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6 Dinge, die du auf einem Festival unbedingt machen musst (und 6 Dinge, die du besser lässt)

von festivalsunited.com #festivals
6 Dinge, die du auf einem Festival unbedingt machen musst (und 6 Dinge, die du besser lässt)

Langsam, aber sicher, geht die diesjährige Festival-Saison in den Endspurt. Für viele ist daher schon jetzt der Zeitpunkt gekommen, die besuchten Events Revue passieren zu lassen und in großartigen Erinnerungen an das Erlebte zu schwelgen.

Für andere steht die Festival-Premiere womöglich noch aus. Neulinge finden in diesem kleinen Survival-Guide deshalb einen ersten Eindruck, was ein Festival ausmacht und auf welche Erfahrungen sie sich einstellen dürfen. Alte Hasen können an dieser Stelle noch einmal gegenchecken, ob sie auch wirklich alles mitgenommen haben, was die Festival-Saison zu bieten hat.

6 Dinge, die du auf einem Festival auf jeden Fall tun solltest (weil sie einfach dazugehören)

Festivals sind eine hervorragende Gelegenheit, um einmalige Erfahrungen zu machen und einmalige Erinnerungen zu sammeln. Ob dies gelingt liegt aber vor allem an dir und deiner Bereitschaft, dich auf eine ausgelassene Zeit mit verrückten Dingen einzulassen. Um manche wirst du ohnehin nicht herumkommen, die werden dir in bester Festival-Tradition ganz ohne dein Zutun passieren.

#1: Das Bier darf auch mal warm sein
Es mag ja Festivalgänger geben, die sich entgegen liebevoll gehegter Traditionen mit High-Tech-Equipment auf das Gelände begeben und mehr Glamping statt Camping betreiben. Das hat natürlich den Vorteil, über allerlei Luxus zu verfügen und beispielsweise Getränke – von verderblichen Lebensmitteln im Allgemeinen ganz zu schweigen – kühlen zu können.



Für mehr als einen Abend ist dafür aber ein Stromgenerator notwendig – und die sind auf dem Gelände in der Regel nicht erlaubt. Bleiben Alternativen wie Camping-Solarpanels oder regelmäßiger Crushed-Ice-Nachschub aus dem Supermarkt. Aber mal ganz ehrlich – wer will dafür tatsächlich Zeit, Geld oder Platz im Gepäck opfern?

Ein kühles Bier bei 35 Grad Außentemperatur und Non-Stop-Action den ganzen Tag ist ohne Frage eine Wohltat. Aber ein Festival ist schließlich kein Wellness-Urlaub, weswegen das Bier auch gerne einmal lauwarm sein darf. Seinen Effekt wird es trotz allem nicht verfehlen und bei spontan einberufenen Spieleabenden – etwa mit dem Festival-Klassiker Flunkyball – geht es ja ohnehin mehr um den sportlichen Aspekt. Sagen zumindest manche Spieler.

#2: Konserven-Kulinarik Deluxe
Wenn die Festival-Saison beginnt, steigt der Absatz an Dosen-Ravioli und ähnlichen Köstlichkeiten enorm an. Das hat mit geschmacklichen Faktoren wenig zu tun – und mit ästhetischen sicher auch nicht. Dennoch gibt es wohl kaum ein Gericht, das auf Festivals so häufig gegessen wird, wie Ravioli aus der Dose. Im Zweifelsfall kalt. Was nicht weiter schlimm ist, weil das Bier im Gegenzug meistens warm ist.

Überhaupt haben Festivals ihre ganz eigenen kulinarischen Gesetze, deren tragende Säulen Einfachheit und Improvisationstalent sind. Wer sich sonst zuhause kreativ in der Küche austobt, kann sein Talent nun unter erschwerten Bedingungen unter Beweis stellen. Gerade die einzigartige Kombination aus überschaubarer Auswahl an Lebensmitteln, eingeschränkten Zubereitungsmöglichkeiten, knurrenden Mägen und purer Verzweiflung begünstigen die Erfindung ganz neuer kulinarischer Spezialitäten.

Eine gewisse Anspruchslosigkeit ist dabei durchaus hilfreich. Aber nach ein paar Stunden im Moshpit geht es sowieso in erster Linie darum, die Energiespeicher des Körpers irgendwie wieder aufzufüllen.

#3: Kostüme für die Fastnachtssaison antesten
Wem Band-Shirts zu 1990 sind und wem der Sinn eher nach einer (für Festival-Verhältnisse) ganztagstauglichen, bequemen Klamotte steht: Mit einem Kostüm wird beides auf die denkbar einfachste Weise möglich. Auffallen wird damit sowieso niemand. Beziehungsweise alle, wie auf dem M’era Luna Festival in Hildesheim. Denn Kostümierungen sind nicht nur hier fester Bestandteil des Festival-Dresscodes. Sofern so etwas existiert. Sie sehen nicht nur schick aus und schützen (ein bisschen) gegen Regen, sondern eignen sich auch ganz wunderbar als Schlafsackersatz. Sofern geschlafen wird.

Aber auch auf anderen Festivals ist eine Kostümierung eine gute Idee. Es fördert die Kommunikation und dient als leichter Gesprächseinstieg; es schont die Lieblingsklamotten und sorgt bei den meisten anderen Besuchern für ein Lächeln.

Nicht ganz unerheblicher Nachteil: Bei hochsommerlichen Temperaturen entwickeln sich Vollkostümierungen schnell zu einer dieser mobilen Saunen, die im Teleshopping-Kanal noch ganz witzig wirken. In der Praxis vermutlich weniger lustig. Aber Sauna ist ja gesund und so ist der Festival-Trip am Ende vielleicht doch ein Wellness-Urlaub?

#4: Häufiges Duschen ist schlecht für Haut
Deswegen sind Festivals die beste Möglichkeit, der Haut kollektiv ein paar Tage Ruhe vor Wasser (Regenwasser ausgenommen) und Seife zu gönnen. Dass auf den Festival-Geländen üblicherweise Duschen zur freien Verfügung bereitstehen, muss dabei nicht gleichbedeutend mit einer Verpflichtung zur Nutzung sein.



Für viele ist es nämlich tatsächlich ein ungeschriebenes Gesetz, mit dem Betreten des Festival-Geländes zumindest das Duschen einzustellen. Ob die Folgen weniger dramatisch spür- und vor allem riechbar werden, wenn alle Besucher sich dieser zeitweiligen Philosophie verschreiben, bleibt fraglich.

Empfindliche Nasen sollten sich mental in jedem Fall auf diese bekannte Konstante des Festival-Lebens vorbereiten – so gut das eben geht.

#5: Schlammschlacht!
Mancher mag argumentieren, dass sich eine Dusche durch Regenfälle während des Festivals ohnehin erübrigt. Das wäre vermutlich sogar wahr, wenn die Klamotten bei solchen Gelegenheiten nicht normalerweise gleich mitgeduscht und beim Trocknen eine ganz unverkennbare Duftnote absondern würden.

Erschwerend kommt hinzu: Regengüsse sind in den meisten Fällen der willkommene Anlass für ausgedehnte Schlammschlachten. Nicht nur vor der Bühne, denn an Schlamm dürfte es auf dem gesamten Gelände kaum mangeln. Was genauso für Gleichgesinnte gilt, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Immerhin wird es solche Gelegenheiten im „echten“ Leben eher nicht geben.

Gleichzeitig pflegt man mit der Teilnahme an einer Schlammschlacht eine Huldigung an die „Mutter aller Festivals“. Was in Woodstock die Besucher nach einem Wolkenbruch erfreute, ist bis heute eine beliebte Beschäftigung geblieben. Bei manchen Festivals rückt diese Tradition sogar viel stärker in den Mittelpunkt, etwa in Polen beim „Haltestelle Woodstock“ Event.

#6: Einmalige Erfahrungen
Nirgendwo sonst wirst du so viele, so verschiedene und so verrückte Menschen kennenlernen, wie auf einem Festival. Nirgendwo sonst wirst du ähnliche Erfahrungen machen, die aus Musik, Tanzen, Licht und einer absolut ansteckenden, alles einhüllenden Atmosphäre bestehen. Kein Wunder, wenn dabei irgendwann der Wunsch aufkommt, dass diese Zeit nie vorbeigehen möge.



Das wird sie, leider. Und am Ende bleiben die Erinnerungen, von denen manche vielleicht etwas verschwommen sein wird. Glücklicherweise lassen sich die Erinnerungen nicht zuletzt bei Facebook jederzeit auffrischen, ansonsten muss die Erinnerungsstütze Smartphone herhalten. Wer es traditioneller, mit etwas mehr Haptik liebt und die in Bild gebannten Eindrücke angemessen kunstvoll zusammentragen will, bastelt ein Fotobuch aus dem vorhandenen Material und damit die ganz persönliche Festival-Story. So oder so: Ganz wird ein Festival nie aus dem Gedächtnis verschwinden. Egal, ob es das erste oder das hundertste ist.



6 Dinge, die du auf einem Festival auf gar keinen Fall tun solltest

Verrücktheit ja – aber nicht um jeden Preis. Natürlich sind Festivals die perfekte Gelegenheit, um sich auszuleben und mal aus der Reihe zu tanzen. Aber nicht auf Kosten der anderen Festival-Teilnehmer. Am Ende geht es für alle darum, die beste Zeit überhaupt miteinander zu verbringen. Und dazu gehören auch auf einem Festival ein paar grundsätzliche Regeln.

#1: Zu wenig trinken
Mag vielen mit wenig oder gar keiner Festival-Erfahrung wie Ironie erscheinen, immerhin sind Festivals für Vieles bekannt, aber nicht zwingend für unzureichende Getränkeversorgung. Im Allgemeinen ist das auch richtig, allerdings geht es in diesem Punkt weniger um den Konsum alkoholischer Getränke, als vielmehr um den ausreichenden Flüssigkeitsnachschub für strapazierte Körper.

Denn in der Begeisterung über Musik und Leute kann es schnell vorkommen, dass auch bei anhaltender Hitze das Trinken vernachlässigt wird. Es wurde versäumt, ausreichend Proviant mitzunehmen, rund um die Bühne sind eigene Getränke eh tabu oder nur in Kleinstmengen erlaubt, die Schlangen an den Getränkeständen ist gerade mal wieder so furchtbar lang oder das Trinken wird beim Feiern schlichtweg vergessen. Die Folgen sind aber alles andere als angenehm und bedeuten im ungünstigsten Fall einen Besuch beim Sanitäter oder den vorzeitigen Abschied vom Festival.

Deshalb den vielbeworbenen isotonischen Effekt von Bier nicht überschätzen. Stattdessen im Auto unbedingt noch Platz für Wasser einplanen und sich nicht unbedingt auf die Veranstalter verlassen. Damit der Körper eine realistische Chance bekommt, bis zum Ende des Festivals durchzuhalten.

#2: Zu späte Anreise
Die potenziellen Festival-Fehler fangen im Prinzip schon vorher an: Nämlich bei einer zu späten Anreise. Gerade die großen Festivals ziehen Unmengen an Leute an, was die Schlaf- und Stellplatzvergabe zu einer echten Herausforderung macht. Damit daraus kein mittelgroßes Drama entsteht, ist das rechtzeitige Erreichen des Festival-Geländes ein wichtiger Faktor.

Wer erst kurz vor knapp erscheint, braucht sich nicht wundern, wenn natürlich nicht nur die Premiumplätze – verkehrsgünstig gelegen und ausreichend dimensioniert – schon vergeben sind, sondern einfach nirgendwo mehr eine Ecke zu finden ist, wo sich das Zelt hinquetschen ließe. Unter Umständen bleibt dann nur die Übernachtung im Auto. Auf einem meilenweit entfernten Stellplatz und ohne sanitäre Infrastruktur in der Nähe.



Pünktlichkeit mag nichts sein, was man mit dem ansonsten eher im Laissez-faire-Stil gehaltenen Leben auf dem Festival-Gelände verbindet. Unpünktlichkeit ist aber auch keine Option, es sei denn, man kann der relativen Ruhe der Randlagen oder der unmittelbaren Nähe zu den sanitären Einrichtungen etwas Positives abgewinnen. Nicht undenkbar, aber eben auch nicht sehr wahrscheinlich und damit Grund genug, rechtzeitig zu erscheinen.

Umgekehrt dürfen sich frühzeitig Angereiste aber gerne von ihrer hilfsbereiten und solidarischen Seite zeigen, anstatt metaphorische Grenzwälle um die Wunschplätze zu errichten. Außerdem ist das nicht gerade die eleganteste Art, um interessante und nette Leute kennenzulernen.

#3: Zu sehr aufstylen
Insgesamt betrachtet ist ein Festival eine Extremerfahrung. Auch für die Klamotten. Auf die Vorzüge von Kostümen haben wir ja bereits hingewiesen. Ansonsten gilt das beliebte Motto „anything goes“, aber innerhalb gewisser Grenzen. Wer Festivals hauptsächlich mit der Glamour-Welt eines Coachella verbindet, wird schnell feststellen, dass so eine Veranstaltung im Normalfall kein Fashion-Run ist. Die neuesten It-Pieces können also getrost zuhause im Schrank und damit in Sicherheit bleiben.

Merke: Weiße Kleidungsstücke behalten ihre Farbe auf Festivals erfahrungsgemäß nur in eng begrenzten Zeiträumen. Wagemutige können es natürlich trotzdem gerne versuchen.

#4: Zu wenig Orientierung
Festivals locken immer mehr Menschen an, werden immer größer und damit zu einer immer komplexeren, logistischen Herausforderung. Diese Kombination kann, besonders in Verbindung mit dem Genuss alkoholischer Getränke und Schlafdefiziten, eine gewisse Orientierungslosigkeit nach sich ziehen. Zum Glück ist es inzwischen möglich, sich passende digitale Unterstützung zu holen. Spezielle Apps helfen dann nicht nur dabei, seine Freunde oder das Zelt als temporären Heimathafen auf dem Gelände wieder zu finden, sondern auch den gemeinsamen Einkauf zu koordinieren.



#5: Zu touchy
Um die Punkte „einmalige Begegnungen“ und „anständiges Verhalten“ auf Festivals in den richtigen Zusammenhang zu stellen, vor allem für Männer, die noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind. Eine Ansammlung von vielen Menschen unterschiedlichen Geschlechts ist keine Einladung für penetrante Anbandelungsversuche. Lasst euch nicht täuschen, Männer: Nur, weil das private Frühstücksfernsehen in seiner Analyse der Festival-Flirt-Typen den beschönigenden Titel des „Draufgängers“ für männliche Festival-Besucher vergibt, die die Verwendung einer Wasserpistole für eine kreative und geistreiche Möglichkeit halten, „die Mädels zu beeindrucken“, fällt das Resultat mit allergrößter Wahrscheinlichkeit weniger erfolgreich aus. Nur eines von vielen Beispielen infantilen wie unangemessenen Balzverhaltens, das niemand braucht. Auf Festivals ebenso wenig wie überall sonst.



#6: Zu achtlos
Hierunter fallen verschiedene Formen des Fehlverhaltens – wenn man es denn im Einzelfall so nennen möchte. Achtlosigkeit kann beispielsweise schon beim Packen anfangen, wenn die wichtigsten Utensilien vor lauter Vorfreude oder Panik vergessen werden. Zwar gibt es inzwischen auf vielen Festivals Einkaufsmöglichkeiten, die günstigere Variante dürfte trotzdem ein Minimum an Aufmerksamkeit beim Abarbeiten der Packliste sein.

Achtlosigkeit zeigt sich aber auch beim Umgang mit dem Zelt. Das kann aus naheliegenden Gründen natürlich nicht dauerbewacht werden, sollte aber genauso wenig zur Selbstbedienung einladen. Vor allem sollte es nicht zum Problem für die Veranstalter werden, sobald es keine Verwendung mehr dafür gibt, was im Übrigen in gleicher Weise für den Rest der Mitbringsel und Campingausstattung gilt.

Dass ein Festival-Gelände während der Veranstaltung nicht zwingend ein Musterbeispiel für geordnetes Beisammensein ist, dürfte klar sein. Dass ein Festival-Gelände nach der Veranstaltung aber einer riesigen Müllkippe gleicht, weil sich niemand für den eigenen Dreck verantwortlich fühlt, darf nicht sein.

Übrigens ist auch an einem anderen Mythos nicht viel dran: Wer sein Gewissen damit beruhigen möchte, dass sein zurückgelassenes Zelt nach dem Festival etwa Hilfsorganisationen zugutekommt, sollte dies besser nochmal überdenken. Oft sind es nur wenige Exemplare, die durch lokale Initiativen eingesammelt werden.


Bildnachweise:
Bild 1: Andre Benz (@trapnation) / Unsplash
Bild 2: GutesaMilos / Adobe Stock
Bild 3: Zach Lucero/ Unsplash
Bild 4: chartphoto / Adobe Stock
Bild 5: Andrew Ruiz / Unsplash
Bild 6: Anton Malanin / Unsplash

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