Ringrocker goes NOS Alive (PT)

Festival Forum: Diskussion zu NOS Alive Festival 2017 (u.a. mit Depeche Mode, Foo Fighters, The Weeknd)

eröffnet von PastorOfMuppets am 05.07.2017 16:48 Uhr
12 Kommentare - zuletzt von PastorOfMuppets


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PastorOfMuppets
PastorOfMuppets
05.07.2017 16:48·  BearbeitetSupporter



Neuer Monat, neues portugiesisches Festival. Dieses Wochenende möchte ich euch gerne das NOS Alive in der Nähe von Lissabon vorstellen.

Zuerst ein paar Fakten:
- 3 Tage Programm von Donnerstag bis Samstag
- ca. 60.000 Besucher
- 6 Bühnen
- Auf der Hauptbühne (Palco NOS) und einer größeren Zeltbühne (Palco Heineken) spielen die bekannten internationalen Bands
- Die anderen Bühnen sind auf Electro (NOS Clubbing) bzw. portugiesische Musik (EDP Fado Café, Palco Comédia und Palco Coreto) spezialisiert
- Headliner: The XX und The Weekend am ersten Tag, Foo Fighters am zweiten Tag, Depeche Mode am dritten Tag
- Das Wochenendticket kostete zu Beginn 129€ und später 145€
- Tagestickets gab es für 59€
- Das Festival ist restlos ausverkauft
- Camping ist für einen Aufpreis von 17€ möglich, aber der Campingplatz liegt nicht in der Nähe des Festivalgeländes

Timetable

Auch hier ist wie beim NOS Primavera nur der jeweilige Beginn der Acts angegeben. Aus Erfahrung kann man zu Beginn der Tage mit 20-30 Minuten bzw. später mit ca. 45 Minuten Umbauzeit rechnen.
Das Festival beginnt und endet für deutsche Verhältnisse sehr spät, aber das ist einfach auf das Wetter zurückzuführen. Bei knallender Sonne wäre ein ganzer Nachmittag Musik sehr anstrengend.

Geländeplan


Das Festival findet in direkter Nähe vom wunderschönen Lissabon statt. Der genaue Ort liegt direkt an der Bahnstation Algés westlich von Lissabon.
Da ich mich schon mit der letztjährigen Ausgabe beschäftigt habe und seit fast fünf Monaten in Lissabon wohne, kann ich schon vorab einige wahrscheinlich nützliche Dinge mitteilen.

Zum Festivalgelände gelangt man von Lissabon am einfachsten mit dem Zug ab der Station Cais do Sodré. Die liegt im Süden von Lissabon und ist mit der grünen Linie erreichbar. Eine einzelne Metrofahrt kostet unabhängig von der Länge und Anzahl der Umstiege 1,45€, eine wiederaufladbare Plastikkarte kostet einmalig 0,50€. Ab Cais do Sodré nimmt man dann den Zug entlang der Küste in Richtung Cascais. Die Fahrt bis Algés dauert nur 11 Minuten. Achtung: Man kann hier zwar die gleiche Plastikkarte für den Eintritt durch die Schleusen zu den Gleisen nehmen, aber es handelt sich um einen anderen Anbieter, sodass hier am Bahnhof Geld auf die Karte geladen werden muss. Generell empfehle ich direkt ausreichend Geld auf die Karte zu laden (das geht auch an einem Schalter, den genauen Betrag für die Bahnfahrt habe ich gerade nicht im Kopf), da das die Abreise erheblich vereinfacht. Die ist nämlich scheinbar ein kleines Problem. Am Bahnhof in Algés muss man eine Unterführung passieren, die für die Anreise geöffnet, aber bei der Abreise gesperrt ist. Da müssen dann alle einen Umweg von etwa 1,5km über eine Autobahnbrücke auf die andere Seite laufen, um die Masse etwas besser zu verteilen. Man kann dann von der anderen Seite (wo sich auch Busse in Richtung Innenstadt befinden) die Unterführung und die Gleise betreten. Das hört sich erstmal komisch an, aber ich habe das schon bei Guns N' Roses mitgemacht und es ist meiner Meinung nach absolut notwendig, um Loveparade 2.0 zu vermeiden. Aber der Umweg kann nach einem langen Festivaltag natürlich sehr anstrengend sein. Um dann in Algés bei der Abreise nicht nochmal die Karte aufladen und deswegen warten zu müssen empfehle ich wie gesagt vorab genug Geld auf der Karte zu haben. Es kann sein, dass man aufgrund der Menschenmasse nicht direkt den nächsten Zug bekommt, aber bei mir hat es nach GNR geklappt. Die Züge fahren alle 20-30 Minuten. Alternativ steht wie gesagt noch eine Busverbindung zur Verfügung, die befindet sich ebenfalls auf der anderen Seite des Geländes und somit ist auch hierfür der Fußmarsch notwendig. Nach GNR sah es dort nicht allzu voll aus, aber mehr kann ich da leider gerade nicht zu sagen. Die Metro fährt in Lissabon zwischen 1 Uhr und 6:30 Uhr nicht, daher braucht es dort eine Alternative. Einerseits möglich sind ab Cais do Sodré fahrende Nachtbusse. Da lohnt es sich je nach Ziel vorher die passende(n) Linie(n) rauszusuchen. Andererseits gibt es dann natürlich noch Taxis, die in Lissabon deutlich günstiger als in Deutschland sind. Eine weitere theoretische Möglichkeit besteht mit Uber bzw. dem nach gleichem Prinzip arbeitenden lokalen Ableger Cabify. Cabify ist sogar mit einem Stand auf dem Festival vertreten.

Trotz dieser vielleicht kompliziert klingenden An-/Abreise würde ich trotzdem für eine Unterkunft Lissabon empfehlen, da es sich in Verbindung mit ein paar Tagen einfach lohnt und so eine wunderbare Stadt ist. An dieser Stelle spare ich mir erstmal spezielle Tipps für Lissabon, aber bei Bedarf könnt ihr gerne nachfragen bzw. vielleicht reiche da im Abschlussbericht was nach.

Was man eventuell mit dem Festival verbinden kann ist ein Strandbesuch. Auf der gleichen Zuglinie von Lissabon nach Algés liegen weiter im Westen die beiden Strände Carcavelos und Cascais. Ich werde mal darauf achten ob es auf dem Festivalgelände Schließfächer gibt und man damit theoretisch direkt vom Strand zum Festival fahren könnte. Direkt am Festivalgelände ist das nicht möglich. Es liegt zwar direkt am Wasser, aber der Bereich zum Wasser hin ist abgesperrt.

Ein letzter Tipp vorab: Guckt euch bei Gelegenheit mal was auf der Fado-Bühne an. Der Aufbau dort ist wohl mit einer extra eingerichteten "Straße" sehr liebevoll gemacht und man bekommt einen Einblick in klassische portugiesische Musik.

Vielleicht helfen diese ersten Hinweise schon Ringrockern, die bereits in diesem Jahr dabei sind. Als ich eben nochmal den Festivalthread durchgegangen bin klang es so als wenn einige sicher Karten hätten. Falls das so ist meldet euch gerne mal. Ich bin mit den beiden Usern Keyser und M3dusa vor Ort.

Eine letzte Info für alle, die spontan Lust auf das Festival bekommen und sehr früh planen möchten: Das Festival findet 2018 (wie das Rock Werchter) eine Woche später und somit vom 12. bis 14. Juli 2018 statt.

Até amanhã!
Sebastian

ArcticMonkey90
05.07.2017 17:26

Toll wie ausführlich du das immer machst. Aber eine Frage hätte ich da noch. Ich nehme mal an du bist noch Student, weil sonst ist es wohl kaum möglich auf so viele Festivals zu fahren. Wie machst du dass finanziell und kommst du dabei billiger weg als wenn du auf Festivals in Deutschland gehen würdest. Was hast du so grob für die 3 Festivals jetzt gezahlt? ich frage weil ich nächstes Jahr selber auf Ausländische Festivals möchte

IndieCaro
IndieCaro
07.07.2017 01:38

Schöner Bericht!

Ich würde mir ein bisschen Absprache in Sachen Instagram Account wünschen. Da geht's ja gerade ziemlich ab - für meine Begriffe viel zu viel. Dadurch, dass du jetzt auch dort postet ist man bei dem einen Foto in Lissabon, beim nächsten in Tschechien und so kommen dann mal 55 Fotos im zwei Tagen zusammen.
Ein Versuch sich da etwas abzusprechen wäre sicher nicht verkehrt

Stiflers_Mom
Stiflers_Mom
07.07.2017 06:54·  BearbeitetAdminSupporter


IndieCaro schrieb:
Schöner Bericht!

Ich würde mir ein bisschen Absprache in Sachen Instagram Account wünschen. Da geht's ja gerade ziemlich ab - für meine Begriffe viel zu viel. Dadurch, dass du jetzt auch dort postet ist man bei dem einen Foto in Lissabon, beim nächsten in Tschechien und so kommen dann mal 55 Fotos im zwei Tagen zusammen.
Ein Versuch sich da etwas abzusprechen wäre sicher nicht verkehrt

Zitat anzeigen


Volle Zustimmung hier.

Mir war das auch ein bisschen zu viel, vor allem auch, weil die Übergänge so flüssig waren. Deutlicher kommunizieren, wer wann aufhört und wo anfängt und vielleicht auch einfach von den Bildern her absprechen: Wenn jeder den Fokus ein wenig anders legt, Ist das auch nicht ganz so verwirrend.

Edith, weil ichs gerade sehe: Gerade auch das bei Facebook würde ich pointierter machen. Das hat gerade richtig meine Timeline geflutet.

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PastorOfMuppets
PastorOfMuppets
09.07.2017 21:10Supporter

NOS Alive 2017 ist Geschichte und ich möchte gerne auf eure Beiträge eingehen und natürlich meine Eindrücke wiedergeben.

@ArcticMonkey90:
Ja, ich bin Student. Letztendlich nimmt sich das meiner Meinung nach nicht viel. Ob ich jetzt 6h mit dem Auto in die Eifel fahre oder einen billigen Flug z.B. mit RyanAir nehme ist kein wirklicher Unterschied. In Portugal kann man sowohl beim NOS Primavera als auch beim NOS Alive wunderbar und recht kostengünstig ohne campen auskommen, sodass man nicht viel Gepäck dabei hat. Bei mir kommt dazu, dass ich gerade in Lissabon studiere, damit fällt die Anreise quasi eh weg. Die Ticketpreise sind hier auch im Verhältnis deutlich günstiger als in Deutschland, über eine Presseakkreditierung kann das dann auch noch wegfallen.

@Caro und @Sammy:
Da gebe ich euch teilweise recht. Allerdings kam die Zusage für das Festival erst am Mittwoch Vormittag (Beginn wohlgemerkt am Donnerstag), sodass die Vorbereitung sehr kurzfristig war. Ich habe immer den Ort angegeben (und natürlich die entsprechenden Hashtags benutzt), um möglichst deutlich zu machen, dass es um das NOS Alive geht. Ob da noch ein einleitender Satz wie "back to Lisbon" o.ä. auf den ersten Blick mehr gebracht hätte weiß ich nicht. Eine Aufteilung z.B. nach Stunden fänd ich auch eher wenig sinnvoll bzw. müsste man sich dafür sehr genau absprechen und bestenfalls kennen, was hier nicht möglich bzw. nicht der Fall war. Und wenn ein Festival schon eine Akkreditierung vergibt, dann sollte man denke ich schon mehr als zwei Bilder am Tag posten. Die Verlinkung zu Facebook ist da auch schon so gewollt.
Da es nun aber zum ersten Mal der Fall war, dass von zwei Festivals parallel berichtet wurde. wird sich da in Zukunft bestimmt eine gute Lösung finden lassen. Den Punkt verstehe ich wie gesagt grundsätzlich schon, nur hatte ich so kurzfristig keine adäquate Lösung parat.

Nun zum Festival an sich

Zuerst folgt nochmal der Hinweis auf die Bilder bei Instagram, die denke ich einen Eindruck vermitteln können.
www.instagram.com

Einige kurze Zusammenfassungen der Tage wurden bereits vom Festival selbst veröffentlicht.




Gelände
Das Gelände ist meiner Meinung nach sehr gut für das Festival geeignet und hat nur einen Schwachpunkt. Um den gleich vorwegzunehmen: Zu Stoßzeiten gibt es in der Nähe der großen Toilettenanlage ein Nadelöhr, weil viele Leute eben zwischen Toiletten und den beiden Hauptbühnen pendeln. Das ist keinesfalls kritisch oder gar bedrohlich, aber dadurch kann es sich etwas stauen und man braucht ein bisschen Zeit um den Bereich zu passieren.

Ansonsten gibt es gerade vor der Hauptbühne ausreichend Platz, man findet im Bereich des Foodcourts oder an anderer Stelle Plätze um sich zu setzen und bei den Konzerten findet man eigentlich immer einen zufriedenstellende Position. Der Boden ist mit einer Art Kunstrasen ausgelegt, damit es nicht staubt. Dadurch (und weil der jeden Tag komplett gesäubert wird) kann man sich auch einfach auf den Boden setzen. Die Wege sind für ein Major-Festival insgesamt sehr kurz, das ist ein klarer Pluspunkt.

Der Einlass auf das Gelände klappte an jedem Tag (zu verschiedenen Zeiten) reibungslos und schnell in knapp 5min. Trotzdem erfolgten sorgfältige Kontrollen. So muss das sein.

Toiletten
Die Toilettensituation ist meiner Meinung nach nicht ganz optimal gelöst, da es hauptsächlich einen großen Bereich in der Mitte des Geländes gibt. Mehrere dezentrale Anlagen fänd ich sinnvoller. Trotzdem musste man nur zu Stoßzeiten bei Bandwechseln kurz warten, ansonsten gab es keine Wartezeit. Es gab höchstens im Bereich vor den Toiletten den bereits beschriebenen kleinen Engpass. Im kleinen hinteren Toilettenbereich musste man als Mann nie warten und als Frau höchstens ganz kurz. Allerdings gab es in dem Bereich keine Möglichkeit um sich die Hände zu waschen.

Essen/Trinken
Getränkepreise: Wasser (0,33l) 1,50€, Bier (Heineken 0,5l) 4€, Wein (0,4l) 4€. Gerade der Wein ist natürlich hinsichtlich Preis/Leistung stark.
Negativpunkt: Es gab keine Trinkwasserstelle, das finde ich bei dem potenziell heißen Wetter riskant.

Beim Essen gibt es eine wirklich große Auswahl für jeden Geschmack. Um den Foodcourt herum gibt es viele Stände und auch an anderen Ecken des Geländes findet man noch Essen. Viele Stände gibt es auch mehrfach, sodass man sich denjenigen mit dem geringsten Betrieb aussuchen kann. Generell muss man für das Essen aber quasi nicht warten. In der Nacht ist es unterschiedlich, weil bei manchen Ständen eine Schlänge und bei anderen nichts los ist. Da war für uns nicht ganz ersichtlich warum manche Stände beliebter waren als andere. Aber wir haben dann die wenig besuchten Stände genommen und sind damit gut gefahren.

Das Essen ist dabei für deutsche Verhältnisse recht günstig. Das geht mit traditionellen Sachen wie Pommes für 1,50€, Pão com chouriço für 3€ oder Bifana (Steak-Brötchen) für 4€ los und die teuersten von uns gesehenen Sachen waren Gambas für 7€ und 8€-10€ für ein Hamburger-Menü. Zusätzlich gibt es natürlich auch eine Auswahl an vegetarischen und veganen Sachen.

Generell sind die ganzen Informationen neben Portugiesisch auch auf Englisch verfügbar, höchstens bei ein paar wenigen Ständen hilft es wenn man eine Wörterbuch-App hat.

Merchandising
Merch ist in Portugal günstiger als in Deutschland, die Festivalshirts kosteten 20€. Die Bandshirts waren auch etwas günstiger als hierzulande, nur The XX (30&euro und Depeche Mode (35&euro stachen da nach oben raus. Gegen Ende des Festivals gab es dann bei den Festivalshirts viele Größen nicht mehr, da sollte man schnell zugreifen.

Eine sehr schöne Geschichte ist das Recycling, das beim NOS Alive betrieben wird. Für 30 Heineken-Becher gibt es ein altes Festivalshirt aus den vergangenen Jahren. Somit haben wir jetzt Shirts von 2011 und 2012.

Zusätzlich gibt es ein paar kleine Geschenke, die am Eingang verteilt werden. Dazu gehören bunte Kappen vom Hauptsponsor, ein Faltplan mit allen notwendigen Infos oder Schlüsselanhänger.



Rückreise
Wie ich im Eingangspost schon angedeutet habe kann sich die Rückreise nach dem Festivaltag etwas ziehen. Ein Nachtrag: Die Zugfahrt zwischen Cais do Sodré und Algés kostet 1,85€, das macht dann für die insgesamt sechs notwendigen Fahrten 11,10€. Für den Rückweg vom Festivalgelände bis zum Haus haben wir je nach Tag 1-2 Stunden gebraucht. Die "bridge of doom" mit dem Umweg zur Bahnstation ist da meiner Meinung gar nicht so schlimm. Aber es dauert einfach alles ein bisschen, wenn man noch auf den Zug bzw. später in Cais do Sodré auf den Nachtbus warten muss. Gestern sind wir bis nach Peaches und damit so lange geblieben, dass die Unterführung an der Bahnstation Algés schon wieder geöffnet war und wir in Cais do Sodré direkt ein Taxi bekommen haben. Da waren die meisten Leute einfach schon weg, lange zu bleiben kann in der Hinsicht also helfen,

Publikum
Das Publikum empfand ich als sehr angenehm. Es gibt überhaupt kein "Ballermannpublikum", obwohl es ein Major und das größte Festival Portugals ist. Demnach fehlen auch nervige Verkleidungen und Selbstdarsteller. Es gibt keine asozialen Aktionen und die Leute sind stets freundlich. Beispiele: Vor der Hauptbühne kommt der Kamerakran teilweise so tief runter, dass die Leute locker an die Kabel und die Kamera kommen würden. Da macht aber niemand Quatsch, dass wäre bei RaR/RiP oder Hu/So vermutlich anders. Oder wenn ich mal mit jemanden leicht zusammengestoßen bin, weil sich die Wege gekreuzt haben, dann hat sich die andere Person direkt entschuldigt selbst wenn es vielleicht eher meine Schuld war.

Einziger kleiner negativer Punkt ist, dass Portugiesen recht kommunikativ sind. Hinten kann es also sein, dass die Leute reden. Vorne ist das eher kein Problem, da hatte ich nur bei Alt-J mit meinem Platz Pech.

Der Altersschnitt liegt denke ich bei Anfang 20, aber insgesamt reicht die Spanne von jung bis alt. Somit kommt es dann auf die Band an, gestern gab es da innerhalb weniger Stunden bei Kodaline und Depeche Mode die größten Kontraste.

Das Publikum ist natürlich primär Portugiesisch, aber es gibt auch viele internationale Gäste. Ich war überrascht, dass ich sogar viel Deutsch auf dem Gelände gehört habe. Durch die Ausrichtung und mit den vorwiegend jüngeren Gästen kommt man auch überall auf dem Festival mit Englisch weiter.

Abschließend ein paar Worte zu den Bands:

Donnerstag

Mário Pacheco
Netter Start in den Tag mit traditioneller portugiesischer Musik im Fado Café. Allerdings fehlte die sonst für Fado typische Stimme, es war ein rein instrumentaler Auftritt.

You Can't Win, Charlie Brown
Eine portugiesische Band, die die Hauptbühne eröffnet hat. Viel hängengeblieben ist nicht, wir saßen weiter hinten.

Alt-J
Fünf Tage nach dem Konzert beim Werchter der nächste Auftritt. Ich mag sie und ihre Musik, aber den Auftritt haben mir leider die Leute in meiner Nähe kaputt gemacht. Da wurde viel zu viel geredet und gefilmt.

Phoenix
Gute Laune sowohl bei Band als auch Publikum. Die meisten Hits kamen früh im Set, das hätte vielleicht ausgeglichener gestaltet werden können. Mir gefällt aber auch das neue Album.

Ryan Adams
Unser erster Auftritt im großen Zelt. Wir sind nicht komplett geblieben, um bei The XX einen guten Platz zu haben, aber was wir mitbekommen haben war sehr stark. Doomsday war ein emotionaler Höhepunkt. Ich muss ihn auf jeden Fall nochmal sehen.

The XX
Wow, das war ganz großes Kino. Tolle Bühnenbeleuchtung ähnlich wie bei der Tour im Frühjahr (aber nicht das komplette Programm) und ein sehr emotionales Set. Ich hatte gar den Eindruck, dass ich einige Songs live erst so wirklich "verstanden" habe. Die Band war super sympathisch, sie haben sich immer wieder sehr positiv gegenüber Lissabon allgemein und dem Publikum geäußert. Ein ganz toller Auftritt, eines der Highlights meines Konzertjahres!

Royal Blood
Wir waren nach The XX eigentlich gar nicht in der Stimmung und ich habe sogar kurz überlegt, dass ich vielleicht gar nicht hingehen sollte. Zum Glück habe ich sie mir dennoch angeguckt. Die Jungs haben das Zelt ordentlich abgerissen und eine tolle (wenn auch zum Werchter identische) Show gespielt. Im Zelt bei Dunkelheit war das aber intensiver als am frühen Abend auf einer Hauptbühne. Auch die beiden haben sich mehrfach auffallend positiv über das Publikum geäußert. Sehr starker Auftritt!

The Weeknd
Danach ging es rüber zum Headliner und ich wusste vorher wirklich nicht ob das live mein Ding ist. Man muss aber sagen, dass er sowohl eine großartige Stimme hat als auch eine sehr ordentliche Show abzieht. Ich hatte demnach auch relativ weit hinten mit genug Platz zum tanzen meinen Spaß. Würde ich mir solo nicht angucken, aber auf einem Festival gebe ich so einem Act gerne mal eine Chance. Hat gepasst.

Freitag

Savages
Wir haben sie nur von draußen verfolgt und nebenbei gegessen bzw. recycelt, aber was ich mitbekommen habe hat mir gefallen.

Lince
Mehr zufällig sind wir anschließend an der kleinsten Bühne des Festivals gelandet, weil wir bei den hinteren Toiletten waren und uns hinsetzen wollten. Ich habe sie auch schon mehr zufällig beim Warm Up für das NOS Primavera in Porto gesehen und es war wieder ein schönes Set, aber viel hängen bleibt bei mir nicht.

The Kills
Wir waren uns einig, dass es einfach langweilig ist. Keine Ahnung warum, weil ich die Musik an sich durchaus mag, aber live fehlt irgendwie etwas. Schwächster Auftritt des Wochenendes.

Foo Fighters
Ich habe dem Auftritt beim Werchter eine 9,5/10 gegeben. Das hier war eine glatte 10! Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass das übertroffen werden könnte.
Ein paar Kleinigkeiten haben da dann aber nochmal einen Unterschied ausgemacht. Die Setlist war vom Aufbau sehr ähnlich und beinhaltete bis auf Rope statt Skin And Bones die gleichen Songs. Den Wechsel fand ich aber gut. Das Publikum hat dann auch noch was ausgemacht, die Leute hatten einfach schwer Bock. Ein Beispiel ist, dass bei der Bandvorstellung die angespielten Cover so mitgesungen wurden, dass die Band sie in die Länge gezogen hat. Und der Höhepunkt war zwischen Best Of You und Everlong als die Leute ihre eigene Party gefeiert haben. Es wurden portugiesische Lieder oder Sätze gesungen (z.B. dass Dave springen soll) und die Band hat natürlich nichts verstanden, aber großartig mitgespielt. Da hatte ich dann bei Teilen des Auftritts schon ein bisschen so ein Gefühl nahe an Südamerika und dem tollen Publikum zu sein, dass man sonst nur von Youtube-Videos kennt. 10/10, besser geht es nicht!

Samstag

Benjamin Booker
Schöner Start in den Tag in einem nur sehr spärlich gefühlten Zelt.

Kodaline
Mir war nicht bewusst, dass die so abgefeiert werden. Ich habe glaube ich noch nie so viele Mädels auf Schultern gesehen und für die Tageszeit war eine extrem gute Stimmung. Nachdem beim zweiten Song schon eine Portugal-Flagge auf die Bühne flog lief der Rest des Sets natürlich wie ein Länderspiel. Sehr guter Auftritt.

Imagine Dragons
Ich habe den Auftritt von der Pressetribüne verfolgt und konnte so sehen, dass die Leute von vorne bis hinten mitgezogen haben. Wichtige Aussagen über das aktuelle Weltgeschehen bzw. speziell Terrorismus und dazu eine Show mit viel Publikumsinteraktion - fertig ist ein guter Co-Head.

Depeche Mode
Gefühlt war signifikant weniger los als bei den anderen Headlinern, Der Auftritt gefiel mir dann zwar gut, aber es gab zwischen den Hits (zumindest bei mir, der kein wirklicher Fan ist) etwas Leerlauf und im Vergleich zu den anderen Headlinern The XX und Foo Fighters fiel der Auftritt etwas ab.

The Avalanches
Eine interessante Mischung aus Elektro und Hip Hop, wir konnten bei dem Auftritt sehr weit vorne stehen und hatten unseren Spaß.

Peaches
Muss man gesehen haben, kann man nicht beschreiben. Ein würdiger Festivalabschluss.

Band-Ranking:
1. Foo Fighters
2. The XX
3. Royal Blood


Fazit
Das NOS Alive ist ein ganz tolles Festival. Es ist groß, fühlt sich aber selten so an. Es besticht jedes Jahr mit einem sehr guten Line Up für einen verhältnismäßig geringen Preis. Es gibt quasi eine Garantie für zumindest gutes Wetter und durch die Nähe zu Lissabon lässt es sich perfekt mit einem Kurzurlaub in der Stadt verbinden. Generell sind die Preise erschwinglich, die Leute sehr freundlich und die Stimmung äußerst angenehm.

Kurz gesagt: Ich würde sehr, sehr gerne wiederkommen.

2PastorOfMuppetsund anderen gefällt das
tobiwan42
09.07.2017 21:48

Durch diese Ringrocker goes xy-Aktionen habe ich ständig Bock, ein anderes weit entferntes Festival in den nächsten 1-2 Jahren anpeilen zu wollen - sei es nun Sziget, Primavera Porto oder jetzt das NOS Alive die großen Festivals außerhalb Deutschlands scheinen insgesamt einiges zu bieten. Mal schauen, wann mal welches machbar ist

Danke für den wieder mal ausführlichen und tollen Bericht!

IndieCaro
IndieCaro
10.07.2017 12:52·  Bearbeitet

Dass die "schuld" da nicht bei dir direkt liegt, dachte ich mir fast. Es war nur einfach an dem Tag für mich total undurchsichtig. Ich überlese aber auch gerne mal die Ortsangabe etc und schau mir nur den User und das Bild an. Deshalb dachte ich auch zuerst dein Bild aus der Stadt sei noch Tschechien und da war die Verwirrung dann perfekt

Ansonsten volle Zustimmung zu dem, was Tobi sagt. Ich war ja auch mal so ein RAR Verfechter, aber da gibt's einfach noch ne Menge mehr.

3JestersTearund anderen gefällt das
runnerdo
runnerdo
10.07.2017 14:48Supporter

Sehr schöner Bericht

Ich werde probieren das meiner heute Abend folgt.

Zum Thema Übergang. Ich selber wusste halt auch nicht, das du da bist. Ich habe es dann vor Ort gemerkt, als ich gesehen habe, das da manche Bilder nicht von mir sind. Hätte man das früher gewusst, hätte man das sicher eleganter Lösen können. Ich denke es war trotzdem eine ganz schöne Aktion

PastorOfMuppets
PastorOfMuppets
10.07.2017 17:59Supporter

Mittlerweile wurde auch der gesamte Auftritt der Foo Fighters bei Youtube hochgeladen. Die oben beschriebene portugiesische Party startet etwa bei 2:09:00.


e salta Dave e salta Dave olé! olé!

Cove
11.07.2017 16:45

Ganz kurz zu meinen Erfahrungen und warum ich wohl nicht nochmal dorthin fahren würde.

Tldr.: Organisation meiner Meinung nach ziemlicher Mist, Lineup ganz gut, wenn auch leider nicht annähernd so gut wir 2015 und 2016. Lieber die Zeit in Lissabon nutzen und auf ein anderes Festival fahren!

Lissabon ist klasse, nur zu empfehlen! Das Festival hingegen meiner Meinung nach nur mittelmäßig.

Verkehrstechnisch kann man sich überhaupt nicht beschweren. Die An- und Abreise zum Gelände klappt prima von Cais do Sodré aus. Wir hatten das Zugticket inklusive und mussten das einfach nur nem Mitarbeiter am Bahnhof zeigen und wurden durchgelassen. Manchmal mussten wir zwar Mitarbeiter suchen, aber dafür haben wir uns viel Stress mit den Tickets erspart. Tipp: Vorher die Karten aufladen, nicht erst am Bahnhof, die Schlangen waren endlos.

Das Festivalgelände und die dortige Organisation waren meiner Meinung nach das Größte Manko. Der Zugang, bzw. Ausgang über eine Straße, die in etwas so breit ist wie die Start/Ziel-Gerade am Ring war wirklich fragwürdig. Gerade zu Stoßzeiten kam es zu langen Wartezeiten, weil dort auch die Kontrollen stattfanden. Wenn da eine Panik ausgebrochen wäre, da will man gar nicht drüber nachdenken. Auch auf dem Festival selbst war alles sehr voll von Menschen und gerade zwischen Hauptbühne und zweiter Hauptbühne war es extrem eng. Genau dazwischen lag auf der einen Seite die einzige Toilettenanlage und auf der anderen der völlig überlaufene Foodcourt. Wir haben versucht nie dort auf Klo zu gehen, weil die sanitäre Situation unter aller Kanone war. Bier bekam man immer sehr schnell, weil es so viele Stände gab. Essen gehen musste man so timen, dass man während einer großen Band ging, sonst waren die Schlangen teilweise extrem lang. Oder man ging in die hinterste Ecke und aß dort, wäre auch gegangen.

Der Sound auf der Mainstage war manchmal gut bis sehr gut (Foo Fighters) und manchmal unglaublich mies (Phoenix). Ich mag die Band wirklich, aber das war schmerzhaft. Bass viel zu laut, Stimme zu leise. Ich hatte Schwierigkeiten die Lieder zu erkennen. Im Zelt war der Sound immer gut. Nur weht natürlich immer ne Menge von der Hauptbühne herüber. Kann man nix machen,

Bandtechnisch fand ich The XX, Kodaline, Parov Stelar, Spoon und Fleet Foxes sehr gut. Ein schlechtes Konzert hab ich aber nicht gesehen. Außer Phoenix durch den Sound

Wir selbst haben uns zwar ganz gut auf die organisatorischen Schwächen eingestellt, aber das hat den Eindruck dann doch gehörig getrübt. Schade, weil mehr Potential da wäre.

PastorOfMuppets
PastorOfMuppets
12.07.2017 17:34Supporter

Schön, dass auch andere Ringrocker vor Ort waren.

Bei manchen deiner Ansichten kann ich (teilweise) zustimmen, manche Punkte sehe ich deutlich anders. Daher hier nochmal ein paar Anmerkungen/Nachfragen.

Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Zugang bzw. Ausgang des Festivals in irgendeiner Weise gefährlich gewesen sein soll. Zu welcher Uhrzeit an welchem Tag kam es zu "langen Wartezeiten"? Wir haben den Weg zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten passiert und es war nie annähernd voll. Wir waren am Donnerstag recht früh und Freitag/Samstag so zwischen 18-19 Uhr vor Ort. Da hat der Einlass inkl. aller Kontrollen ca. 10min gedauert. Auf efestivals wird von teilweise 20-30min Wartezeit gesprochen, aber auch dort wird an der Stelle eine gute Organisation angesprochen. Ich hätte jetzt die Hauptanreise auf 19-20 Uhr geschätzt und vielleicht war es da dann voller, aber aus meiner Sicht ist dein Punkt da nicht nachvollziehbar. Vielleicht kannst du da nochmal genauer drauf eingehen.

Auf die enge Stelle zwischen den beiden Bühnen bei den Toiletten bin ich oben schon eingegangen, das ist sicherlich nicht optimal gelöst. Allerdings fand ich das weder dramatisch, noch gefährlich. Es hat an der Stelle einfach einen Moment gebraucht, um den Bereich zu passieren. Neben dem Hauptweg zur Heineken gab es rechts davon noch eine Straße, die am Comedyzelt vorbeigeführt hat. Da war immer deutlich weniger los, deswegen sind wir generell dort gegangen.

Das Thema Essen und Foodcourt haben meine Mitfahrer und ich ebenfalls anders erlebt. Ja, es gab an manchen Ständen beim Foodcourt lange Schlangen. Aber dazwischen waren noch zahlreiche Stände wo sehr wenig los war. Wir haben uns an diese Stände gehalten, sind damit gut gefahren und mussten unabhängig von der Zeit nie länger als 5min auf Essen warten. Wohlgemerkt direkt beim Foodcourt, bei den abgelegenen Ständen am hinteren Ende des Geländes war noch weniger los.

Das Thema Sound habe ich oben vergessen. Da stimme ich dir zu, der Sound an der Hauptbühne war tendenziell sehr basslastig, am meisten ist mir das bei Alt-J und ebenfalls bei Phoenix aufgefallen. Insgesamt fand ich den Sound an beiden Hauptbühnen ziemlich laut. Dafür hatte ich zu keiner Zeit den von dir angesprochenen Soundmatsch. Wir haben sowohl an der Hauptbühne als auch an der Heineken den "langen" Weg zur Außenseite genommen, da die Leute nunmal gerne faul sind und nicht so weit durchlaufen wie es eigentlich möglich wäre. Also standen wir an der Hauptbühne links und an der Heineken rechts. Da gab es überhaupt kein Problem mit Soundüberlagerungen. Wo standest du? Ich kann mir nur vorstellen, dass hinten an der Hauptbühne einiges von der Clubbing ankommt.