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Konzert- oder Festival-Absage: Geld zurück oder Ticket behalten?

RedaktionRedaktion, 14.03.2020

Redaktion

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14.03.2020

Konzert oder Festival abgesagt wegen Corona! Krieg ich jetzt mein Geld zurück oder soll ich das Ticket behalten? Was ihr jetzt tun könnt.

Na, toll! Noch vor Monaten hast du dich gefreut, weil du noch Tickets für deine Lieblingsband ergattern konntest und jetzt das: Wegen des neuartigen Coronavirus werden Konzerte und Großveranstaltungen wie Festivals abgesagt oder gar verboten, eins nach dem anderen.

Was tun? Bekomme ich jetzt mein Geld zurück? Oder soll ich das Ticket lieber behalten? Was bedeutet das jetzt für Künstler und kleine Klubs? Nicht nur Veranstalter canceln Konzerte und Festivals – auch Bands und Künstler sagen Touren ab, Klubs machen vorübergehend dicht.

Und auch wenn du meinst, dass du einfacher auf den Besuch bei Oma Hildegard verzichten kannst als auf das geplante Konzert von Felix Kummer – das solltest du jetzt wissen:

Konzert, Festival oder Veranstaltung abgesagt – welche Rechte habe ich?

Ticketinhaber können ihr Geld zurückverlangen, wenn der Veranstalter das für einen bestimmten Termin geplante Event absagt. Der Grund für die Absage ist dabei erst mal egal und auch, ob der Veranstalter gar nichts dafür kann. Das gilt laut Verbraucherzentrale übrigens für den Ticketpreis, die Vorverkaufsgebühr und Versandkosten!

Geld zurück nur bei personalisierten Tickets?

Nein. Das Recht auf Geldrückgabe haben alle Ticketinhaber, ob ihr Name auf der Eintrittskarte steht oder nicht.

Was ist, wenn das Konzert nur verschoben wird?

Es besteht keine Pflicht, die Verschiebung eines Konzertes hinzunehmen. Wenn man beispielsweise am Ersatztermin nicht kann oder dieser noch gar nicht feststeht, kann das Ticket ebenso zurückgegeben werden wie bei Komplettabsage – gegen Rückerstattung des Kaufpreises und sämtlicher Gebühren.

Wann hilft eine Ticketversicherung?

Zauberwort AGB! Es kommt also mal wieder aufs Kleingedruckte an. Verbraucherschützer melden bereits, dass einige Versicherungsanbieter das Coronavirus bereits in ihre Ausschlussgründe aufgenommen haben. Das bedeutet: Wenn das Virus Grund für die Absage ist, kommt die Versicherung nicht für den Schaden auf.

An wen muss ich mich wenden?

Erstatten muss den Eintrittspreis der Veranstalter. Die Rückabwicklung läuft aber in den meisten Fällen über denjenigen, bei dem du dein Ticket gekauft hast: den lokalen Ticketshop, die Vorverkaufskasse im Shoppingcenter oder die großen Buchungsportale wie Eventim, Ticketmaster oder Festicket. Wer dort keinen Erfolg hat, abgewiesen wird, sollte sich direkt an den Veranstalter wenden (steht auf der Eintrittskarte).

Bekomme ich die Erstattung in bar oder als Gutschein?

Geld gibt’s dann in der Regel auf demselben Zahlungsweg wie die Karten gekauft wurden. Bei der Rückzahlung darf man übrigens auf Geld bestehen. Gutscheine oder Ausweichtermine müssen nicht akzeptiert werden. Für den Fall, dass das Ticket in bar oder mit einem Gutschein bezahlt wurde, stellen viele Veranstalter ein Rückerstattungsformular online. Alternativ sollte man sich an den Kundenservice des Veranstalters wenden.

Übrigens; Der Rückzahlungsanspruch verjährt erst nach drei Jahren. Bei Konzerten und Festivals, die jetzt wegen des Coronavirus abgesagt werden, gelten Ansprüche also bis zum 31.12.2023.

Kann ich mein Ticket vorsorglich zurückgeben, auch wenn es noch keine Absage gibt?

Nein, wegen Angst vor dem Virus gibt’s kein Geld zurück. Es sei denn, Veranstalter regelt auch hier das Ganze über Kulanz, also freiwillig.

Und was gilt für Geisterkonzerte, die nur gestreamt werden?

Wie im Fußball auch gibt es inzwischen schon die ersten Geisterkonzerte. James Blunt oder auch die Berliner Philharmoniker spielten bereits vor leeren Rängen, Zuschauer gab’s nur vor Screens, Monitoren, Fernsehschirmen. Hier gilt: War das Konzert nicht ursprünglich als reine Übertragung geplant sondern vor Ort mit Publikum, muss der Veranstalter das Eintrittsgeld ersetzen. Denn eben dieser Eintritt wird den Zuschauern ja verwehrt.

Warum sollte ich mein Ticket vielleicht doch behalten?

Geht es die nächsten Wochen mit Absagen und Schließungen so weiter, erwarten Künstler, Veranstalter, Clubbetreiber und Vorverkaufsstellen düstere Zeiten. Jens Michow vom Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft: „Wenn derartige Veranstaltungsabsagen nur über zwei, drei Wochen erfolgen müssen, werden sich zahlreiche Firmen davon nicht wieder erholen können“.

Allerdings machen nicht nur ausbleibende Ticketverkäufe der Szene zu schaffen. Auf der Webseite des legendären Berliner Clubs SO36 heißt es beispielsweise: „Touren werden abgesagt, Veranstaltungen verboten oder verschoben … und das SO36 steuert in die Katastrophe. Eventuell werden demnächst einfach alle öffentlichen Orte dicht gemacht und dann kann sich jede*r ausrechnen, wie lange ein Laden wie das SO36 ohne jegliche Einnahmen durchhalten kann. Wir schätzen etwa 1 Monat. Miete, Strom, Löhne, Sozialversicherung, das sind alles Kosten, die unabhängig davon anfallen, ob hier auch nur ein einziges Bier über den Tresen oder ein einziger Song aus den Boxen kommt. Deshalb: WIR BRAUCHEN HILFE!“

Für viele Clubs bedeutet die lange Auszeit ein finanzielles Problem. Sie haben nicht genug Rücklagen, um wochen- oder gar monatelang schließen zu können. Das Maßnahmenpaket der Bundesregierung wird Veranstaltern und Clubbetreibern nur in Ausnahmefällen helfen, nämlich den großen Firmen. Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld bringen den meisten dagegen nichts, viele Veranstaltungsbetriebe haben ihr Personal beispielsweise an Agenturen ausgelagert – mit ohnehin entsprechend niedrigen Löhnen.

Eine Internet-Petition zur Unterstützung freier Künstler und Freiberufler, die von den Einnahmen aus solchen Veranstaltungen ihren Lebensunterhalt bestreiten, unterschrieben in den ersten drei Tagen bereits über 120.000 Menschen.

Übrigens: Auch das Team von Festivals United ist auf Einnahmen aus Provisionen durch Ticketverkäufe angewiesen. Hier steht, wie Ihr helfen könnt, dass wir weiter für euch da sein können. 

Redaktion Redaktion Berlin

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