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defpro
Tim
   Wiesbaden
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Letzte Beiträge von defpro

  • defpro defpro in Of Mice & Men Tour 2018
    Habe keinen aktuellen Tour-Thread gefunden, daher poste ich es mal hier rein. Ich war gestern bei dem Konzert in der Garage in Saarbrücken. War mein erstes Konzert in der Location, nachdem ich vor ca. 4 Jahren mal auf einer Party dort war. Der Zuschauerbereich geht stark in die Breite, sodass man von überall eine gute Sicht hat. Das war aber eh gestern nicht das Problem, da der VVK ziemlich schlecht lief, sodass es im Rahmen einer Ticketmaster-Aktion zwischenzeitlich Tickets für 15 € gab. Dennoch war der Raum eher mäßig gefüllt. Irgendwie dachte ich, dass die Band mittlerweile mehr Leute zieht. Schließlich waren die immerhin mal Linkin Park-Support und bespielen sonst 1.500-Hallen. Den Support Bleed From Within habe ich leider verpasst.

    Zu Beginn ließ sich das Publikum auch echt bitten, sodass ich teilweise das Gefühl hatte, es wären Freikarten verteilt worden. Ein Moshpit war zwar ab Song 1 offen, aber drum herum standen die Zuschauer teilweise wirklich stocksteif rum, noch nicht mal ein Kopfnicken war erkennbar, Lärm und Applaus zwischen den Songs auch eher zaghaft. Hat sich zum Glück im Laufe des Auftritts gebessert. An der Band kann es nicht gelegen haben, denn die hat sich wirklich Mühe gegeben, die Zuschauer für sich zu gewinnen.

    Eine große Stärke der Band ist für mich, dass sie sich nicht auf einen Sound festlegt und mit aggressiven Nu Metal-Brettern, Breakdown-lastigem Metalcore und poppigen Hooks eine gute Mischung geboten wird, die das Konzert sehr kurzweilig erscheinen ließ. Ich höre die Band erst seit der eher melodisch gehaltenen letzten Platte, die auch den größten Anteil im Set hatten, aber gerade die härteren Songs haben live besonders viel Spaß gemacht (Probs für das "Hard in Da Paint"-Sample vor dem Breakdown von "O.G. Loko"). Bin auch schon gespannt auf die neue Platte im September, von der ebenfalls die 3 bekannten Singles gespielt wurden. Zudem noch großes Lob für Aaron Pauley, der seit dem Ausstieg des ursprünglichen Frontmanns 2017 nun sowohl cleane als auch gutturale Vocals übernimmt und dafür seinen eigentlichen Bassisten-Posten abgegeben hat. Das klang live wirklich sehr gut! Nach 70 Minuten war der Spaß auch schon wieder vorbei.

    Insgesamt also ein echt cooles Konzert. Vielleicht sollte ich mal öfter im Saarland vorbeischauen. Es war ungefähr die entspannteste Konzert-Autofahrt aller Zeiten

    Die Einlasskompetenz in der Garage war leider unterirdisch. Nachdem ich sonst immer brav meine Konzerttickets ausgedruckt habe, um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich reinkomme, dachte ich mir dieses Mal: "Geh doch mal mit dem Fortschritt, bin umweltbewusst und nutze einfach das Handy-Ticket." Hat natürlich überhaupt nicht funktioniert, die Dame am Einlass hat anscheinend noch nie einen QR-Code gesehen. Ich musste dann aus der Bestätigungsmail mein PDF-Ticket raussuchen, worauf der Name auf dem Ticket mit meinem Perso abgeglichen wurde (was Quatsch ist, da die Tickets nicht personalisiert sind). Gescannt wurde der Barcode natürlich nicht.

    Wundert mich nur, dass ich anscheinend die einzige Person war, die auf diese verrückte Idee gekommen ist.


  • defpro defpro in Haldern Pop 2019
    Zitat

    Stebbard schrieb:
    Es war dann am Ende Gisbert zu Knyphausen

    Trotz der schmerzenden Absage von Julien Baker war es eines der absolut besten Jahre beim Haldern Pop. Super tolles Wochenende mit vielen wunderbaren Konzerten erlebt, von denen natürlich die Idles herausragte. Weitere Highlights waren, neben Gisbert, auch das zweite Set von Gurr im Niederrheinzelt, Sophie Hunger auf dem Reitplatz und Haiku Hands am gestrigen Abend, die vermutlich die großen Gewinner des Wochenendes waren. Wahnsinn, wie sie das Spiegelzelt in alle Einzelteile zerlegt haben.

    Auch sonst soviele tolle Konzerte erlebt, angefangen von black midi und Patrick Watson im Spiegelzelt über Alex the Astronaut in der Kirche hin zu Khruangbin auf dem Reitplatz. Einzig mit Father John Misty werde ich nicht so warm, während Whitney und Michael Kiwanuka vll. die kleineren Enttäuschungen des Wochenendes waren.

    Das Label des etwas trägen Singer/Songwriter-Festivals sollte sich spätestens nach diesem Jahr so ziemlich überlebt haben. Das war ein Jahrgang welches bunter kaum hätte sein können, und vielfach am Puls der Zeit.

    Woran lag es bei Whitney und Kiwanuka? Letzterer war beim Sziget wie immer überragend.



  • defpro defpro in Bon Iver Tour 2019
    Hier noch mein Bericht zum Gig im Kulturpark Wiesbaden. Dem Schlachthof-Team ist mit dieser exklusiven Buchung in diesem Jahr ein ziemlicher Coup gelungen. Dadurch war es etwas leichter zu verschmerzen, dass es im Gegensatz zu den 5 Konzerten im letzten Jahr diesmal nur für 2 Open-Air-Konzerte gelangt hat. Das zweite Konzert war übrigens Frank Turner/Muff Potter, das sich mit nur 3.000 Besuchern wohl ziemlich miserabel verkauft hat, was bei einer Exklusivität von 0,0% aber auch eigentlich niemanden wundern sollte. Bei Bon Iver lief es dagegen besser: Es wurde von 9.000 Besuchern gesprochen (bei einer Kapazität von 10.000), ein paar Leute weniger dürften es in der Realität wohl dennoch gewesen sein, da auf FB und vor Ort noch viele Leute ihr Ticket loswerden wollten. Am letzten Samstag haben Die Toten Hosen anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Wiesbadener Biker-Clubs Black Devils (die eng mit der Band befreundet sind) im Schlachthof gespielt. Verstehe ich nicht, wieso man die Bühne nicht noch eine Woche länger hat stehen lassen und daraus ein Open-Air-Event gemacht hat.

    Die Organisation war ein Traum. Die riesige Schlange, die sich bis 18.30 Uhr vor dem Gelände gebildet hatte, war pünktlich zu Einlassbeginn in nullkommanix aufgelöst. Für den großzügig bemessenen FOS-Bereich konnte man sich auch ganz entspannt Bändchen abholen und danach das weitläufige Gelände erkunden. Gastronomisch gab es hier eigentlich alles, was das Herz begehrt, genügend Sitzgelegenheiten waren auch vorhanden, Viva con Agua und Amnesty International waren mit Infoständen vor Ort. Das Wetter war ebenfalls bestens, alle Leute super entspannt und ein paar Forums-Leute durfte ich ebenfalls noch persönlich kennenlernen

    Auf das Konzert selbst habe ich mich natürlich sehr gefreut, schließlich sieht man die Herren nicht gerade häufig in Deutschland, wenn man nicht unbedingt eine Berlinreise auf sich nehmen will. Nach der Tour-Absage 2017 hatten Justin & Co. also nun die Gelegenheit, wieder Boden gut zu machen. Es gab keine Vorband, sondern 2 Sets, die durch eine Pause von (was auch sonst) exakt 22 Minuten getrennt wurden. Den Beginn machten 3 Songs der letzten Platte und ich muss zugeben, dass ich anfangs ein wenig Probleme hatte, in das Konzert hineinzufinden, auch wenn die Stimmverfremdungsakrobatik auf "715 - CREEKS" live schon beeindruckend war. Ab "Towers" und dem immer weiter fortschreitenden Sonnenuntergang hatten mich Bon Iver jedoch fest im Griff. Mit der stärkeren Dunkelheit kamen auch vermehrt Lichteffekte zum Einsatz, die allesamt großartig aussahen. Zu den Highlights der ersten Hälfte gehörten neben dem rührenden "Hey, Ma" als einzigem neuen Stück auch "Blood Bank" sowie der Abschluss-Song "Perth", welcher eh schon zu meinen Lieblingsstücken der Band zählt, auch wenn ich die fehlenden Horn-Parts schon ein klein wenig vermisst habe (die Bläser-Fraktion ist bei der diesjährigen Tour nicht mit dabei). Als Ausgleich gab es dafür bei vielen Liedern jedoch ausgiebige Saxophon-Parts, die stellenweise fast schon Jam-Charakter hatten und voll und ganz überzeugen konnten.

    Die zweite Hälfte begann direkt mit dem großartigen "Skinny Love", das einzige Stück, welches nur von Justin solo performt wurde. Die anderen Songs des Debüts wurden alle mal mehr, mal weniger stark an den Bandkontext angepasst, was mir besonders gut bei "Creature Fear" gefallen hat, was zum Ende in fast schon Shoegaze-artige Klangwände kulminierte. "Holocene" sowie der in meinen Augen live am besten funktionierende 22-Song "33 "GOD"" gehörten zu den weiteren Highlights. Generell ließ die Setlist eigentlich kaum Wünsche offen. Auch die "For Emma..."-Fraktion, die ja in den letzten Jahren live öfters vernachlässigt wurde, kam voll auf ihre Kosten. Ein großes Lob muss ich auch an das (FOS-)Publikum aussprechen. Ich hatte gerade bei den "22, A Million"-Songs schon Zustände befürchtet, wie sie hier von aktuellen Ben Howard-Konzerten berichtet wurden, aber es gab wirklich kaum Gequatsche. Der einzige Negativpunkt, der mir einfällt, ist Amnesty Internation, die es für eine gute Idee hielten, einen Luftballon mit ihrem Logo in die Menge zu schmeißen, was bei so einer Band natürlich überhaupt nicht passt. Ein genervter Zuschauer hat auch den Ballon irgendwann aus der Luft gerissen.

    Mit "For Emma" und "22 (OVER SOON)" wurde dieser tolle Konzertabend beschlossen und man merkte der Band an, wie der enorme Publikumszuspruch sie doch auch emotional mitgenommen hat. Ich benutze das Attribut in letzter Zeit zwar häufiger, aber auch hier: eines DER Konzerthighlights 2019! Ich hoffe, dass der Open-Air-Sommer 2020 eine ähnlich hohe Qualität beibehalten kann (und quantitativ wieder etwas zulegt).


  • defpro defpro in Openair Frauenfeld 2019 (CH)
    Hier auch noch mein Bericht zur diesjährigen Ausgabe. Es war mein insgesamt dritter Besuch des Festivals, nachdem ich im letzten Jahr mal das Splash! als Konkurrenzfestival ausprobiert habe. Von der dortigen Organisation (+ einige allgemeine Negativpunkte) war ich jedoch überhaupt nicht begeistert war und nach allem, was man so liest, hat sich in dieser Hinsicht auch dieses Jahr nichts verbessert (damit ist aber nicht die rechte Security gemeint, was ja aktuell Thema in den Medien ist; in der Richtung ist mir damals nichts aufgefallen). Daher stand also trotz der berüchtigten Schweizer Getränke- und Essenspreise wieder das Frauenfeld auf dem Programm.

    Da ich in diesem Jahr Early Bird-Tickets ergattern konnte, durften wir schon ab 16 Uhr auf den Campingplatz, was sowohl die Anreise als auch Anstehzeiten und den Camp-Aufbau merklich entspannt hat (die langen Anstehzeiten für den Campingplatz waren in der Vergangenheit mein einziger großer Kritikpunkt). Jedoch kann ich mir vorstellen, dass die "normalen" Ticketbesitzer, die ab 18 Uhr auf den Platz konnten, auch in diesem Jahr wieder lange ausharren durften, da die Kontrollen auch in diesem Jahr sehr ausführlich waren. Hier sollte evtl. noch eine dritte Ticket-Phase eingeführt werden und die Einlasszeiten auf 14/16/18 Uhr verteilt werden, um die Menge etwas zu entzerren. Wobei es auch fraglich ist, ob das so viel gebracht hätte, da viele 18 Uhr-Besucher sich auch nicht informiert hatten und um 16 Uhr schon die Wege zum Zeltplatz blockierten.

    Ein großer Vorteil war auch in diesem Jahr das Camping A-Upgrade, mit dem man sich einen 12qm-Platz in 3 Gehminuten Entfernung zum Festivalgelände reservieren konnte. Da die beiden Haupt- bzw. Nebenbühnen jeweils abwechselnd bespielt werden, ist auf dem Gelände quasi dauerhaft Programm und eine kleine Pause auf dem Campingplatz ohne großen Zeitverlust durch die Wegstrecken ist nicht zu verachten.
    Lobend zu erwähnen ist die Kampagne "Love Your Tent", mit der vorab für jedes Zelt/Pavillon ein Pfand von 20 CHF entrichtet werden muss, den man zurückerhält, wenn man sein abgebautes Zelt am Ende des Festivals wieder vorzeigt. Leider haben dennoch viele Leute ihre Sachen auf dem Campingplatz zurückgelassen. Vielleicht muss hier der Pfand mal etwas erhöht werden.

    Wunderbar funktioniert hat jedoch das Cashless-System, mit dem man abgesehen von den Parkgebühren alles vor Ort zahlen konnte. So musste ich in diesem Jahr noch nicht mal Schweizer Franken wechseln.

    Abschaffen sollte man dagegen die Begrenzung, nur einmalig 3 Liter an Getränken JEDER ART (also auch Wasser) auf den Campingplatz nehmen zu dürfen. Es wird zwar auf die günstigen Getränkepreise der Migros-Filiale vor Ort verwiesen, jedoch sind die Preise nur günstig für Schweizer Verhältnisse Im Endeffekt ist es eh egal, da man theoretisch bei jedem Schleppgang erneut 3 Liter mit auf den Campingplatz nehmen kann... überflüssige Vorschrift also.

    Negativ aufgefallen ist mir ansonsten nur die fehlende Pinkelrinne auf Camping A und die Tatsache, dass man den schönen Grillplatz auf Camping A gestrichen hat.

    Das Camping selbst war super angenehm. Gerade im direkten Vergleich zum Splash! merkt man, dass die Besucher hier hauptsächlich kiffen und eher weniger Alkohol trinken. Auch von chemischen Drogen habe ich hier nichts mitbekommen. Dementsprechend entspannt waren die Besucher auch drauf, wir dagegen mit Bierpongtisch und Trichter überdurchschnittlich gut ausgerüstet.

    Donnerstag:
    Los ging es auf der Hauptbühne mit Nura, ehemals Teil von SXTN und dort eher für die melodischen Parts zuständig, was sich auch in ihren Solo-Sachen äußert. Als Tageseinstieg war das schon ganz cool, obwohl ich kein großer Fan ihrer Solo-Platte bin. Live macht sie aber einen sympathischen Eindruck, Remoe kam auch für einen Gastpart vorbei, ein Fan wurde zum Kiffen eines Monster-Joints auf die Bühne geholt. Ein relativ chilliger Festivalbeginn also.

    Auf der Nebenbühne gab es im Anschluss jedoch schon den ersten Abriss mit LGoony. Mit der neuen Platte geht die Qualitätskurve wieder nach oben, wobei für meinen Geschmack zu viel vom eher schwächeren Vorgänger gespielt wurde. Vor allem bei den Hits von "Space Tape" und "Grape Tape" konnte jedoch niemand still stehen. Sehr guter Auftritt!

    Zu Aminé gab es dann die ersten Regenschauer, das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Sein eher locker-melodischer Trap/Alternative Hip-Hop-Ansatz hätte jedoch eigentlich ein paar Sonnenstrahlen verdient gehabt. Bei Hits wie "Caroline" oder "Spice Girl" sang die Menge jedoch begeistert mit.

    Jay Rock hatte im Anschluss aufgrund des Regens mit etwas Publikumsschwund zu kämpfen. Da ich mein Ticket für Frankfurt in Februar leider wieder verkaufen musste, hatte ich mich auf ihn ganz besonders gefreut. So ganz wollten auch die Songs der letzten Platte "Redemption" nicht zünden. Obwohl ich das Album mag, biedert es sich zumindest teilweise schon dem aktuellen Trap-Zeitgeist an. Der eher klassische West Coast-Sound seiner ersten beiden Platten, die beide nur mit einem Song abgespeist wurden, kam dagegen live deutlich besser an. Spätestens ab Kendricks "Money Trees" gab es aber auch hier kein Halten mehr und das finale Double aus "King's Dead" und "WIN" sorgte für den erhofften kompletten Abriss. Insgesamt aber (zumindest in Deutschland) eher ein Act für Solo-Konzerte.

    Im Anschluss folgte mit Gunna das erste große Festival-Highlight. Die aktuelle Platte "Drip Or Drown 2" ist bislang das beste Trap-Album des Jahres (Fantano hat keine Ahnung) und ich war gespannt, wie deren psychedelischer Vibe, der eigentlich gar nicht auf klassischen Turn-Up setzt, vom Publikum aufgenommen wird. Aber es war ein unglaubliches Fest, ein Pit nach dem anderen wurde geöffnet, ein Hit nach dem anderen gezündet, man kam überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Großartiger Gig.

    Direkt danach folgte dann der Auftritt von Gunnas Sparring-Partner Lil Baby. Gemeinsam konnten die beiden letztes Jahr mit "Drip Too Hard" einen Überraschungserfolg feiern, natürlich wurde dieser sowie weitere Songs des Kollabo-Albums "Drip Harder" (man erkennt die kreative Namensgebung) dargeboten. Insgesamt war die Show von Lil Baby fetter aufgezogen: Es gab Visuals im Hintergrund, Tänzerinnen auf der Bühne und die CO2-Kanonen wurden rausgeballert. Musikalisch fand ich es deutlich schwächer als Gunna, da Lil Baby auch schlechter performt hat.
    Danach musste ich mir eine kleine Pause gönnen, der leider Stormzy zum Opfer fiel, sodass ich es erst wieder zu Future aufs Gelände schaffte. Ich schreibe es jetzt mal hier stellvertretend für zahlreiche (nicht alle) Ami-Trap-Acts: Die Shows sind oft nicht schlecht, aber man wird den Gedanken nicht los, dass da wesentlich mehr gegangen wäre. Zuerst kommt ein DJ auf der Bühne und spielt irgendwelche Random-Trap-Hits, um das Publikum in Stimmung zu bringen. Bei einem Solo-Konzert könnte ich das ja noch verstehen, auf einem Festival ist sowas komplett unnötig (zumal hier durch das abwechselnde Bespielen der Bühne sowieso kaum Zeit zum Durchschnaufen bleibt). Bequemt sich dann der Act schließlich auf die Bühne, läuft im Hintergrund die Playback-Spur und je nach Motivation werden 30-70% der Zeilen tatsächlich mitgerappt. Ein musikalisches Konzept gibt es nicht, Songs werden nur zur Hälfte gespielt, Songübergänge werden abrupt mit Gunshots oder Airhorns eingeleitet und es beschleicht einen das Gefühl, dass der Rapper eigentlich nur seinen Paycheck kassieren will, um danach wieder abhauen zu können. Ich schreibe es hier zu Future, weil bei ihm dieses Phänomen am krassesten auftritt und der DJ teilweise mehr Vocals hat als er selbst. Als ich ihn vor 3 Jahren zum ersten Mal sah, war gerade "DS2" draußen, Future auf seinem Zenit und ich alkoholisiert im Moshpit. Damals fand ich den Auftritt absolut großartig. Diesmal etwas weniger alkoholisiert und aus sicherer Entfernung muss ich mein Urteil revidieren. Klar wurde auch hier ein Hit nach dem anderen abgefeuert, aber die Performance selbst war einfach nicht gut.

    Auf der Suche nach Toiletten bin ich mit meinem Kumpel irgendwie im VIP-Bereich gelandet, wofür man eigentlich ein separates Ticket benötigt. Da auch bei uns mittlerweile schon einige Bier bzw. Weinschorlen geflossen sind, stand für uns also erst mal im Vordergrund, uns für diesen glücklichen Zufall entsprechend abzufeiern und den Bereich zu erkunden. Die parallel auf der rechten Bühne spielenden Rae Sremmurd konnte man von hier nur erahnen, sodass wir diese erst mal links liegen ließen.

    Cardi B schauten wir uns dann aus dem VIP-Bereich an. Im Nachhinein muss man sagen, dass wir besser wieder in die Menge gegangen wären: Die Stimmung im VIP war eher lahm und die Sicht auf die Bühne auch etwas zu weit weg, weshalb man die wirklich aufwendige Show inkl. Tänzerinnen und durchchoreografierten Einlagen nicht so wirklich genießen konnte. In dem Moment sahen wir das natürlich komplett anders. Cardi B selbst lieferte auf jeden Fall eine der besten Performances des ganzen Festivals ab: Kein Playback, alles live gerappt, dazu noch die ganzen Tanzeinlagen und natürlich Hits, Hits Hits. Davor muss man schon seinen Hut ziehen.

    Weil wir uns dann doch ärgerten, die ganze Sause nicht aus der Menge betrachtet zu haben, ging es dann noch zu den Flatbush ZOMBIES und es schien, als ob die Zuschauer erst in den Nachtstunden so richtig aufblühen: Die drei Herren liefern eigentlich klassischen East-Coast-Rap, aber was dort in der Menge an Action abging, hätte ich wirklich nicht erwartet. Es gab auch noch ein paar Songs der kürzlich veröffentlichten Beast Coast-Platte (eine Supergroup aus den Zombies, The Underachievers und dem Pro-Era-Kollektiv um Joey Bada$$). Ein doch sehr überraschender Abriss und würdiger Abschluss des ersten Tages!

    Freitag:
    Es ging direkt los mit dem besten Konzert des Wochenendes von der Interpretin mit dem bisher besten Rap-Album in diesem Jahr: Little Simz. Ja, keine sonderlich kreative Wahl, aber an "GREY Area" kommt dieses Jahr einfach nix ran. Dementsprechend wurde das Album auch (glaube ich) komplett performt. Der Slot war leider extrem undankbar: 13.30 Uhr auf der Hauptbühne. Es waren sehr wenige Leute da, viele mussten noch das Gewitter vom Vormittag verdauen. Man merkte ihr aber die Freude über jede einzelne Person an, die dort vor der Bühne stand. Es war auch für mich das einzige Konzert des Wochenendes, was nicht nur von einem DJ, sondern einer kompletten Band unterstützt wurde. "Boss" als Opener war leider etwas verschenkt, sowas muss später im Set kommen. Ansonsten jagte ein Highlight das nächste, gekrönt von dem großartigen "101 FM", einem der coolsten Songs dieses Jahres. Simz flowte und flowte und war überhaupt nicht mehr zu stoppen und alle Leute um mich rum sahen so aus, als hätten sie die beste Zeit ihres Lebens.

    Es folgte das nächste Gewitter, sodass ich mich wieder zurück zum Zeltplatz aufmachte. Dabei sind einige Pavillons in die Brüche gegangen, bei uns zum Glück nicht (Stahlpavillon beste Investition ever). Danach ging es zu Juju, die es aktuell im Gegensatz zu Nura schafft, ihren SXTN-Fame nach deren Trennung noch zu steigern. Anstatt wie Nura in die melodische Richtung zu gehen, fokussiert sich Juju mehr auf klassischen Rap. Die Debütplatte ist auch echt gut geworden, Songs wie "Live Bitch" oder "Coco Chanel" gehen sehr gut nach vorne. Für den gemeinsamen Nr. 1-Hit "Vermissen" kam sogar Henning May mit auf die Bühne, was schon live überraschend cool war, obwohl mir der Song selbst viel zu cheesy ist. Der Hype ist auf jeden Fall riesig, die Zuschauermenge in der La Fabrik ebenfalls. Nur in der Zukunft bitte die Stage endlich zur offenen Bühne ausbauen. Da die Stage von einer Zigarettenmarke gesponsert wird, ist diese nur Ü18 zugänglich, weshalb der Zugang extra kontrolliert wird. Gerade in Anbetracht des jungen Durchschnittsalters vieler Besucher ist sowas einfach unnötig.

    Weiter ging es mit Azet & Zuna, beide Teil der KMN Gang um ihren prominentesten Vertreter Miami Yacine (der auch später noch auf die Bühne kam, allerdings leider kein "Kokaina" performt hat). Musikalisch geboten wurde hier klassischer Afrotrap, der mittlerweile eigentlich so ziemlich jedem zum Hals raushängt. Blöderweise sind die Songs des gemeinsamen Albums "Super Plus" einfach so verdammt eingängig und catchy, dass (ich traue mich kaum, sowas zu schreiben) die Platte zu den besseren Deutschrap-Platten in diesem Jahr gehört. Live hat das auch einfach super viel Spaß gemacht. Nur den Gastauftritt von Eno (der am Folgetag noch einen eigenen Gig hatte) hätte man sich sparen können. Als Wiesbadener könnte ich mich eigentlich freuen, dass auch mal jemand von hier die Charts aufmischt, aber ich finde seine Musik leider unfassbar beschissen.
    Nach einer Camp-Pause ging es weiter mit Young Thug. Ich bin ja ein sehr großer Fan und es kamen auch live alle Hits, aber seine Bühnenpräsenz war eher… speziell. Meistens stand er nur an seinem Mikrofonständer und hat sich überhaupt nicht bewegt, auch zwischen den Songs hat meistens sein DJ das Sprechen übernommen. Soll aber gar nicht so negativ klingen, war schon ein guter Gig, aber ein wenig mehr Enthusiasmus hätte ihm nicht geschadet.

    Mit dem Travis Scott folgte wohl der Auftritt, der die meisten Besucher gezogen hat. So war vor allem zu Beginn vorne ein so unglaubliches Gequetsche, dass mein Mitfahrer eine Panikattacke bekam und das Weite suchte. Zum Glück entspannte sich die Situation danach wieder etwas. Die Show war schon krass: Travis Scott nutzte wieder jeden Millimeter der Bühne aus, ca. alle 30 Sekunden wurde ein neuer Moshpit geöffnet, im Hintergrund liefen psychedelische Visuals. Allerdings lag der Fokus schon stark auf der aktuellen Platte "ASTROWORLD", von der leider nicht alle Songs so gut live funktionieren, weshalb ich den Auftritt vor 3 Jahren noch ein Stück besser fand. Young Thug kam noch für "pick up the phone" auf die Bühne, auf den Sheck Wes-Gastauftritt wartete ich dagegen leider vergeblich. Insgesamt schon ein heftiger Abriss und einer der besten Auftritte des Wochenendes.

    Den Tagesabschluss machten die $uicideboy$. Anscheinend sparen sich die meisten Leute für diese Abschlussacts die meiste Energie auf. Unglaublich, was hier wieder im Publikum abging. Ich habs mir eher von weiter weg angeschaut. Die beiden Herren sind stark von Three 6 Mafia beeinflusst, was bei allen Songs deutlich durchscheint. Da diese jedoch meist gleich aufgebaut sind und auf Hooks verzichten, klingt im Endeffekt alles relativ gleich. Eine Ausnahme bildeten die Songs der neuen von Travis Barker produzierten EP, die mit Gitarren von Korn-Gitarrist Munky schon fast in Richtung Hardcore Punk gehen. Dennoch habe ich schon vor dem Schluss den Heimweg angetreten, was im Nachhinein die richtige Entscheidung war, da pünktlich zu meiner Ankunft am Zelt das dritte Gewitter des Tages startete.

    Samstag:
    Der Tag startete auf der Nebenbühne mit Chicagoer Rapper Saba, dessen aktuelle Platte "Care For Me" ja hier im Forum auch schon zurecht angepriesen wurde. Der Sound pendelt zwischen Jazz-Rap und klassischem Conscious-Rap mit kleinen Trap-Spitzen, die genau die richtige Menge Abgeh-Potential heraufbeschwören. Saba machte einen sehr sympathischen Eindruck und hatte während des kompletten Auftritts ein breites Grinsen im Gesicht und auch die überraschend große Zuschauermenge war begeistert.

    Es folgte ebenfalls auf der Nebenbühne Lance Butters, dessen Show ich ja schon im letzten Dezember genießen durfte. In einem dunklen Club wirken vor allem seine neuen depressiven Songs natürlich besser, aber auch hier sprang der Funke sofort über. Ein wenig merkwürdig mutet es dennoch an, nach der ganzen Drogenbeweihräucherung des Wochenendes mal ein paar kritische Worte zu Drogensucht vorgesetzt bekommen.
    Der erwartete Abriss folgte direkt im Anschluss von OG Keemo, auch wenn ich mich diesmal nicht in den Moshpit getraut habe (besonders an 3. Festivaltagen merkt man doch, dass man alt wird). Freut mich, dass er mittlerweile dem Status eines Geheimtipps entwachsen ist. Ansonsten war die Show vergleichbar mit der Tour im Frühjahr, leider diesmal ohne "Neptun", dafür aber mit einem Song der aktuellen Soul-Sample-lastigen EP "Otello". Werde ihn dieses Jahr noch mindestens 1x live sehen können und hab jetzt schon mächtig Bock drauf!

    Auf dem Weg zu Rich The Kid dann kurz an Mero vorbeigelaufen. Ich kann mir dieses hektische Doubletime-Geflowe ohne Inhalt absolut nicht geben, aber war schon krass, was da in der Menge los war. Rich The Kid selbst dagegen war leider der schlechteste Act des Wochenendes. Völlig unmotiviert und lustlos mit minimalem Einsatz am Mic. Schade, dabei hat er doch viele Hits zu bieten. Haben uns stattdessen lieber mal ein wenig das Gelände anschaut.

    Im Anschluss folgte Trippie Redd, der zu den besten Sängern der aktuellen Trap-Welle gehört und als einer der wenigen auch ohne Autotune überzeugen kann. Das erste Mixtape "A Love Letter to You" gehört weiterhin zu den besten Trap-Tapes überhaupt, wovon er mittlerweile leider nicht mehr so viel live spielt. Songs wie "Love Scars" oder "Poles 1469" gehören immer noch mit zu dem besten, was das Genre zu bieten hat. Aktuell stehen bei ihm jedoch eher melodisch-verspielte Songs wie "Topanga" oder die Diplo-Kollabo "Wish" im Vordergrund, auf die ich in dem Moment nicht so Bock hatte. Natürlich wurde auch XXXTENTACION als enger Freund und regelmäßiger Feature-Partner entsprechend gewürdigt.
    Abschließend sei noch zu erwähnen, dass auch die aktuelle Verhaftung von A$AP Rocky von vielen Artists thematisiert wurde. #freerocky war also auch hier dauerpräsent (was auch immer man davon nun halten möchte).

    Den Rest des Festivals habe ich dann leider verpasst. Aus einem kurzen Regenerierungs-Nickerchen wurde dank allgemeiner Erschöpfung und übermäßigen Bierkonsum dann ein etwas längerer Schlaf (klassischer Festival-Fehler, dem ich doch immer mal wieder erliege). Neben Tyga und Marteria/Casper, um die es mir nicht sooo schade war, musste leider auch Trettmann dran glauben, den ich jetzt trotz dutzender Konzerte und Festival-Slots auf seiner #DIY-Tour komplett verpasst habe. Naja, dann halt auf der kommenden Tour wieder.

    War also insgesamt mal wieder ein sehr schönes Festival und ich hoffe, dass ich es nächstes Jahr wieder hierhin schaffe, wenn ich alle meine Mitfahrer überzeugen kann. Einer davon favorisiert aktuell noch das Splash!, weil ihm die Campingplatz-Party auf dem OAFF zu lahm war. In dem Fall hoffe ich, dass das Splash! vor allem in den organisatorischen Aspekten endlich den Anschluss zum OAFF schafft.