Festivals United

Openair Frauenfeld 2019 (CH)

11.07.2019 - 13.07.2019, Frauenfeld  Schweiz
Cardi B, Stromzy, Travis ScottUVM

31 Kommentare (Seite 2)


  • josch_ultd josch_ultd 07.07.2019 19:57 Uhr
    Kann man das Cashless Wristband an einem Cashcorner in Euros aufladen (Bargeld)? Wenn nicht kann man auf dem Festivalgelände Euros in Schweizer Franken umtauschen?

  • Paju Paju 07.07.2019 21:33 Uhr Edited

    schrieb:
    Kann man das Cashless Wristband an einem Cashcorner in Euros aufladen (Bargeld)? Wenn nicht kann man auf dem Festivalgelände Euros in Schweizer Franken umtauschen?

    War zwar noch nie dort und bin auch dieses Jahr nicht da, aber ich würde mal beide Fragen verneinen. Sowas ist selbst bei Festivals auf der Insel nicht möglich, würde mich schwer wundern wenn es in der Schweiz anders wäre.

    Und selbst wenn es eine Wechselstube auf dem Gelände geben würde, würde ich auch von dieser abraten, weil totale Abzocke ist garantiert.

    Beste Lösung ist hier wohl eine Kreditkarte. Damit kannst Du überall Geld abheben oder alles andere bezahlen.

  • defpro defpro 07.07.2019 23:12 Uhr

    schrieb:
    Kann man das Cashless Wristband an einem Cashcorner in Euros aufladen (Bargeld)? Wenn nicht kann man auf dem Festivalgelände Euros in Schweizer Franken umtauschen?

    Ich hatte mich die Tage auch informiert, weil die Vorab-Aufladung leider überhaupt nicht funktioniert, und meine, irgendwo gelesen zu haben, dass man auch mit Euros aufladen kann. Sicher bin ich mir jedoch nicht und hab die Info auch eben nicht mehr gefunden.
    Schreib doch mal an [email protected] Da bekommst du relativ schnell eine Antwort.


  • Paju Paju 07.07.2019 23:21 Uhr Edited
    Die Aufladung per Euro mag es vielleicht wirklich geben, dafür bezahlt man dann aber Gebühren, die unnötig oder unverhältnismäßig hoch sind. Schweiz halt.

  • defpro defpro 26.07.2019 14:31 Uhr Edited
    Hier auch noch mein Bericht zur diesjährigen Ausgabe. Es war mein insgesamt dritter Besuch des Festivals, nachdem ich im letzten Jahr mal das Splash! als Konkurrenzfestival ausprobiert habe. Von der dortigen Organisation (+ einige allgemeine Negativpunkte) war ich jedoch überhaupt nicht begeistert war und nach allem, was man so liest, hat sich in dieser Hinsicht auch dieses Jahr nichts verbessert (damit ist aber nicht die rechte Security gemeint, was ja aktuell Thema in den Medien ist; in der Richtung ist mir damals nichts aufgefallen). Daher stand also trotz der berüchtigten Schweizer Getränke- und Essenspreise wieder das Frauenfeld auf dem Programm.

    Da ich in diesem Jahr Early Bird-Tickets ergattern konnte, durften wir schon ab 16 Uhr auf den Campingplatz, was sowohl die Anreise als auch Anstehzeiten und den Camp-Aufbau merklich entspannt hat (die langen Anstehzeiten für den Campingplatz waren in der Vergangenheit mein einziger großer Kritikpunkt). Jedoch kann ich mir vorstellen, dass die "normalen" Ticketbesitzer, die ab 18 Uhr auf den Platz konnten, auch in diesem Jahr wieder lange ausharren durften, da die Kontrollen auch in diesem Jahr sehr ausführlich waren. Hier sollte evtl. noch eine dritte Ticket-Phase eingeführt werden und die Einlasszeiten auf 14/16/18 Uhr verteilt werden, um die Menge etwas zu entzerren. Wobei es auch fraglich ist, ob das so viel gebracht hätte, da viele 18 Uhr-Besucher sich auch nicht informiert hatten und um 16 Uhr schon die Wege zum Zeltplatz blockierten.

    Ein großer Vorteil war auch in diesem Jahr das Camping A-Upgrade, mit dem man sich einen 12qm-Platz in 3 Gehminuten Entfernung zum Festivalgelände reservieren konnte. Da die beiden Haupt- bzw. Nebenbühnen jeweils abwechselnd bespielt werden, ist auf dem Gelände quasi dauerhaft Programm und eine kleine Pause auf dem Campingplatz ohne großen Zeitverlust durch die Wegstrecken ist nicht zu verachten.
    Lobend zu erwähnen ist die Kampagne "Love Your Tent", mit der vorab für jedes Zelt/Pavillon ein Pfand von 20 CHF entrichtet werden muss, den man zurückerhält, wenn man sein abgebautes Zelt am Ende des Festivals wieder vorzeigt. Leider haben dennoch viele Leute ihre Sachen auf dem Campingplatz zurückgelassen. Vielleicht muss hier der Pfand mal etwas erhöht werden.

    Wunderbar funktioniert hat jedoch das Cashless-System, mit dem man abgesehen von den Parkgebühren alles vor Ort zahlen konnte. So musste ich in diesem Jahr noch nicht mal Schweizer Franken wechseln.

    Abschaffen sollte man dagegen die Begrenzung, nur einmalig 3 Liter an Getränken JEDER ART (also auch Wasser) auf den Campingplatz nehmen zu dürfen. Es wird zwar auf die günstigen Getränkepreise der Migros-Filiale vor Ort verwiesen, jedoch sind die Preise nur günstig für Schweizer Verhältnisse Im Endeffekt ist es eh egal, da man theoretisch bei jedem Schleppgang erneut 3 Liter mit auf den Campingplatz nehmen kann... überflüssige Vorschrift also.

    Negativ aufgefallen ist mir ansonsten nur die fehlende Pinkelrinne auf Camping A und die Tatsache, dass man den schönen Grillplatz auf Camping A gestrichen hat.

    Das Camping selbst war super angenehm. Gerade im direkten Vergleich zum Splash! merkt man, dass die Besucher hier hauptsächlich kiffen und eher weniger Alkohol trinken. Auch von chemischen Drogen habe ich hier nichts mitbekommen. Dementsprechend entspannt waren die Besucher auch drauf, wir dagegen mit Bierpongtisch und Trichter überdurchschnittlich gut ausgerüstet.

    Donnerstag:
    Los ging es auf der Hauptbühne mit Nura, ehemals Teil von SXTN und dort eher für die melodischen Parts zuständig, was sich auch in ihren Solo-Sachen äußert. Als Tageseinstieg war das schon ganz cool, obwohl ich kein großer Fan ihrer Solo-Platte bin. Live macht sie aber einen sympathischen Eindruck, Remoe kam auch für einen Gastpart vorbei, ein Fan wurde zum Kiffen eines Monster-Joints auf die Bühne geholt. Ein relativ chilliger Festivalbeginn also.

    Auf der Nebenbühne gab es im Anschluss jedoch schon den ersten Abriss mit LGoony. Mit der neuen Platte geht die Qualitätskurve wieder nach oben, wobei für meinen Geschmack zu viel vom eher schwächeren Vorgänger gespielt wurde. Vor allem bei den Hits von "Space Tape" und "Grape Tape" konnte jedoch niemand still stehen. Sehr guter Auftritt!

    Zu Aminé gab es dann die ersten Regenschauer, das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Sein eher locker-melodischer Trap/Alternative Hip-Hop-Ansatz hätte jedoch eigentlich ein paar Sonnenstrahlen verdient gehabt. Bei Hits wie "Caroline" oder "Spice Girl" sang die Menge jedoch begeistert mit.

    Jay Rock hatte im Anschluss aufgrund des Regens mit etwas Publikumsschwund zu kämpfen. Da ich mein Ticket für Frankfurt in Februar leider wieder verkaufen musste, hatte ich mich auf ihn ganz besonders gefreut. So ganz wollten auch die Songs der letzten Platte "Redemption" nicht zünden. Obwohl ich das Album mag, biedert es sich zumindest teilweise schon dem aktuellen Trap-Zeitgeist an. Der eher klassische West Coast-Sound seiner ersten beiden Platten, die beide nur mit einem Song abgespeist wurden, kam dagegen live deutlich besser an. Spätestens ab Kendricks "Money Trees" gab es aber auch hier kein Halten mehr und das finale Double aus "King's Dead" und "WIN" sorgte für den erhofften kompletten Abriss. Insgesamt aber (zumindest in Deutschland) eher ein Act für Solo-Konzerte.

    Im Anschluss folgte mit Gunna das erste große Festival-Highlight. Die aktuelle Platte "Drip Or Drown 2" ist bislang das beste Trap-Album des Jahres (Fantano hat keine Ahnung) und ich war gespannt, wie deren psychedelischer Vibe, der eigentlich gar nicht auf klassischen Turn-Up setzt, vom Publikum aufgenommen wird. Aber es war ein unglaubliches Fest, ein Pit nach dem anderen wurde geöffnet, ein Hit nach dem anderen gezündet, man kam überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Großartiger Gig.

    Direkt danach folgte dann der Auftritt von Gunnas Sparring-Partner Lil Baby. Gemeinsam konnten die beiden letztes Jahr mit "Drip Too Hard" einen Überraschungserfolg feiern, natürlich wurde dieser sowie weitere Songs des Kollabo-Albums "Drip Harder" (man erkennt die kreative Namensgebung) dargeboten. Insgesamt war die Show von Lil Baby fetter aufgezogen: Es gab Visuals im Hintergrund, Tänzerinnen auf der Bühne und die CO2-Kanonen wurden rausgeballert. Musikalisch fand ich es deutlich schwächer als Gunna, da Lil Baby auch schlechter performt hat.
    Danach musste ich mir eine kleine Pause gönnen, der leider Stormzy zum Opfer fiel, sodass ich es erst wieder zu Future aufs Gelände schaffte. Ich schreibe es jetzt mal hier stellvertretend für zahlreiche (nicht alle) Ami-Trap-Acts: Die Shows sind oft nicht schlecht, aber man wird den Gedanken nicht los, dass da wesentlich mehr gegangen wäre. Zuerst kommt ein DJ auf der Bühne und spielt irgendwelche Random-Trap-Hits, um das Publikum in Stimmung zu bringen. Bei einem Solo-Konzert könnte ich das ja noch verstehen, auf einem Festival ist sowas komplett unnötig (zumal hier durch das abwechselnde Bespielen der Bühne sowieso kaum Zeit zum Durchschnaufen bleibt). Bequemt sich dann der Act schließlich auf die Bühne, läuft im Hintergrund die Playback-Spur und je nach Motivation werden 30-70% der Zeilen tatsächlich mitgerappt. Ein musikalisches Konzept gibt es nicht, Songs werden nur zur Hälfte gespielt, Songübergänge werden abrupt mit Gunshots oder Airhorns eingeleitet und es beschleicht einen das Gefühl, dass der Rapper eigentlich nur seinen Paycheck kassieren will, um danach wieder abhauen zu können. Ich schreibe es hier zu Future, weil bei ihm dieses Phänomen am krassesten auftritt und der DJ teilweise mehr Vocals hat als er selbst. Als ich ihn vor 3 Jahren zum ersten Mal sah, war gerade "DS2" draußen, Future auf seinem Zenit und ich alkoholisiert im Moshpit. Damals fand ich den Auftritt absolut großartig. Diesmal etwas weniger alkoholisiert und aus sicherer Entfernung muss ich mein Urteil revidieren. Klar wurde auch hier ein Hit nach dem anderen abgefeuert, aber die Performance selbst war einfach nicht gut.

    Auf der Suche nach Toiletten bin ich mit meinem Kumpel irgendwie im VIP-Bereich gelandet, wofür man eigentlich ein separates Ticket benötigt. Da auch bei uns mittlerweile schon einige Bier bzw. Weinschorlen geflossen sind, stand für uns also erst mal im Vordergrund, uns für diesen glücklichen Zufall entsprechend abzufeiern und den Bereich zu erkunden. Die parallel auf der rechten Bühne spielenden Rae Sremmurd konnte man von hier nur erahnen, sodass wir diese erst mal links liegen ließen.

    Cardi B schauten wir uns dann aus dem VIP-Bereich an. Im Nachhinein muss man sagen, dass wir besser wieder in die Menge gegangen wären: Die Stimmung im VIP war eher lahm und die Sicht auf die Bühne auch etwas zu weit weg, weshalb man die wirklich aufwendige Show inkl. Tänzerinnen und durchchoreografierten Einlagen nicht so wirklich genießen konnte. In dem Moment sahen wir das natürlich komplett anders. Cardi B selbst lieferte auf jeden Fall eine der besten Performances des ganzen Festivals ab: Kein Playback, alles live gerappt, dazu noch die ganzen Tanzeinlagen und natürlich Hits, Hits Hits. Davor muss man schon seinen Hut ziehen.

    Weil wir uns dann doch ärgerten, die ganze Sause nicht aus der Menge betrachtet zu haben, ging es dann noch zu den Flatbush ZOMBIES und es schien, als ob die Zuschauer erst in den Nachtstunden so richtig aufblühen: Die drei Herren liefern eigentlich klassischen East-Coast-Rap, aber was dort in der Menge an Action abging, hätte ich wirklich nicht erwartet. Es gab auch noch ein paar Songs der kürzlich veröffentlichten Beast Coast-Platte (eine Supergroup aus den Zombies, The Underachievers und dem Pro-Era-Kollektiv um Joey Bada$$). Ein doch sehr überraschender Abriss und würdiger Abschluss des ersten Tages!

    Freitag:
    Es ging direkt los mit dem besten Konzert des Wochenendes von der Interpretin mit dem bisher besten Rap-Album in diesem Jahr: Little Simz. Ja, keine sonderlich kreative Wahl, aber an "GREY Area" kommt dieses Jahr einfach nix ran. Dementsprechend wurde das Album auch (glaube ich) komplett performt. Der Slot war leider extrem undankbar: 13.30 Uhr auf der Hauptbühne. Es waren sehr wenige Leute da, viele mussten noch das Gewitter vom Vormittag verdauen. Man merkte ihr aber die Freude über jede einzelne Person an, die dort vor der Bühne stand. Es war auch für mich das einzige Konzert des Wochenendes, was nicht nur von einem DJ, sondern einer kompletten Band unterstützt wurde. "Boss" als Opener war leider etwas verschenkt, sowas muss später im Set kommen. Ansonsten jagte ein Highlight das nächste, gekrönt von dem großartigen "101 FM", einem der coolsten Songs dieses Jahres. Simz flowte und flowte und war überhaupt nicht mehr zu stoppen und alle Leute um mich rum sahen so aus, als hätten sie die beste Zeit ihres Lebens.

    Es folgte das nächste Gewitter, sodass ich mich wieder zurück zum Zeltplatz aufmachte. Dabei sind einige Pavillons in die Brüche gegangen, bei uns zum Glück nicht (Stahlpavillon beste Investition ever). Danach ging es zu Juju, die es aktuell im Gegensatz zu Nura schafft, ihren SXTN-Fame nach deren Trennung noch zu steigern. Anstatt wie Nura in die melodische Richtung zu gehen, fokussiert sich Juju mehr auf klassischen Rap. Die Debütplatte ist auch echt gut geworden, Songs wie "Live Bitch" oder "Coco Chanel" gehen sehr gut nach vorne. Für den gemeinsamen Nr. 1-Hit "Vermissen" kam sogar Henning May mit auf die Bühne, was schon live überraschend cool war, obwohl mir der Song selbst viel zu cheesy ist. Der Hype ist auf jeden Fall riesig, die Zuschauermenge in der La Fabrik ebenfalls. Nur in der Zukunft bitte die Stage endlich zur offenen Bühne ausbauen. Da die Stage von einer Zigarettenmarke gesponsert wird, ist diese nur Ü18 zugänglich, weshalb der Zugang extra kontrolliert wird. Gerade in Anbetracht des jungen Durchschnittsalters vieler Besucher ist sowas einfach unnötig.

    Weiter ging es mit Azet & Zuna, beide Teil der KMN Gang um ihren prominentesten Vertreter Miami Yacine (der auch später noch auf die Bühne kam, allerdings leider kein "Kokaina" performt hat). Musikalisch geboten wurde hier klassischer Afrotrap, der mittlerweile eigentlich so ziemlich jedem zum Hals raushängt. Blöderweise sind die Songs des gemeinsamen Albums "Super Plus" einfach so verdammt eingängig und catchy, dass (ich traue mich kaum, sowas zu schreiben) die Platte zu den besseren Deutschrap-Platten in diesem Jahr gehört. Live hat das auch einfach super viel Spaß gemacht. Nur den Gastauftritt von Eno (der am Folgetag noch einen eigenen Gig hatte) hätte man sich sparen können. Als Wiesbadener könnte ich mich eigentlich freuen, dass auch mal jemand von hier die Charts aufmischt, aber ich finde seine Musik leider unfassbar beschissen.
    Nach einer Camp-Pause ging es weiter mit Young Thug. Ich bin ja ein sehr großer Fan und es kamen auch live alle Hits, aber seine Bühnenpräsenz war eher… speziell. Meistens stand er nur an seinem Mikrofonständer und hat sich überhaupt nicht bewegt, auch zwischen den Songs hat meistens sein DJ das Sprechen übernommen. Soll aber gar nicht so negativ klingen, war schon ein guter Gig, aber ein wenig mehr Enthusiasmus hätte ihm nicht geschadet.

    Mit dem Travis Scott folgte wohl der Auftritt, der die meisten Besucher gezogen hat. So war vor allem zu Beginn vorne ein so unglaubliches Gequetsche, dass mein Mitfahrer eine Panikattacke bekam und das Weite suchte. Zum Glück entspannte sich die Situation danach wieder etwas. Die Show war schon krass: Travis Scott nutzte wieder jeden Millimeter der Bühne aus, ca. alle 30 Sekunden wurde ein neuer Moshpit geöffnet, im Hintergrund liefen psychedelische Visuals. Allerdings lag der Fokus schon stark auf der aktuellen Platte "ASTROWORLD", von der leider nicht alle Songs so gut live funktionieren, weshalb ich den Auftritt vor 3 Jahren noch ein Stück besser fand. Young Thug kam noch für "pick up the phone" auf die Bühne, auf den Sheck Wes-Gastauftritt wartete ich dagegen leider vergeblich. Insgesamt schon ein heftiger Abriss und einer der besten Auftritte des Wochenendes.

    Den Tagesabschluss machten die $uicideboy$. Anscheinend sparen sich die meisten Leute für diese Abschlussacts die meiste Energie auf. Unglaublich, was hier wieder im Publikum abging. Ich habs mir eher von weiter weg angeschaut. Die beiden Herren sind stark von Three 6 Mafia beeinflusst, was bei allen Songs deutlich durchscheint. Da diese jedoch meist gleich aufgebaut sind und auf Hooks verzichten, klingt im Endeffekt alles relativ gleich. Eine Ausnahme bildeten die Songs der neuen von Travis Barker produzierten EP, die mit Gitarren von Korn-Gitarrist Munky schon fast in Richtung Hardcore Punk gehen. Dennoch habe ich schon vor dem Schluss den Heimweg angetreten, was im Nachhinein die richtige Entscheidung war, da pünktlich zu meiner Ankunft am Zelt das dritte Gewitter des Tages startete.

    Samstag:
    Der Tag startete auf der Nebenbühne mit Chicagoer Rapper Saba, dessen aktuelle Platte "Care For Me" ja hier im Forum auch schon zurecht angepriesen wurde. Der Sound pendelt zwischen Jazz-Rap und klassischem Conscious-Rap mit kleinen Trap-Spitzen, die genau die richtige Menge Abgeh-Potential heraufbeschwören. Saba machte einen sehr sympathischen Eindruck und hatte während des kompletten Auftritts ein breites Grinsen im Gesicht und auch die überraschend große Zuschauermenge war begeistert.

    Es folgte ebenfalls auf der Nebenbühne Lance Butters, dessen Show ich ja schon im letzten Dezember genießen durfte. In einem dunklen Club wirken vor allem seine neuen depressiven Songs natürlich besser, aber auch hier sprang der Funke sofort über. Ein wenig merkwürdig mutet es dennoch an, nach der ganzen Drogenbeweihräucherung des Wochenendes mal ein paar kritische Worte zu Drogensucht vorgesetzt bekommen.
    Der erwartete Abriss folgte direkt im Anschluss von OG Keemo, auch wenn ich mich diesmal nicht in den Moshpit getraut habe (besonders an 3. Festivaltagen merkt man doch, dass man alt wird). Freut mich, dass er mittlerweile dem Status eines Geheimtipps entwachsen ist. Ansonsten war die Show vergleichbar mit der Tour im Frühjahr, leider diesmal ohne "Neptun", dafür aber mit einem Song der aktuellen Soul-Sample-lastigen EP "Otello". Werde ihn dieses Jahr noch mindestens 1x live sehen können und hab jetzt schon mächtig Bock drauf!

    Auf dem Weg zu Rich The Kid dann kurz an Mero vorbeigelaufen. Ich kann mir dieses hektische Doubletime-Geflowe ohne Inhalt absolut nicht geben, aber war schon krass, was da in der Menge los war. Rich The Kid selbst dagegen war leider der schlechteste Act des Wochenendes. Völlig unmotiviert und lustlos mit minimalem Einsatz am Mic. Schade, dabei hat er doch viele Hits zu bieten. Haben uns stattdessen lieber mal ein wenig das Gelände anschaut.

    Im Anschluss folgte Trippie Redd, der zu den besten Sängern der aktuellen Trap-Welle gehört und als einer der wenigen auch ohne Autotune überzeugen kann. Das erste Mixtape "A Love Letter to You" gehört weiterhin zu den besten Trap-Tapes überhaupt, wovon er mittlerweile leider nicht mehr so viel live spielt. Songs wie "Love Scars" oder "Poles 1469" gehören immer noch mit zu dem besten, was das Genre zu bieten hat. Aktuell stehen bei ihm jedoch eher melodisch-verspielte Songs wie "Topanga" oder die Diplo-Kollabo "Wish" im Vordergrund, auf die ich in dem Moment nicht so Bock hatte. Natürlich wurde auch XXXTENTACION als enger Freund und regelmäßiger Feature-Partner entsprechend gewürdigt.
    Abschließend sei noch zu erwähnen, dass auch die aktuelle Verhaftung von A$AP Rocky von vielen Artists thematisiert wurde. #freerocky war also auch hier dauerpräsent (was auch immer man davon nun halten möchte).

    Den Rest des Festivals habe ich dann leider verpasst. Aus einem kurzen Regenerierungs-Nickerchen wurde dank allgemeiner Erschöpfung und übermäßigen Bierkonsum dann ein etwas längerer Schlaf (klassischer Festival-Fehler, dem ich doch immer mal wieder erliege). Neben Tyga und Marteria/Casper, um die es mir nicht sooo schade war, musste leider auch Trettmann dran glauben, den ich jetzt trotz dutzender Konzerte und Festival-Slots auf seiner #DIY-Tour komplett verpasst habe. Naja, dann halt auf der kommenden Tour wieder.

    War also insgesamt mal wieder ein sehr schönes Festival und ich hoffe, dass ich es nächstes Jahr wieder hierhin schaffe, wenn ich alle meine Mitfahrer überzeugen kann. Einer davon favorisiert aktuell noch das Splash!, weil ihm die Campingplatz-Party auf dem OAFF zu lahm war. In dem Fall hoffe ich, dass das Splash! vor allem in den organisatorischen Aspekten endlich den Anschluss zum OAFF schafft.

  • Pandamann Pandamann 26.07.2019 16:56 Uhr
    Schöner Bericht, danke!

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