Rock Werchter 2019 (BE)

Festival Forum: Diskussion zu Rock Werchter 2019 (u.a. mit Mumford & Sons, Muse, The Cure)

eröffnet von Paju am 19.07.2018 14:31 Uhr
305 Kommentare - zuletzt von norakete


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ZERO74
01.07.2019 22:48·  Bearbeitet

Dann gebe ich hier auch mal mein kleines Feedback zu Rock Werchter 2019;

Zeanzig Jahre nach meinem ersten mehrtägigen Trip nach Werchter und zehn Jahre nach dem ersten RR-Camp ging es auch dieses Jahr wieder ins schöne Belgien. Wie auch schon in den letzten Jahren wurde nicht gezeltet, sondern es ging mit sehr netten Leuten zum relaxen in ein sehr schönes und ruhiges B&B in der Nähe.

Die Organisation und Rahmenbedingungen waren wie immer wieder nahezu perfekt. Der Sound ist fast immer und überall großartig. Die Zelte sind wunderbare Locations. Die Atmosphäre war wieder "werchterisch" . Die Menschen sind friedlich, entspannt, wollen locker feiern und Musik genießen. Das Festival ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Das hat man sehr verträglich vollzogen, denn zu den höheren Kapazitäten wurde das Gelände stetig erweitert und es gibt seit letztem Jahr vier Bühnen. Parkplätze, An- und Abreise, Kontrollen, Wege auf dem Gelände von A nach B... Alles vollkommen problemlos.

Meine musikalischen Highlights:

Muse: da muss nicht viel zu gesagt werden. Tolle Setlist, grandiose Show, tolle Stimmung. Mega Headliner Show.

Tool: Was für Brett. Ein Sound Tsunami. An mir hat alles vibriert. Mega Akustik, tolle Show. Leider Maynard stellenweise sehr leise abgemischt.

Elbow: Hach wie schön... Wie immer ein authentischer, liebevoller, emotionaler Auftritt.

Tamino: unfassbare Stimme! Was für ein Typ. Und dieser ausgewogene Mix aus orientalischen und westlichen Tönen schmeichelt Ohren und Seele. Dazu Colin Greenwood am Bass!

Richard Ashcroft: ich muss zugeben, dass ich nichts erwartet habe, aber viel bekommen. Eine tolle Stimmung, selbstverständlich mit jeder Menge Verve Songs. Einfach gut!

The Cure: Nun, äußerlich verändert Robert Smith sich meiner Meinung nach langsam zu einer Parodie seiner selbst. Aber eins steht fest: stimmlich ist er ein Phänomen. Der Auftritt war solide. Mich verbindet emotional zu wenig mit The Cure, um die Band wirklich zu feiern. Aber diverse Songs erinnern mich halt schon an meine Jugend und es war mein erster Auftritt der Band, daher Highlight.

The Good, the Bad and the Queen: für mich eine der Überraschungen des Wochenendes. Ich wollte eigentlich nur ein paar Minuten hinein hören, konnte bis sehr weit vorne durchlaufen und erlebte dann einen Damon Albarn der surrealen Art. Balladen ala Mecky Messer und eine Atmosphäre, für die mir noch ein bisschen die richtigen Worte fehlen. Aus ein paar Minuten wurde schließlich die gesamte Show.

Darüber hinaus waren Weezer, Beirut und Balthazar noch richtig toll.

Auch als bekennender Werchter Fanboy gab es aber ein paar Kleinigkeiten auf hohem Niveau zu bemäkeln:

Die Größe hat eine Grenze erreicht. Zwar ist das Gelände mitgewachsen und vier Bühnen sorgen für Verteilung. Dennoch sammeln sich schon sehr viele Menschen bei den Headlinern sowie auf der Suche nach Essen oder Schatten.

Inzwischen sind sämtliche Shops verschwunden. Weder auf dem Gelände noch auf der Straße gibt es noch kleine Stände mit Klamotten oder Krimskrams. Auch ist man den Weg mit den Foodtrucks wieder zurück gegangen. Auch das ist schade.

Über die Preise für Essen und Trinken wird jedes Jahr ausreichend geschrieben. Ja, hoch. Punkt.

Es gab sowohl auf dem Gelände, als auch auf bestimmten Zeltplätzen massive Probleme mit der Raupe des Eichenprozessionspinners. Ein Teil des Geländes wurde sogar kurz gesperrt gesperrt und evakuiert. Nun, das ist Natur. Aber die Informationspolitik hierzu war eine Katastrophe. Das passte nicht zum sonst sehr positivem Werchter!

Aber zum Abschluss noch zwei große Lobhymnen: zum einen zum Umgang mit dem Wetter: es wurde wirklich viel für die Besucher gemacht. Es gab kostenloses Wasser, Kanonen mit Wasserspray, an vielen Stellen Wassernebel, sehr gutes Klima in den Zelten, die Security half mit Wasser und Befeuchten der Klamotten... Daumen hoch! Zum anderen genieße ich das Apero total. Eine tolle Location für etwas höherwertige Getränke und entspanntes Betrinken. Auch hier ständig mit Wassernebel gekühlt.

Darüber hinaus war die App mega gut. Technisch stabil, hilfreich... Toll!

Und bevor ich es vergesse: ein ganz persönliches Highlight war selbstverständlich auch die Reunion mit der Festival Veteranin, zehn Jahre nach Werchter 2009.

Das B&B für nächstes Jahr ist bereits reserviert.

Konzertrakete
02.07.2019 03:14

Nach dem ersten Kurz-Statement mein ausführlicher Bericht zum Rock Werchter 2019. Es waren wieder vier grandiose Tage auf einem der besten Festivals Europas. Nichts in Deutschland kommt da nur ansatzweise ran. Zum Gelände wurde schon alles gesagt. Wirklich schade, dass die Schlemmerecke zwischen Klub C und Barn vom letzten Jahr weg ist. Dafür mit dem Spray Stream wieder das Festival enorm aufgewertet. Wasserdampf, der wie durch ein Triebwerk gejagt wird - Die perfekte Abkühlung.

Die hohen Preise nerven, sind durch den Re-Entry aber kontrollierbar. Selbst eisgekühlte Getränke gibt es 1,5 Liter für 3,20 Euro im Kiosk nahe des Kirchturms, zumindest am Donnerstag und Freitag bis 18 Uhr und Samstag bis 16 Uhr. Muss man halt mal 10 Minuten für den Fußweg hin und zurück opfern.

Zu den Konzerten:

Donnerstag startet gut mit Mogwai im Barn. Tolle Melodien, mal als ästhetischer Klangteppich wie das geniale Coolverine, dann wieder mit rockiger Power.

Maribou State, das Electro-Duo mit den Akzenten von Gitarren und Percussions ist vielseitig und kurzweilig. Immer besonders stark, wenn Holly Walker als Gesangsstimme dazu stößt.

Dann das Highlight von Tag 1: Richard Ashcroft im Barn. Das waren 60 Minuten geballte Energie und Emotion. Diese faszinierende Stimmfarbe mit der rockigen Power bei "A Song For The Lovers" und schließlich 7 Minuten pure Ganzkörpergänsehaut, als das gesamte Barn gemeinsam mit Ashcroft "Bitter Sweet Symphony" zelebriert.

Schließlich P!nk als bestens gelaunte Entertainerin bietet eine spektakuläre Show mit zahlreichen Hits und sie fliegt auch wieder mit Luftakrobatik über das Publikum hinweg.

Insgesamt ein Supereinstieg, der allerdings gleich zwei Tendenzen zeigt. Es fehlt größtenteils an herausragenden Shows auf der Main Stage jenseits der Headliner. Dazu ist Klub C wohl zum Abschluss jetzt immer die Vollgaspartyzone. Paul Kalkbrenner am Donnerstag noch vor dem Start dicht und die Türen gingen nicht mehr auf.

Überraschend schwach die vorher so hoch gelobten Brockhampton. Barn nur zu einem Drittel gefüllt, die Halle wirkt plötzlich so groß bei so wenig Publikum. So mit das Lowlight des Festivals.


Freitag:
Kleines Juwel im Klub C entdeckt: Warhola. Die belgische Indie-Pop Band mit Leadsänger Oliver Symons überzeugt mit starkem Songwriting und toll gespielten Melodien, perfekt auf den Sänger abgestimmt.

Jungle groovt im Barn mächtig ab, die haben von Anfang bis Ende aufs Gas gedrückt.

Dann kurz für 30 Minuten raus zu Weezer, eines der wenigen tollen Konzerte auf der Main Stage, die waren super drauf. Von denen hätte ich gern mehr gesehen.

Leider wegen der Gefahr geschlossener Türen dann wieder vorzeitig ins Barn zu Janelle Monäe. Was für eine Power-Show. Eine Mischung aus Hip-Hop, Soul und Funk, immer an der Grenze zur Provokation wie bei "Pynk". Die Energie bei "Electric Lady" ist förmlich greifbar, der Funk-Groove von "Make Me Feel" geht durch den ganzen Körper.

Kylie Minogue von Anfang bis Ende der Wahnsinn. Das mit Dancing Queen vorab wurde schon erwähnt, ich hatte selbst dazu alles gesagt:

Erster Post:
"Kylie zu toppen ist völlig unmöglich. Ich habe jede Tour von ihr gesehen, inklusive der Headliner Show 2015 beim Melt. Das gestern war die beste Kylie Minogue seit ihrer Fever Tour 2002. Sie musste sich nach Locomotion sogar hinsetzen, so hat das Publikum geschrien, getrampelt und getobt.

Absolut outstanding, eine Sternstunde der Popmusik.

Tool hat mich auch sehr positiv überrascht, die hatte ich völlig anders eingeschätzt. Ebenso krass war Robyn im Klub C, was für eine Transformation vom ehemaligen schwedischen Popsternchen zur Electro Dance Power-Queen."

Tag 2 war unfassbar gut, nach zwei solchen Tagen war ich allerdings schon ganz schön platt. Dieses Festival hat einfach zu viel Qualität (Grins). Von The Cure hab ich nicht viel gesehen, aber das war nicht schlimm, das ist irgendwie nicht meine Band.

Samstag:
Wieder viel Rennerei zwischen den Bühnen, zu viele gute Shows zeitgleich. Erstmals an der Slope gleich mit Donny Benet einen Kracher erwischt, die haben großartig aufgespielt.

Bear's Den auf der Main Stage hätte ich ebenso wie Weezer oder Macklemore lieber am Sonntag gehabt. Diese eindringlichen Stimmen zu den kraftvollen Melodien, einfach nur toll.

Aurora im Klub C wie immer ein Energietornado, der kleine Wirbelwind. Spricht ganz piepsend leise, um beim Singen dann ganz krass zu explodieren.

Macklemore kurz dazwischen geschoben, wie immer pures Entertainment.

Clean Bandit rocken Klub C, ihre Ohrwurmhits sind einfach zu gut.

Florence + The Machine geben mächtig Gas, sind extrem präsent und heizen dem Publikukm ein.

Was The Blaze dann im Klub C abfeuern, ist der Hammer. Ein innovatives Klangspektrum des französischen Duos vom Allerfeinsten. Highlight Tag 3.

Schließlich Mumford & Sons, die eindeutig den größten Zuspruch des Publikums in der Breite hatten. Bis zum Konzertende war es auf dem Gelände knallvoll bis zum Ausgang und es wurde auch hinten frenetisch mitgetanzt. Die Mischung aus eingängigem Pop und Rock ist gut.

Sonntag:
P +R Bus verpasst, somit auch Lizzo gleich um 13 Uhr. Schade, die hätte einen besseren Slot verdient gehabt. Dafür dann gleich Grace Carter, die ist purer Soul mit Tiefgang und Hammerstimme.

Auch der etwas reifere Soul von Mahalia überzeugt.

Jetzt kommt das Problem, die große Lücke am Sonntag, da wäre ein tolles Main Stage Konzert wie Weezer oder Bear's Den genau richtig gewesen.

OK, Balthazar ist gut, aber fesselt jetzt auch nicht mega. Auch Rosalia ist keine Offenbarung und Mac De Marco, den ich neben dem Barn dösend mitgehört habe, scheint beim Gesang mit seinem Zwischengeschrei aus Uh und Ah eher einen Papagei zu würgen.

Dann endlich die Rettung, ein Highlight des Festivals: New Order. Was die Jungs abfeuern, ist eine akustische und visuelle Abrissbirne. Diese Videoanimation auf den Keyboardsound und diese perfekt arrangierten und gespielten Gitarrenriffs, einfach genial gut.

Schließlich noch das Electro-Feuerwerk von Underworld. Die Kombination aus Electro und New Wave Sound ist pure Lust auf Party.

Und schließlich Muse. Sehr rockig, sehr energetisch, Irgendwie gut, aber haut mich nicht um.

Trotz des Hängers an Tag 4, ein Mega-Festival. 2020 Rückkehr sehr wahrscheinlich.

Derrick93
03.07.2019 14:21

Ich schließe mich der Mehrheit an: Ich war auch für einen Tag da. Nachdem ich letztes Jahr voll vier Tage da war, gab es diesmal nur einen Tag zu bestaunen.

Dabei habe ich Janelle Monaie gesehen: Schöne Show! Schöne Stimmung im sehr kühlen The Barn.
Was meint ihr?: Wie viel Leute passen da rein? Gibt es auf nem deutschen Festival ne Zeltbühne, die so riesig ist?

THE CURE: schönster Auftritt! Ich fand Robert Smith sehr gut drauf: auch sein "Jajaja: nicht einschlafen!Wir spielen jetzt nochmal 45min" fand ich sympatisch. Das Set ging schon sehr lang! Und das war auch gut so! Hat mir sehr gefallen.

TOOL: Wo standet ihr denn? Ich muss leider sagen, dass ich den Auftritt vom Sound nicht so klasse fand. Total euphorisch waren die Fans, aber Pogo am Anfang hat mich genervt. Nachdem ich ca. fünfte Reihe stand bin ich dann ein Stück weiter nach hinten und links gegangen, da war weniger Gespringe und ich konnte mich auf den Sound konzentrieren. Muss aber sagen: Berlin hat mir deutlich besser gefallen. Mynard war viel zu leise. Songs wurden länger ausgespielt (Shism) .Vielleicht war ich in Berlin aber auch noch voller Euphorie und hatte nicht The Cure als Vorband, außerdem ist es ja auch ein kürzeres Festival-Set gewesen. Die Visuals fand ich in Berlin auch stärker. Aber: das ist Jammern auf sehr sehr Hohem Niveau! Es ist trotzdem Tool und es war ein sehr starkes Konzert.

Noch zur Orga: 09/10 Punkten! Essen zu teuer. Ist aber trotzdem cool, dass man sich durchs Bechersammeln Bons dazu verdienen kann.

Kaan
Kaan
03.07.2019 14:35Supporter

Bezogen auf unser Grüppchen (Nima, blubb0r, Norakete und mich) zur Standort-Frage bei Tool: wir standen im rechten Wellenbrecher (im normalen und nicht im noch kleineren Bereich) ziemlich weit links und somit mittig zur Bühne. Falls dir das zur Einordnung hilft.

norakete
norakete
03.07.2019 15:36

Auch nochmal ein paar Worte zum Freitag. Zum Gelände, der Organisation und allem drumherum wurde eigentlich schon alles gesagt, daher gehe ich mal gleich über zu den Bands.

Kurt Vile. Netter Einstieg in den Tag, aber auch nichts besonderes. Es wurde vorerst leider nicht besser, da ich The 1975 eine erneute Chance geben wollte. Das letzte Album hab ich aufgrund zahlreicher Empfehlungen und seltsam positiven Reviews 3 oder 4 mal durchgehört, aber es hat mir einfach nicht gefallen wollen. Vielleicht funktioniert es live für mich ja besser, dachte ich mir. Weit gefehlt. Ein Trost war immerhin, dass sie ihren einzigen guten Song (Somebody Else) gespielt haben und danach noch 1-2 ganz nette Songs kamen, aber abseits davon war das leider sehr grauenvoll und fürchterlich.

Viel besser wurde es im Anschluss bei Weezer. Da ich mich nie mit dieser Band beschäftigt habe, bin ich sehr unbefangen dorthin mit der Prämisse, ich würde eh keinen Song kennen. Ich weiß wirklich nicht, wann in meinem Leben ich die ganzen Weezer-Songs gehört haben soll, aber irgendwie kannte ich dann doch fast jedes Lied. Während Take On Me haben wir uns dann schon mal so langsam auf den Weg zum Barn gemacht.

Dort spielte nämlich Janelle Monáe und hui, war das großartig! Die Frau hat eigentlich alles, eine tolle Stimme, Energie, Austrahlung. Insgesamt, auch dank begleitende Musiker und Tänzerinnen, eine fantastische Show.

Da niemand von uns Bring Me The Horizon sehen wollte, haben wir erstmal eine Essens- und Getränkepause gemacht, bis es dann zu The Cure ging. Was soll man dazu noch groß erzählen? Es ist einfach großartig zu sehen, wie viel Spielfreude diese Band auch nach 40 Jahren noch immer hat. Ich bin in deren Diskographie nicht sehr gut bewandert, hatte aber dennoch viel Spaß. Alleine A Forest ist live einfach ein Traum.

Es folgten TOOL, nach Berlin und Nürburgring mein drittes Mal mit der Band. Im Wesentlichen war es auch so wie die bisherigen Konzerte der Tour: visuell und akustisch beeindruckend, beim Sound und v.a. beim Bass war mächtig Druck dahinter. Im Gegensatz zum Ring-Auftritt gab es am Ende wieder Vicarious, ansonsten war es die gleiche Setlist, nur diesmal auch mit würdigem Publikum.