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Lord of the Lost in Wolfsburg: Entfesselnde Düster-Klänge

Ruediger KnuthRuediger Knuth, 28.07.2023

Ruediger Knuth

Ruediger Knuth
28.07.2023

Die Konzertreihe "Summer in the Autocity" geht in die nächste Runde und verspricht auch in den letzten beiden Tagen im Juli sowie während eines Teils des Augusts einzigartige musikalische Erlebnisse. Am Samstag, den 29. Juli 2023, erwartet die Besucher des Sommerfestivals der Autostadt ein ganz besonderes Highlight: Die deutsche Band Lord Of The Lost, bekannt als unsere ESC-Sieger der Herzen, wird vor etwa 4.000 Zuschauern auf der beeindruckenden Lagunenbühne auftreten. Leider spielte das Wetter an diesem Tag nicht ganz so mit, wie erhofft...

Es gibt Konzerte, die entführen einen aus der Realität und katapultieren uns in eine Welt voller Emotionen, Schmerz und Schönheit. Eine Fähigkeit, die Lord of the Lost eindeutig beherrschen. Schon bevor die Show startet, spürt man eine unheilvolle Aura, die sich wie ein dichter Nebel über das Publikum legt. Könnte aber auch ein wenig an der wetterbedingten Atmosphäre liegen, denn so richtig klart der Himmel an diesem Abend nicht mehr auf, stattdessen schieben sich dunkle Wolken hinter der Bühne entlang. Das Bühnenbild der Band ist passend düster und mysteriös, lässt erahnen, dass die Besucher etwas Besonderes erwartet. Als sich dann endlich der Vorhang im übertragenden Sinn hebt, brechen sie herein – Lord of the Lost – angeführt von einem charismatischen Chris Harms, der die Bühne mit seiner düsteren Präsenz und beeindruckenden Stimme dominiert.

Doch auch die übrigen Bandmitglieder, die eine beeindruckende musikalische Vielfalt repräsentierten, tragen maßgeblich zum Erfolg des Abends bei. Die Gitarrenriffs von Pi und der druckvolle Bass von Class Grenayde verleihen den Songs eine kraftvolle und dennoch finstere Note, während Gared Dirge an den Drums den Rhythmus vorgibt. Die Setlist ist ein geschickter Balanceakt zwischen altbekannten Klassikern und neueren Stücken, die sich nahtlos in das Gesamtbild einfügen. Von der ersten Minute an wird das Publikum von der kraftvollen Energie der Band mitgerissen und auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt. Besonders beeindruckend sind die Momente, in denen Chris Harms seine raue Stimme in zarte Töne verwandelt und die Zuhörer in eine gefühlvolle Melancholie hüllt.

Nach etwa 75 Minuten muss Frontmann Chris Harms leider aufgrund einer Unwetterwarnung vorzeitig das Ende des Konzertabends einläuten. Ihr letzter Song ist der ESC-Beitrag „Blood & Glitter“, für den die Band noch einmal ohrenbetäubenden Applaus erntet. Zurück bleibt ein Gefühl der Befreiung, als wären alle seelischen Lasten für einen Moment abgestreift worden. Lord of the Lost haben an diesem Abend bewiesen, dass sie nicht nur eine Band sind, sondern ein einzigartiges Erlebnis, das die Zuhörer in den Bann zieht und sie mit ihren eigenen Dämonen konfrontiert.

Ruediger Knuth Ruediger Knuth

Seit jeher Fotograf und Musiker. Hat jahrelang selbst als Bassist in verschiedenen Bands gespielt. Diese Symbiose spiegelt sich als Quintessenz in der Musikfotografie wieder.