinzipiell) genug Raum für alle.

    Was Festivallineups explizit angeht: Mehr Konkurrenz wird für einige Acts natürlich erstmal Nachteile bringen, weil Slots umkämpfter werden. Das betrifft vermutlich gerade mittlere bis kleine Slots. Vor dem Hintergrund, dass Männer lange schon von ihren Privilegien profitieren, ist das aber wohl ein nötiges Übel. Bleiben wir mal bei dieser ökonomischen Sicht und betrachten das alles als einen Markt: Hat sich das alles etabliert und mehr Bands mit weiblicher Beteiligung starten durch, wird die gesteigerte Konkurrenz dafür sorgen, dass die Qualität der Lineups zunimmt, weil mittelmäßige Männer von guten Frauen ersetzt werden. In der Politik sieht man das zum Beispiel in Parlamenten, in denen Frauenquoten eingeführt wurden. Dass Männer da um ihre Position bangen ist zu einem gewissen Grad also nachvollziehbar, letzten Endes ist der "Wettbewerb" aber nur so fair.

    Solche Entwicklungen könnten sogar den Vorteil haben, die Ungleichheiten zwischen Gagen zu reduzieren. Gerade für Headliner sind die Gagen in den letzten Jahren ja schon extrem gestiegen. Muse können sicherlich auch überleben, wenn sie "nur" 500.000 pro Abend bekommen, statt 1.000.000.

    Zum Vorgehen: Ich kann mit einer Quote leben, die nach und nach hochgesetzt wird. Ich kann aber auch ohne Quote leben, wenn der Wille erkennbar ist, dem Trend entgegenwirken und das Problem und die eigene Rolle in diesem Problem anerkennen zu wollen.

    Da es tatsächlich in der Tendenz mehr zugkräftige Männer-Headliner gibt, finde ich die Idee gut zu versuchen das Feld schrittweise von unten aufzurollen. Wenn man in Quoten denken möchte, könnte man sogar auf unterster Ebene 50% (oder meinetwegen auch 40% oder 30% erstmal) setzen und diesen Anteil nach und nach – je höher man geht – abschwächen. Wenn man besagte Acts dann noch clever positioniert (Thema Hauptbühne) bin ich mir sicher, dass Festivals wie Rock am Ring oder das Hurricane da langfristig Teil einer progressiven, für Veränderung sorgenden Bewegung sein können.

    Aber am Ende steht das durchschnittliche Festivalpublikum (siehe Kommentare bei FB/Insta) vor der Bühne und schreit ‚Ausziehen! Ausziehen!‘…

    Und das ist gut und soll so bleiben? Oder was ist dein Punkt, der dagegen spricht, dass Veranstalter ihre Rolle als gesellschaftliche Akteure auch akzeptieren?

    Edit: Meine Antwort ist nur so spitz formuliert, weil mein Vorredner keinerlei konstruktive Punkte betont hat, sondern nur Zynismus gezeigt hat.

    Also ehrlich gesagt finde ich deine ‚Wasser predigen und Wein saufen‘ Mentalität eher zynisch weil du heute morgen noch eine ellenlange ‚Gesehene Bands‘ - Liste in deinem Profil hattest, die zu 95% aus Männerbands bestand.

    Sind wir jetzt echt auf dem Niveau angekommen, dass wir auf so eine Ebene gehen? Wie unangenehm ist bitte dieser Fokus auf meine Person gerade. Ich werde jetzt ganz sicher nicht zu einer alten Seen Live-Liste von 2015 Stellung nehmen.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Zitat

    rockimpott2012 schrieb:
    @MYCHEMGD1234: Impliziert Chancengleichheit für dich denn auch, dass bereits erfolgreiche Acts auf einem (nehmen wir mal an) gleich groß bleibenden Musikmarkt, der nicht Platz für mehr Acts lässt, zurücktreten müssen, um Platz für mehr Acts einer bestimmten anderen Gruppe (hier: weibliche Acts) zu machen? Oder betrifft das in erster Linie die Integrierung noch junger Acts in den Markt, die erstmalig für Festivals gebucht werden? Wie würdest du da vorgehen?

    Die Vorstellung, dass es sich dabei generell um ein Nullsummenspiel (sprich: bei zwei Spieler*innen verliert eine*r und eine*r gewinnt) handelt, ist gerade im Streamingzeitalter aus meiner Sicht falsch. Es gibt (prinzipiell) genug Raum für alle.

    Was Festivallineups explizit angeht: Mehr Konkurrenz wird für einige Acts natürlich erstmal Nachteile bringen, weil Slots umkämpfter werden. Das betrifft vermutlich gerade mittlere bis kleine Slots. Vor dem Hintergrund, dass Männer lange schon von ihren Privilegien profitieren, ist das aber wohl ein nötiges Übel. Bleiben wir mal bei dieser ökonomischen Sicht und betrachten das alles als einen Markt: Hat sich das alles etabliert und mehr Bands mit weiblicher Beteiligung starten durch, wird die gesteigerte Konkurrenz dafür sorgen, dass die Qualität der Lineups zunimmt, weil mittelmäßige Männer von guten Frauen ersetzt werden. In der Politik sieht man das zum Beispiel in Parlamenten, in denen Frauenquoten eingeführt wurden. Dass Männer da um ihre Position bangen ist zu einem gewissen Grad also nachvollziehbar, letzten Endes ist der "Wettbewerb" aber nur so fair.

    Solche Entwicklungen könnten sogar den Vorteil haben, die Ungleichheiten zwischen Gagen zu reduzieren. Gerade für Headliner sind die Gagen in den letzten Jahren ja schon extrem gestiegen. Muse können sicherlich auch überleben, wenn sie "nur" 500.000 pro Abend bekommen statt 1.000.000.

    Zum Vorgehen: Ich kann mit einer Quote leben, die nach und nach hochgesetzt wird. Ich kann aber auch ohne Quote leben, wenn der Wille erkennbar ist, dem Trend entgegenwirken und das Problem und die eigene Rolle in diesem Problem anerkennen zu wollen.

    Da es tatsächlich in der Tendenz mehr zugkräftige Männer-Headliner gibt, finde ich die Idee gut zu versuchen das Feld schrittweise von unten aufzurollen. Wenn man in Quoten denken möchte, könnte man sogar auf unterster Ebene 50% (oder meinetwegen auch 40% oder 30% erstmal) setzen und diesen Anteil nach und nach – je höher man geht – abschwächen. Wenn man besagte Acts dann noch clever positioniert (Thema Hauptbühne) bin ich mir sicher, dass Festivals wie Rock am Ring oder das Hurricane da langfristig Teil einer progressiven, für Veränderung sorgenden Bewegung sein können.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Ich kann die Frustration einiger pro Umdenken-Argumentierer*innen hier nach und nach echt verstehen. Es gibt in diesem Thread auf alle Fragen und "kritischen" Beäugungen, die hier gerade auch auf der letzten Threadseite gepostet wurden, Antworten.

    Zitat

    Gerry schrieb:
    Achtung Fiktion:
    Ja, man kann natürlich sagen, dass vieles geschlechterspezifisch durch die Geschichte dominiert ist. Was wäre gewesen, wäre Elvis eine Frau gewesen? Chuck Berry, B.B.King weibliche Blues-Sänger an denen sich die Stones, Beatles etc. orientiert hätten. Dann hätten wir wahrscheinlich jetzt eine weiblich dominierte Musiklandschaft mit weiblichen Vorbildern.

    Du hast scheinbar meinen Punkt nicht richtig verstanden. Es gab bedeutende Frauen (siehe Sister Rosetta – eine Schwarze Frau), die – dort noch viel stärkeren – patriarchalen Strukturen haben diese Figuren aber schon damals "von der Karte radiert". Diese sehr homogenen Erwartungen (Musiker -> weiß und männlich) werden seitdem fortweg reproduziert.

    Zitat

    Gerry schrieb:
    Tante Edit meint, dass ein Großteil der Mädels in den Schulen auch eher "weibliche" Instrumente wie Querflöte, Geige etc. nehmen, anstatt dass sie sich hinter das Schlagzeug setzen oder Gitarre lernen. Und ja, Ausnahmen gibt es überall. Es gibt auch 16-jährige Mädels, die Maurerin werden wollen, eine männerdominierte Branche.

    Und hierzu: Wie oft soll hier noch stehen, dass die Wahl eines Hobbies (und hatten wir auch schon öfter: Das führt dann häufig zum Berufsmusikertum) extremst von Geschlechterrollen und Vorbildfiguren geprägt wird. Wenn der Großteil der Menschen, die auf Bühnen Gitarren in den Händen halten, männlich ist, dann beeinflusst das auch kommende Generationen. Wenn ich keine Frauen sehe und kenne, die Gitarre spielen, sondern nur solche, die singen oder Klavier spielen, dann werde ich auch selber – in der Tendenz – nicht darauf kommen Gitarre lernen zu wollen.

    Zitat

    Yertle-the-Turtle schrieb:
    Möchte ein Mädchen ein Instrument lernen sind es höchstens die Eltern, die der Sache im Weg stehen können.

    Nein. Die Eltern können auch im Weg stehen, die gesellschaftlichen Erwartungen prägen aber schon viel früher. Ich kann mein Kind zuhause so geschlechterneutral erziehen wie es geht, sobald es aber im Kindergarten auf andere Kinder trifft, die anders erzogen wurden, verpufft ein Großteil dieser Freiheiten wieder. Denn – ein Beispiel – wenn die anderen Kinder darüber lachen, was du trägst, dann muss deine Willenskraft sehr sehr stark sein, dass du es auch weiterhin anziehst. Der gesamtgesellschaftliche Kontext lässt sich da nicht wegdenken.

    Vielleicht liegt dieser Starrsinn daran, dass die Perspektivwechsel schwer fallen und viele Männer es sich nicht vorstellen können, wie stark gesellschaftliche Erwartungen wirken (ja, auch Männer leiden unter diesen Rollenverteilungen, aber letzten Endes sind sie immer noch die Profiteure dieser Strukturen). Aber mich frustriert es echt hier immer wieder dieselben in die Tiefe gehenden Erklärungen lesen zu müssen und trotzdem kommt von den Kritikern immer wieder: Chancengleichheit würde existieren. Chancengleichheit impliziert, dass jede*r mit derselben Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Aufstieg schaffen kann. Die gesellschaftlichen Erwartungen alleine – und da haben wir noch nicht auf die Diskriminierungen und Stolpersteine im Kleinen geguckt, denn mein Argument ist ein strukturelles (sprich: Es gibt keine Intention) – verhindern die Umsetzung dieser Chancengleichheit bereits.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Zitat

    Locust schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Ich melde mich auch mal zu Wort. Erstmal hat es mich sehr gefreut, dass so Diskussionen hier scheinbar schon auch zum Um- und Nachdenken anregen können. Ich finde es sehr stark, dass Stiflers Mom so offen kommuniziert, wie sie der Diskurs damals zum Umdenken gebracht hat. Vielen Menschen fällt es sonst schon sehr schwer erstmal einzusehen, dass andere Positionen vlt „richtiger“ sind, das dann aber auch noch transparent zu machen, geht nochmal einen Schritt weiter. Nur mit einer so offenen Fehlerkultur - so nenne ich es jetzt einfach mal - wird sich langfristig nämlich etwas ändern.

    Zum Thema persönlicher Musikgeschmack möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Natürlich ist nicht der einzelne Geschmack diskriminierend. Das ist für die Frage nach persönlicher Schuld an den Strukturen ganz bedeutend.

    Ähnlich anderen strukturellen Problemen (Thema Rassismus) ist unsere musikalische Sozialisation aber immer noch von alten Machtstrukturen geprägt. Als Gitarrenmusik aufkam standen Frauen gesellschaftlich noch sehr viel ungleicher da als heute. Es gab damals zwar auch Gitarrenheldinnen (Sister Rosetta zum Beispiel) genauso wie die Ursprünge von Blues und co wurden diese „bunten“ Anfänge aber nach und nach weiß- und männlich umgemünzt. Solche Strukturen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Zum einen über die musikalische Sozialisation der Musiker*innen (Menschen bekommen immer noch vermittelt, Männer würden zu anderen Instrumenten greifen als Frauen - das ist auch heute noch so. Die Schlagzeugerin der belgischen Band Brutus erzählte mir mal in einem Interview sie habe damals zuerst Klavier gelernt, weil für sie - Thema Geschlechterrollen - ganz selbstverständlich gewesen sei, dass Mädchen Klavier spielen oder alternativ singen), zum anderen über die musikalische Sozialisation der Zuhörer*innen (bestimmte Charakteristika gelten als angenehm und ansprechend, andere als weniger ansprechend - ob Frauen- oder Männer an Instrumenten als kompetent wahrgenommen werden oder weiblich aufgefasster Gesang gefällt, ist letzten Endes eben auch Gewohnheit [bestes Beispiel: „Schreimusik“]). Sprich: Über diese zwei Wirkkanäle werden diese durch alte Strukturen geschaffenen Ungleichheiten - durch beide Effekte haben es die Ausnahmefälle von Frauen, die dann doch zu Gitarre, Bass oder Drumsticks greifen, deutlich schwerer als ihre Kollegen - immer weiter reproduziert.

    Wir müssen aus diesem Teufelskreis der Reproduktion rauskommen. Und das geht eben nur, indem sich etwas ändert. Das kann (!) über die*den Einzelne*n gehen. Man kann bewusster Musik hören, im Hinterkopf haben, wie männerdominiert der eigene Geschmack ist und bewusst nach spannenden weiblich-geprägten Acts suchen. Ich mache das und merke schon, dass sich immer mehr Frauen in mein Last.fm-Profil schleichen. Und - viel wichtiger - große Player im Musikmarkt können etwas bewegen. Dazu gehören Magazine, Medien, aber auch Labels und Veranstalter*innen. Gerade die haben die Möglichkeit durch ihr Handeln a. den Geschmack künftiger Generationen zu beeinflussen (gerade Festivals bugsieren nämlich immer noch neue Acts auf die große Spielfläche der Industrie) und b. den vielen talentierten jungen Frauen, die sie besuchen, zu zeigen, dass auch ihresgleichen auf Bühnen stehen können (Vorbildfunktion). Diese Wirkkanäle spielen mir die großen deutschen Festivals noch zu sehr runter. Wenn ihnen Geschlechtergleichheit wichtig wäre, dann kann der einzige sinnvolle Schritt nur sein, auch bewusst durch diese Kanäle Einfluss zu nehmen. Das sehe ich bislang aber noch nicht.

    Ich finde die Idee super, die Lineups gerade von unten heraus mit mehr Ausgeglichenheit zu füttern. So ein Festival wie RaR hätte beispielsweise auch die Möglichkeit gerade mittags und nachmittags viele weibliche Acts auf die Hauptbühne zu stellen, die wegen der großen Headliner und der scheiß Infrastruktur in der Regel eh schon immer recht früh voll ist. So erreichen diese Acts dann auch eine größere Masse und die Maßnahme wirkt auch dementsprechend.

    Hmmm. Also den ersten Absatz verstehe ich und ist auch recht einfach nachzuvollziehen, dass es sich "automatisch" ergeben hat , dass die Branche Männerdominiert ist. Aber schließt das automatisch darauf, dass Frauen benachteiligt werden? Darunter verstehe ich, dass Frauen geschnitten werden auf Grund des Geschlechts. Wenn zB. weniger Frauen Gitarre lernen ist das dann eine Benachteiligung?

    Übertragen wir dein prinzipielles Argument mal auf eine andere Domäne: Die Geschlechterrolle, dass die Frau auf das Kind aufpasst und der Mann arbeiten geht. Ich glaube hier ist – auch, wenn man nicht gerade in einer woken Feministin*innen-Bubble unterwegs ist, in der das selbstverständlich ist – es sehr sehr deutlich erkennbar, dass Frauen diese Rolle aufbrechen wollen und sich damit nicht zufrieden geben wollen. Das Problem ist nicht, dass es mehr Frauen gibt, die diese Hausrolle übernehmen, sondern, dass die Geschlechterrolle verhindert, dass Frauen, die – zum Beispiel karrieretechnisch – eigentlich viel mehr im Leben erreichen wollen als auf ein Kind aufzupassen durch die gesellschaftlichen Erwartungen daran gehindert werden das genauso frei und erfolgreich zu tun, wie es Männer können. Das Thema ist universeller als der Traum von Musik leben zu wollen, deshalb funktioniert das als Beispiel besser, das enge gesellschaftliche Korsett darzulegen.

    Die Strukturen in der Industrie und die gesellschaftlichen Erwartungshaltungen (in die auch das Bild der einfachen schickimicki Pop-Musikerin und des genialen Rock-Musikers fällt) unterdrücken viele Frauen in ihren Karrieren. Und dazu gehören eben auch Karrieren, die gar nicht gestartet werden, weil Frauen dem männerdominierten Klima entsprechend selber nie auf die Idee gekommen wären eine Band gründen zu wollen. Und btw: Da haben wir noch gar nicht über den Alltagssexismus gesprochen, dem sich viele Frauen in der Branche aussetzen.

    Zitat

    Locust schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Ich melde mich auch mal zu Wort. Erstmal hat es mich sehr gefreut, dass so Diskussionen hier scheinbar schon auch zum Um- und Nachdenken anregen können. Ich finde es sehr stark, dass Stiflers Mom so offen kommuniziert, wie sie der Diskurs damals zum Umdenken gebracht hat. Vielen Menschen fällt es sonst schon sehr schwer erstmal einzusehen, dass andere Positionen vlt „richtiger“ sind, das dann aber auch noch transparent zu machen, geht nochmal einen Schritt weiter. Nur mit einer so offenen Fehlerkultur - so nenne ich es jetzt einfach mal - wird sich langfristig nämlich etwas ändern.

    Zum Thema persönlicher Musikgeschmack möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Natürlich ist nicht der einzelne Geschmack diskriminierend. Das ist für die Frage nach persönlicher Schuld an den Strukturen ganz bedeutend.

    Ähnlich anderen strukturellen Problemen (Thema Rassismus) ist unsere musikalische Sozialisation aber immer noch von alten Machtstrukturen geprägt. Als Gitarrenmusik aufkam standen Frauen gesellschaftlich noch sehr viel ungleicher da als heute. Es gab damals zwar auch Gitarrenheldinnen (Sister Rosetta zum Beispiel) genauso wie die Ursprünge von Blues und co wurden diese „bunten“ Anfänge aber nach und nach weiß- und männlich umgemünzt. Solche Strukturen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Zum einen über die musikalische Sozialisation der Musiker*innen (Menschen bekommen immer noch vermittelt, Männer würden zu anderen Instrumenten greifen als Frauen - das ist auch heute noch so. Die Schlagzeugerin der belgischen Band Brutus erzählte mir mal in einem Interview sie habe damals zuerst Klavier gelernt, weil für sie - Thema Geschlechterrollen - ganz selbstverständlich gewesen sei, dass Mädchen Klavier spielen oder alternativ singen), zum anderen über die musikalische Sozialisation der Zuhörer*innen (bestimmte Charakteristika gelten als angenehm und ansprechend, andere als weniger ansprechend - ob Frauen- oder Männer an Instrumenten als kompetent wahrgenommen werden oder weiblich aufgefasster Gesang gefällt, ist letzten Endes eben auch Gewohnheit [bestes Beispiel: „Schreimusik“]). Sprich: Über diese zwei Wirkkanäle werden diese durch alte Strukturen geschaffenen Ungleichheiten - durch beide Effekte haben es die Ausnahmefälle von Frauen, die dann doch zu Gitarre, Bass oder Drumsticks greifen, deutlich schwerer als ihre Kollegen - immer weiter reproduziert.

    Wir müssen aus diesem Teufelskreis der Reproduktion rauskommen. Und das geht eben nur, indem sich etwas ändert. Das kann (!) über die*den Einzelne*n gehen. Man kann bewusster Musik hören, im Hinterkopf haben, wie männerdominiert der eigene Geschmack ist und bewusst nach spannenden weiblich-geprägten Acts suchen. Ich mache das und merke schon, dass sich immer mehr Frauen in mein Last.fm-Profil schleichen. Und - viel wichtiger - große Player im Musikmarkt können etwas bewegen. Dazu gehören Magazine, Medien, aber auch Labels und Veranstalter*innen. Gerade die haben die Möglichkeit durch ihr Handeln a. den Geschmack künftiger Generationen zu beeinflussen (gerade Festivals bugsieren nämlich immer noch neue Acts auf die große Spielfläche der Industrie) und b. den vielen talentierten jungen Frauen, die sie besuchen, zu zeigen, dass auch ihresgleichen auf Bühnen stehen können (Vorbildfunktion). Diese Wirkkanäle spielen mir die großen deutschen Festivals noch zu sehr runter. Wenn ihnen Geschlechtergleichheit wichtig wäre, dann kann der einzige sinnvolle Schritt nur sein, auch bewusst durch diese Kanäle Einfluss zu nehmen. Das sehe ich bislang aber noch nicht.

    Ich finde die Idee super, die Lineups gerade von unten heraus mit mehr Ausgeglichenheit zu füttern. So ein Festival wie RaR hätte beispielsweise auch die Möglichkeit gerade mittags und nachmittags viele weibliche Acts auf die Hauptbühne zu stellen, die wegen der großen Headliner und der scheiß Infrastruktur in der Regel eh schon immer recht früh voll ist. So erreichen diese Acts dann auch eine größere Masse und die Maßnahme wirkt auch dementsprechend.

    Ich verstehe wenn man versucht den Nachwuchs weiter zu fördern und auch Menschen dazu bringt darüber nachzudenken, aber eine Quote (v.a. welche) hat mich bisher noch nicht überzeugt.

    Über das Instrument lässt sich streiten, ich finde es aber ein wenig schade, dass du – obwohl ich in meinem Text kein einziges Mal von einer Quote spreche – trotzdem vor allem darauf eingehst. Ich finde es primär nicht enttäuschend, dass die großen deutschen Veranstalter*innen keine Quote wollen, sondern, dass sie die Verantwortung von sich weisen und keinerlei Maßnahmen treffen bzw. zumindest solche Maßnahmen nicht kommunizieren. Es gibt da so viele Grautöne zwischen Schwarz ("Wir hätten gerne mehr Frauen, aber es gibt sie nicht. Wir können daran nichts ändern.") und Weiß ("Wir brauchen eine feste 50%-Quote"), die auch Platz für Aktionismus bieten. Diesen Aktionismus muss man nur auch wollen und dieser Wille lässt sich bislang nicht wirklich erkennen.

    Zitat

    Yertle-the-Turtle schrieb:

    Zitat

    Locust schrieb:
    Wir können dann weiter machen bei der Hautfarbe.

    Ja wenn wir das Thema richtig anpacken wird das wie gesagt ein Fass ohne Boden.
    Alter, Hautfarbe, Religion. Viel Spaß das alles unter einen Hut zu bringen.

    Ja, bei Hautfarbe können wir weiter machen.

    Ayayayay, aber die anderen Sachen: Das meinst du doch nicht ernst. Das Alter: Betrifft alle. Ist damit also kein Thema. Religion: Sucht man sich heutzutage in der Regel selber aus und kann man dementsprechend "ablegen". Damit auch durch.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Keychange: Mehr Frauen auf Festivalbühnen
    Ich melde mich auch mal zu Wort. Erstmal hat es mich sehr gefreut, dass so Diskussionen hier scheinbar schon auch zum Um- und Nachdenken anregen können. Ich finde es sehr stark, dass Stiflers Mom so offen kommuniziert, wie sie der Diskurs damals zum Umdenken gebracht hat. Vielen Menschen fällt es sonst schon sehr schwer erstmal einzusehen, dass andere Positionen vlt „richtiger“ sind, das dann aber auch noch transparent zu machen, geht nochmal einen Schritt weiter. Nur mit einer so offenen Fehlerkultur - so nenne ich es jetzt einfach mal - wird sich langfristig nämlich etwas ändern.

    Zum Thema persönlicher Musikgeschmack möchte ich auch noch ein paar Worte verlieren. Natürlich ist nicht der einzelne Geschmack diskriminierend. Das ist für die Frage nach persönlicher Schuld an den Strukturen ganz bedeutend.

    Ähnlich anderen strukturellen Problemen (Thema Rassismus) ist unsere musikalische Sozialisation aber immer noch von alten Machtstrukturen geprägt. Als Gitarrenmusik aufkam standen Frauen gesellschaftlich noch sehr viel ungleicher da als heute. Es gab damals zwar auch Gitarrenheldinnen (Sister Rosetta zum Beispiel) genauso wie die Ursprünge von Blues und co wurden diese „bunten“ Anfänge aber nach und nach weiß- und männlich umgemünzt. Solche Strukturen werden von Generation zu Generation weitergegeben. Zum einen über die musikalische Sozialisation der Musiker*innen (Menschen bekommen immer noch vermittelt, Männer würden zu anderen Instrumenten greifen als Frauen - das ist auch heute noch so. Die Schlagzeugerin der belgischen Band Brutus erzählte mir mal in einem Interview sie habe damals zuerst Klavier gelernt, weil für sie - Thema Geschlechterrollen - ganz selbstverständlich gewesen sei, dass Mädchen Klavier spielen oder alternativ singen), zum anderen über die musikalische Sozialisation der Zuhörer*innen (bestimmte Charakteristika gelten als angenehm und ansprechend, andere als weniger ansprechend - ob Frauen- oder Männer an Instrumenten als kompetent wahrgenommen werden oder weiblich aufgefasster Gesang gefällt, ist letzten Endes eben auch Gewohnheit [bestes Beispiel: „Schreimusik“]). Sprich: Über diese zwei Wirkkanäle werden diese durch alte Strukturen geschaffenen Ungleichheiten - durch beide Effekte haben es die Ausnahmefälle von Frauen, die dann doch zu Gitarre, Bass oder Drumsticks greifen, deutlich schwerer als ihre Kollegen - immer weiter reproduziert.

    Wir müssen aus diesem Teufelskreis der Reproduktion rauskommen. Und das geht eben nur, indem sich etwas ändert. Das kann (!) über die*den Einzelne*n gehen. Man kann bewusster Musik hören, im Hinterkopf haben, wie männerdominiert der eigene Geschmack ist und bewusst nach spannenden weiblich-geprägten Acts suchen. Ich mache das und merke schon, dass sich immer mehr Frauen in mein Last.fm-Profil schleichen. Und - viel wichtiger - große Player im Musikmarkt können etwas bewegen. Dazu gehören Magazine, Medien, aber auch Labels und Veranstalter*innen. Gerade die haben die Möglichkeit durch ihr Handeln a. den Geschmack künftiger Generationen zu beeinflussen (gerade Festivals bugsieren nämlich immer noch neue Acts auf die große Spielfläche der Industrie) und b. den vielen talentierten jungen Frauen, die sie besuchen, zu zeigen, dass auch ihresgleichen auf Bühnen stehen können (Vorbildfunktion). Diese Wirkkanäle spielen mir die großen deutschen Festivals noch zu sehr runter. Wenn ihnen Geschlechtergleichheit wichtig wäre, dann kann der einzige sinnvolle Schritt nur sein, auch bewusst durch diese Kanäle Einfluss zu nehmen. Das sehe ich bislang aber noch nicht.

    Ich finde die Idee super, die Lineups gerade von unten heraus mit mehr Ausgeglichenheit zu füttern. So ein Festival wie RaR hätte beispielsweise auch die Möglichkeit gerade mittags und nachmittags viele weibliche Acts auf die Hauptbühne zu stellen, die wegen der großen Headliner und der scheiß Infrastruktur in der Regel eh schon immer recht früh voll ist. So erreichen diese Acts dann auch eine größere Masse und die Maßnahme wirkt auch dementsprechend.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Frank Turner
    Zitat

    snookdog schrieb:
    Mir bereitet etwas Sorge, dass seine Auftritte bei den Sommerfestivals in Großbritannien immer als Duo (wahrscheinlich mit Matt an am Keyboard und diversen anderen Instrumenten) angekündigt wird und ohne die Sleeping Souls

    Song am Freitag schon gehört? Mir wurde der auch in den Releaseradar gespült und würde vom Sound tatsächlich eher in die "England Keep My Bones"-Zeit einordnen. Sehr hymnenhaft.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Royal Blood - Typhoons
    Zitat

    JestersTear schrieb:
    Ich find's richtig stark. Viel besser als das zweite und auf einem Level mit dem ersten. Die musikalische Entwicklung bzw Offenheit tut dem Sound richtig gut.

    Dis.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Royal Blood - Typhoons
    Zitat

    Hullabaloo92 schrieb:
    Der Song "King", den sie auf der 2019er Tour gespielt haben, ist hier nicht drauf oder?

    Soweit ich mich nicht irre, sind Teile des Songs in „Mad Vision“ verbaut.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Klimawandel: Auswirkungen in der Musikbranche
    Zitat

    CoolProphet schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:

    Ähnliches gilt für Rassismus und Feminismus. Die Argumente, warum Individualverhalten nicht angepasst werden sind nämlich schlussendlich ganz oft Scheinargumente, die vom wahren Punkt ablenken: Egoismus ist der Treiber. Und äy: Das kann ich noch eher akzeptieren als irgendwelche "Punkte", die kaum Substanz haben.



    War natürlich wichtig diese Themen hier auch noch unterzubringen. Und wer redet bitteschön von 10 Mallorca Flügen? Wenn die sachlichen Argumente fehlen, weicht man halt gerne mal auf‘s emotionale Nebengleis aus. Danke für diese Floskelkaskade.

    Drehen wir mal den Spieß um. Jetzt nicht unbedingt hier, da tatsächlich wie auch oben geschrieben einige Leute ihre Punkte haben und das auch glaubhaft darlegen könne aus ihrer Sicht. Aber dieses "Die Welt retten"-Mantra ist bei vielen Leuten doch auch nichts anderes als ein verkappter, weltfremder Fluchtmechanismus, der letztendlich einem tiefliegenden Konservatismus entspringt, der mir ehrlich gesagt Grauen verursacht, und nichts mehr anbietet außer Rückständigkeit und Provinzialismus wenn man das mal durchspielt. Diese Leute sind da spätestens ab Mitte 30 die größten Spießer und wollen anderen am liebsten vorschreiben wie sie zu leben haben.


    Wo Rücksicht mit Konservatismus zu tun hat, musst du mir aber erklären. Der hat uns - was die Klimakrise angeht - mit seinem Reaktionismus nämlich in die aktuelle Lage gebracht.

    1. „Diese Themen“ gehören zu den großen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Die lassen sich eben nicht getrennt betrachten, tauchen da oben aber tatsächlich auf, weil die Argumentationsmuster oft dieselben sind. Scheinst ja auch Fan zu sein da Rücksicht zu nehmen

    2. „10 Mallorcaflüge im Jahr“ habe ich in der Familie. Da wird darüber gesprochen.

    Zitat

    CoolProphet schrieb:

    Wie gesagt fair und so wie du das darlegst kann ich das auch nachvollziehen, aber ich würde mein Verhalten jetzt trotzdem nicht ändern und sehe das absolut im Rahmen. Der Hebel bei den ganzen Themen müsste sowieso global(und nicht nur in D oder Europa) bei der Industrie angesetzt werden damit da tatsächlich was passiert statt nur ein "gutes Gewissen" für den Einzelnen.

    Das ist faktisch auch einfach falsch. Natürlich müssen auch auf nationaler und internationaler Ebene Regelungen getroffen werden, die werden aber nicht ohne „Mitspielen“ alle Individuen funktionieren. Letzten Endes ist der weltweite CO2-Verbrauch eben nur die Summe der Verbrauche aller Akteure - und selbst Firmen bestehen in letzter Instanz aus Menschen, die Entscheidungen fällen.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Klimawandel: Auswirkungen in der Musikbranche
    Was ich beim Thema "Verurteilung" immer einen wichtigen Punkt finde: Stilisiert sich jmd als progressiv und fortschrittlich, dann kann ich sie*ihn – aus meiner Perspektive raus – auch in Rechnung dafür ziehen, wenn das Handeln das nicht widerspiegelt. Gerade wenn so Sätze ausgepackt werden wie "Die Umwelt ist mir ja wichtig, aber...", dann ist die Aussage nämlich bei 10 Mallorca-Flügen pro Jahr einfach faktisch falsch. Du gibst dich für etwas aus, was du nicht lebst. Und indem du die Verantwortung von dir weist und davon ausgehst du als Einzelperson würdest nicht zählen, vereinfachst du die Realität auf gefährliche Weise: Kollektive Phänomene werden nämlich immer noch von Individuen beeinflusst.

    Ähnliches gilt für Rassismus und Feminismus. Die Argumente, warum Individualverhalten nicht angepasst werden sind nämlich schlussendlich ganz oft Scheinargumente, die vom wahren Punkt ablenken: Egoismus ist der Treiber. Und äy: Das kann ich noch eher akzeptieren als irgendwelche "Punkte", die kaum Substanz haben.

    Edit: Ich war btw. auch schon ein, zwei Mal für 2-3 Tage in London für Konzerte und bin auch geflogen. Ich würde aber nie argumentieren, dass das mit meiner Position bezüglich Umwelt konsistent wäre.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Politik-Thread
    Zitat

    rockimpott2012 schrieb:
    Ich glaube nicht, dass man die allgemeine Frage, ob es von Vor- oder Nachteil ist, ob ein Kanzler oder eine Kanzlerin Regierungserfahrung hat, damit beantworten kann, auf ein gegenwärtiges Versagen der aktuellen Regierung zu verweisen.

    Das kommt auf die Perspektive an. Hier geht es gerade vor allem um die anstehende Wahl und das potentielle Wahlergebnis. Da zählt die Wahlentschiedung. Die ist immer eine Abwägung von Alternativen. In der Regel findet eine solche Abwägung immer paarweise zwischen der aktuellen Regierung und einer anderen Alternative (hier den Grünen) statt. Die Verknüpfung beider ist also nicht wirklich unüblich.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    blubb0r schrieb:
    Passend dazu schreibst du allerdings "typisch CDU".
    Meines Wissens nach ist Hubertus Heil, Minister für Arbeit und Soziales, bei der SPD. Warum drückt er es dann nicht durch, dass es eine Testpflicht und eine HO Pflicht gibt.


    Stimmt, hast du recht! CDU hat natürlich trotzdem auch Einfluss auf das, was aus den SPD-Ministerien kommt, die SPD würde ich generell aber als ähnlich reaktionär einstufen. Die Verkürzung von mir war trotzdem falsch.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    • Spazieren gehen im dunkeln ist doch auch nicht wirklich etwas

    Das ist deine Meinung aber halt eben nicht für alle Menschen allgemein gültig.

    Mir geht diese Bevormundung mittlerweile dermaßen auf den Geist, ich kann es echt nicht in Worte fassen.

    Was würdest du anders machen im Umgang ohne „Bevormundung“? Was wäre das Ergebnis davon?

    Menschen die sich treffen wollen, die werden sich treffen. Ob mit oder ohne Ausgangsbeschränkung.
    Menschen die sich bisher (größtenteils) an die Regeln gehalten haben, die werden dies auch weiterhin tun.
    Aber niemandem mehr in meinem Umfeld (und da sind von Profs. bis Klemptnern alle Schichten dabei) kann man diese Maßnahmen mehr als sinnvoll vermitteln.

    Aber hauptsache wir schicken unsere Lehrer/innen und Schüler wieder in die vollen Klassen.
    Zum Glück hat das Virus ja nach 21 Uhr Ausgangssperre. Glück gehabt.

    Wir machen diese Sache jetzt über ein Jahr mit. Und wenn dies alles ist was Politik und unseren 2 Virologen (mehr haben wir ja offenbar nicht in diesem Land) einfällt, dann ist das ein Armutszeugnis in meinen Augen. Nein, eigentlich ist es eine Bankrotterklärung.

    Ich lese daraus keinen konstruktiven Gegenvorschlag außer wieder nur „kein Lockdown“. Also ist deine Alternative „Normalität“?

    Krasse Idee! Dass da noch niemand drauf gekommen ist bei den geringen Folgen, die das haben wird.

    Ganz ehrlich: Deine einziger Beitrag zu dem Diskurs ist Ablehnung. Um Lösungen geht es bei dir nie, weil du sie nicht hast.
    Lösungen? Sind das momentan Lösungen für dich? Dann Prost Mahlzeit.

    Ist das jetzt wirklich dein “Argument“ für Öffnungen?

    Um auf deine rhetorische Frage einzugehen: Ohne die aktuellen Maßnahme wäre die Situation deutlich drastischer. Finde ich die Maßnahmen deshalb gut? Nein, ich wünsche mir seit Monaten einen härteren Kurs der Regierung. Ich wünsche mir seit Monaten, dass auf Stimmen von Expert*innen gehört wird. Also: Da wird in meinen Augen sehr sehe viel schlecht durch- und umgesetzt.

    Ich habe auch keinen Bock mehr auf Kontaktbeschränkungen, möchte mich mit meinen Freund*innen treffen, auf Konzerte gehen. Dennoch: Das ist realistisch momentan einfach nicht drin. Und da sind wir eben bei dem Verschwörungspunkt: Alle deine Beiträge fußen auf der Annahme, dass Wissenschaftler*innen in ihrer Annahme falsch liegen, dass das Virus - so denn es sich ungehindert verbreiten kann (Normalzustand) - verherrende Konsequenzen hätte. Du betonst da immer wieder, dass wir alle ja nur auf 1-2 Expert*innen hören würden. Das ist verdrehte Rhetorik: Die Expert*innen, die das Gegenteil behaupten („Virus ist ungefährlich“) sind in der Minderheit. Das sind in Deutschland eine Handvoll, die meisten von denen nichtmal Virologen (sind ja dann doch größtenteils Männer).


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    Yertle-the-Turtle schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    Yertle-the-Turtle schrieb:
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    • Spazieren gehen im dunkeln ist doch auch nicht wirklich etwas

    Das ist deine Meinung aber halt eben nicht für alle Menschen allgemein gültig.

    Mir geht diese Bevormundung mittlerweile dermaßen auf den Geist, ich kann es echt nicht in Worte fassen.

    Was würdest du anders machen im Umgang ohne „Bevormundung“? Was wäre das Ergebnis davon?

    Menschen die sich treffen wollen, die werden sich treffen. Ob mit oder ohne Ausgangsbeschränkung.
    Menschen die sich bisher (größtenteils) an die Regeln gehalten haben, die werden dies auch weiterhin tun.


    Ich denke mir mittlerweile auch, wer sich das Virus einfängt ist zu Teilen selbst schuld. Das ist natürlich eine unfaire und unrealistische Unterstellung. Vor allem mit Kindern passiert das sicher nicht freiwillig. Aber man stumpft hier nach 14 Monaten Pandemie auch ein Stück weit ab.

    Ich komme mit Home Office, Kontaktreduzierung und ffp2 Maske bisher ohne Infektion durch die Pandemie. Das wird auch bis zur Impfung so bleiben wenn kein dummer Zufall passiert. Ich renne halt nicht zum Friseur oder in die Innenstadt zum Einkaufen, nur weil die Sachen wieder öffnen. Jeder Kontakt von mir wird vorher abgewogen ob die andere Seite "vertraulich" ist bzw. die Notwendigkeit des Kontaktes wird durchgespielt.

    Die freiwillige Selbstisolation lockert sich für mich erst nach der Impfung oder in Kombination mit Tests. Wer diesen Willen nicht hat, dem helfen auch nur die Einschränkungen vom Staat begrenzt. Du musst die Leute schützen, die unfreiwillig einer höheren Infektionsgefahr oder einem schlimmeren Krankheitsverlauf ausgesetzt sind.

    Wer wie ein Lemming freiwillig ins Büro rennt ohne sich zu Testen oder im Home Office zu bleiben, den brauche ich nicht schützen. Man schützt genauso wenig Raucher, die 3 Schachteln am Tag rauchen oder den Bevölkerungsteil, der sich täglich 2-3 Bier reinknallt.

    Ich kann deinen Frust verstehen. Den fühle ich auch.

    Gerade die „Schuld“ sehe ich teilweise aber nicht. Die „Lemminge“ sind als Arbeitnehmer oft dazu gezwungen zu arbeiten und können sich nicht rausnehmen sich da gegen ihren Arbeitgeber zu stellen. Da hängen Existenzen dran. Die Schuld trifft da nicht die Einzelnen, sondern die Politik, die die Arbeit unzureichend reguliert hat und - typisch CDU - der Wirtschaft immer nur Empfehlungen mitgegeben hat.

    Trotzdem glaube ich, dass jeder wenn er seine ffp2 Maske trägt und AHA betreibt ein geringes Risiko hat sich anzustecken.
    Wenn die hohen Infektionen durch Schludrigkeiten dieser Maßnahmen zustande kommen helfen halt auch Ausgangssperren nicht wirklich.

    Und nochmal: Wir haben im April vermutlich die 20% Impfquote in Deutschland erreicht.
    Ich bin absolut dagegen, dass diese Personengruppe plötzlich wieder auf Konzerte darf und halligalli macht, während der Rest noch Monate warten muss.

    Aber den Geimpften so Basics wie sich abends draußen zu bewegen zu verbieten ist für mich nicht zu rechtfertigen und auch das falsche Motivationssignal sich impfen zu lassen.

    Ging mir nicht darum generell für Ausgangssperren zu argumentieren, sondern um die generelle Schuldzuweisung. Die sehe ich auch immer noch nicht als ganz richtig: Wenn der Arbeitgeber (die Situation in vielen Fabriken ist zum Beispiel super toll) und das Umfeld kaum auf AHA und Masken achten, dann bedarf es als Einzelpersonen sehr viel Charakterstärke da immer wieder doch drauf zu beharren. Da Einzelschuld zuzuschreiben halte ich da dann oft als etwas zu harsch.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    Yertle-the-Turtle schrieb:
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    • Spazieren gehen im dunkeln ist doch auch nicht wirklich etwas

    Das ist deine Meinung aber halt eben nicht für alle Menschen allgemein gültig.

    Mir geht diese Bevormundung mittlerweile dermaßen auf den Geist, ich kann es echt nicht in Worte fassen.

    Was würdest du anders machen im Umgang ohne „Bevormundung“? Was wäre das Ergebnis davon?

    Menschen die sich treffen wollen, die werden sich treffen. Ob mit oder ohne Ausgangsbeschränkung.
    Menschen die sich bisher (größtenteils) an die Regeln gehalten haben, die werden dies auch weiterhin tun.


    Ich denke mir mittlerweile auch, wer sich das Virus einfängt ist zu Teilen selbst schuld. Das ist natürlich eine unfaire und unrealistische Unterstellung. Vor allem mit Kindern passiert das sicher nicht freiwillig. Aber man stumpft hier nach 14 Monaten Pandemie auch ein Stück weit ab.

    Ich komme mit Home Office, Kontaktreduzierung und ffp2 Maske bisher ohne Infektion durch die Pandemie. Das wird auch bis zur Impfung so bleiben wenn kein dummer Zufall passiert. Ich renne halt nicht zum Friseur oder in die Innenstadt zum Einkaufen, nur weil die Sachen wieder öffnen. Jeder Kontakt von mir wird vorher abgewogen ob die andere Seite "vertraulich" ist bzw. die Notwendigkeit des Kontaktes wird durchgespielt.

    Die freiwillige Selbstisolation lockert sich für mich erst nach der Impfung oder in Kombination mit Tests. Wer diesen Willen nicht hat, dem helfen auch nur die Einschränkungen vom Staat begrenzt. Du musst die Leute schützen, die unfreiwillig einer höheren Infektionsgefahr oder einem schlimmeren Krankheitsverlauf ausgesetzt sind.

    Wer wie ein Lemming freiwillig ins Büro rennt ohne sich zu Testen oder im Home Office zu bleiben, den brauche ich nicht schützen. Man schützt genauso wenig Raucher, die 3 Schachteln am Tag rauchen oder den Bevölkerungsteil, der sich täglich 2-3 Bier reinknallt.

    Ich kann deinen Frust verstehen. Den fühle ich auch.

    Gerade die „Schuld“ sehe ich teilweise aber nicht. Die „Lemminge“ sind als Arbeitnehmer oft dazu gezwungen zu arbeiten und können sich nicht rausnehmen sich da gegen ihren Arbeitgeber zu stellen. Da hängen Existenzen dran. Die Schuld trifft da nicht die Einzelnen, sondern die Politik, die die Arbeit unzureichend reguliert hat und - typisch CDU - der Wirtschaft immer nur Empfehlungen mitgegeben hat.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    MyChemGD1234 schrieb:
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat

    • Spazieren gehen im dunkeln ist doch auch nicht wirklich etwas

    Das ist deine Meinung aber halt eben nicht für alle Menschen allgemein gültig.

    Mir geht diese Bevormundung mittlerweile dermaßen auf den Geist, ich kann es echt nicht in Worte fassen.

    Was würdest du anders machen im Umgang ohne „Bevormundung“? Was wäre das Ergebnis davon?

    Menschen die sich treffen wollen, die werden sich treffen. Ob mit oder ohne Ausgangsbeschränkung.
    Menschen die sich bisher (größtenteils) an die Regeln gehalten haben, die werden dies auch weiterhin tun.
    Aber niemandem mehr in meinem Umfeld (und da sind von Profs. bis Klemptnern alle Schichten dabei) kann man diese Maßnahmen mehr als sinnvoll vermitteln.

    Aber hauptsache wir schicken unsere Lehrer/innen und Schüler wieder in die vollen Klassen.
    Zum Glück hat das Virus ja nach 21 Uhr Ausgangssperre. Glück gehabt.

    Wir machen diese Sache jetzt über ein Jahr mit. Und wenn dies alles ist was Politik und unseren 2 Virologen (mehr haben wir ja offenbar nicht in diesem Land) einfällt, dann ist das ein Armutszeugnis in meinen Augen. Nein, eigentlich ist es eine Bankrotterklärung.

    Ich lese daraus keinen konstruktiven Gegenvorschlag außer wieder nur „kein Lockdown“. Also ist deine Alternative „Normalität“?

    Krasse Idee! Dass da noch niemand drauf gekommen ist bei den geringen Folgen, die das haben wird.

    Ganz ehrlich: Deine einziger Beitrag zu dem Diskurs ist Ablehnung. Um Lösungen geht es bei dir nie, weil du sie nicht hast.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    Zitat


    • Spazieren gehen im dunkeln ist doch auch nicht wirklich etwas


    Das ist deine Meinung aber halt eben nicht für alle Menschen allgemein gültig.

    Mir geht diese Bevormundung mittlerweile dermaßen auf den Geist, ich kann es echt nicht in Worte fassen.



    Was würdest du anders machen im Umgang ohne „Bevormundung“? Was wäre das Ergebnis davon?


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
    Zitat

    Locust schrieb:
    Ein System kannst du kritisieren was er hier tut:

    Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat
    Weil der Verfassungsschutz den NSU mit aufgebaut hat


    Soweit ok, aber folgender Satz ist dann grenzwertig weil er pauschal die Menschen angreift;

    Weil die Polizei doch selbst immer durchsetzt von Nazis war


    Unabhängig der systemischen Dimension: In der Aussage "die Polizei war schon immer von Nazis durchsetzt" ist doch nichtmal eine Pauschalisierung enthalten. Es gab immer rechtsextreme Tendenzen in der Polizei. Nicht nur im Osten Deutschlands. Nur, weil sowas mittlerweile häufiger an die "Oberfläche" kommt, weil vermehrt drauf geschaut wird, heißt das nicht, dass das Problem ein neues ist. Somit ist die Aussage doch faktisch einfach richtig: Es gab schon immer eine gewisse Anzahl rechtsextremer Meinungen in der Polizei.

    Dass das möglich ist, hat vielfältige systemische Gründe. Zu wenig Fluktuation in einzelnen Zuständigkeitsbereichen und dadurch ein einseitiger Eindruck von "Fakten" (und dadurch z. B. mehr Abneigung gegen Menschen bestimmten Aussehens), fehlende oder nicht funktionierende Mechanismen zur Prävention von Polizeigewalt, zu wenig Prävention gerade was rechtsextreme Positionen angeht, Förderung veralteter und eher eskalierender Methoden der Problembeseitigung. Eigentlich müssten sich die "guten" Polizist*innen sehr stark dafür einsetzen, dass sich das alles ändert. In den "Dreck" ziehen sie nämlich nicht die Menschen, die unter der Polizei leiden, und daraus Rückschlüsse ziehen, sondern die anderen Polizisten, die das System für ihre menschenfeindlichen Positionen ausnutzen.

    Edit: Und wegen Zufälligkeit - die ist doch auch einfach nicht gegeben. Viele Menschen leiden täglich unter Repressionen, die von der Polizei ausgehen. Niemand hat Bock willkürlich einfach mal eine Berufsgruppe zu dissen. Mir wäre es auch tausend mal lieber, wenn es keine Probleme mit der Polizei gäbe. Die gibt es aber nunmal. Keine Repressionen, keine Kritik.


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
    Zitat

    schrieb:
    Sehe ich komplett anders. Das ist grundsätzlich eine ziemlich heikle Diskussion, da man sich auf einem schmalen Grat befindet. Es gibt sicherlich Probleme und überfällige Reformen, aber man schießt hierbei auch schnell über das Ziel hinaus und ich habe ein absolute Abneigung gegen Pauschalierungen.
    Du wirst niemals alle Menschen einer Zwangsgruppe pauschalieren können und deshalb unter einen Kamm scheren das ist auch absolut nicht in Ordnung und Denunziation. Nein es sind halt nicht alle Polizisten so!

    Zwangsgruppe?


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt
    Zitat

    schrieb:
    Zitat

    Jax_Harkness schrieb:
    Warum ist das grenzwertig wenn es doch Tag für Tag rassistische Äußerungen oder gar Straftaten vonseiten der Polizei gibt?


    Wie geschildert weil diese Kritik sehr pauschal ausgeführt ist. Wie kommst du zu deiner Aussage?

    Polizeikritik muss pauschal geübt werden, weil das System das Problem ist und nicht die einzelnen Polizist*innen. Deshalb sind es eben nicht einzelne Menschen, sondern - weil das System Einfluss auf alle nimmt – "all cops". "Polizist XY ist schlecht" verharmlost das Problem.

    Beispiel: Das Gefährliche an rechtsextremen Tendenzen in der Polizei ist primär nicht, dass sie existieren ("nur" Effekt), sondern dass das System ihnen ermöglicht und sogar fördert, dass sie existieren können (Ursache).


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    hermes81 schrieb:
    So lange die Malle Urlauber nicht in Quarantäne müssen, ist doch alles easy.
    Ich hoffe einfach mal, diese Nummer wird irgendwann mal verfilmt. Dagegen dürfte Schtonk dann eine müde Seifenoper sein.


    Ja man! Leid verfilmen: Bestes Konzept. TOP auch, dass bald endlich der langersehnte Film zu Hanau kommt! Gute Idee, weiter so!


  • MyChemGD1234 MyChemGD1234 in Coronavirus
    Zitat

    DapperDan schrieb:
    von Ländern zu reden, wenn es um die Mutationen geht ist ja nun nicht meine Erfindung.
    und mir z.B. zu merken, dass die "britische Mutation" eigentlich B4711 heißt, ist mir nun auch zu blöd. Ich will keine davon und ich will's niemandem anhängen.


    Afrika ist kein Land